Trotz Lockdowns: Höchststand an Neuinfektionen, aber gute Zahlen von Intensivstationen

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Senior (Symbolbild: shutterstock.com / Durch Fotoluminate LLC)

Ob dieser Lockdown etwas bringt, ist fraglich. Immer mehr Bürger scheinen trotz Kontaktsperren zumindest Reste dieses Virus in irgendeiner Einkaufstüte mit sich herum zu tragen und diese zu übertragen. Wie halt bei einer normalen Grippe.

Die Tagesbilanz der Corona-Statistik fällt am Freitag entsprechend gemischt aus: Mit 24.030 Neuinfektionen wurde von den 401 kreisfreien Städten und Landkreisen zwar ein neues Allzeithoch gemessen. Gleichzeitig lag der Wert gut fünf Prozent über dem Wert vom letzten Freitag, womit der seit Wochen andauernde Trend zu immer niedrigeren und teils negativen Steigerungsraten vorerst gestoppt scheint. Außerdem wurden am Freitag jedoch auf den Intensivstationen „nur“ 18 Covid-19-Fälle mehr gemeldet als am Vorabend, was bei insgesamt nun 3.619 Patienten einer theoretischen Verdoppelungszeit von 139 Tagen entspricht.

Rückblickend verdoppelten sich die Belegungszahlen innerhalb von etwa 22 Tagen, das Wachstum hat sich also spürbar verlangsamt. Angesichts von 18.051 Intensivbetten, die derzeit frei oder innerhalb von sieben Tagen zusätzlich aufstellbar wären, scheint eine Überforderung des Gesundheitssystems in den nächsten Wochen zumindest nicht unmittelbar bevorzustehen. Allerdings zweifeln angebliche Experten an, dass es auch genügend Personal gäbe, um eine so hohe Anzahl an Intensivpatienten nach den bisherigen Standards zu betreuen.

Natürlich aber bewertet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das November-Maßnahmenpaket der Bundesregierung in der Coronakrise als Erfolg. „Der Wellenbrecher funktioniert doch“, sagte Spahn im der „Welt“-Streitgespräch mit FDP-Chef Christian Lindner. „Das exponentielle Wachstum ist gebrochen. Wir sind uns einig, dass das nicht reicht. Aber es ist gelungen – einmal mehr.“ Der Minister rechtfertigte die hohe Bedeutung, die die Regierung den Infektionszahlen beimisst.

„Wir sind das Land mit einer der ältesten Bevölkerungen weltweit“, sagte Spahn. „Wenn die Infektionszahlen steigen, steigt früher oder später auch der Behandlungsbedarf auf den Intensivstationen.“ Belgien, die Niederlande und Frankreich hätten Deutschland erneut gebeten, Patienten aufzunehmen, weil die Intensivkapazitäten dort ausgeschöpft sind.

„Ich will, dass wir die Welle brechen, bevor unnötig viel Leid in den Krankenhäusern entsteht“, sagte Spahn. Es führe kein Weg daran vorbei, die Infektionszahlen insgesamt niedrig zu halten. Bislang habe die Bundesregierung dabei mit vergleichsweise milden Maßnahmen gute Ergebnisse erreicht.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warf der Regierung dagegen Strategielosigkeit vor. „Meine Befürchtung ist: Wir finden aus dem aktuellen November-Lockdown in diesem Jahr nicht wieder raus“, sagte Lindner. „Und falls wir ihn beenden, dann ist wenige Wochen später der nächste da. Das wäre eine Stop-and-Go-Politik, die enormen sozialen und wirtschaftlichen Schaden verursacht.“ Die Wellenbrecher-Strategie der Regierung funktioniere nicht, sie sei nicht dauerhaft durchhaltbar: „Das Erfolgskriterium für den Wellenbrecher ist für mich nicht nur die Senkung der Zahlen, sondern auch die Zeit danach.

Kann man wieder öffnen, oder wird ein dauerhafter Lockdown daraus? Nach Öffnung sieht es nicht aus“, so der FDP-Chef. Mit einem besseren Schutz der Risikogruppen wäre die Schließung von Gastronomie, Kultur, Freizeit und Sport unnötig gewesen, sagte Lindner: „Es ist möglich, auch öffentliches, kulturelles und wirtschaftliches Leben zu ermöglichen, sofern Abstand und Hygiene eingehalten werden.“

Die Losung: „Wir werden den Lockdown verlängern, weil er nichts bringt“ scheint in dieser Bundesregierung fest verankert zu sein – zu Lasten der psychischen Gesundheit der Bürger, zu Lasten der Wirtschaft und der Gesellschaft überhaupt. (Mit Material von dts)

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