Kliniken müssen angeblich schon jetzt mindestens jede dritte OP absagen

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Foto: Von Mongkolchon Akesin (Shutterstock)

Berlin – Wie jedes Jahr um diese Zeit, wenn die Grippewelle unser Gesundheitssystem einer Prüfung unterzieht, könnte es hier und da in den Kliniken vielleicht ein wenig eng werden. Eigentlich nichts besonderes und hätte man diesen Bereich nicht kaputt gespart, gäbe es auch diese Saison wohl kaum Probleme. Aber wir leben in Zeiten von Corona, da ist alles anders:

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) rechnet damit, dass die Regelversorgung in den Kliniken wegen der Coronakrise bis ins nächste Frühjahr massiv eingeschränkt sein wird. Sollte sich die Zahl der Neuinfektionen auf dem jetzigen Niveau stabilisieren, würden die Kliniken bundesweit im Schnitt maximal 70 Prozent der Regelversorgung leisten können. „Mindestens jeder dritte planbare Eingriff wird nicht stattfinden können“, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben).

„Bleibt die Zahl der Neuinfektionen auf dem aktuellen Niveau, werden wir bis zum nächsten Frühjahr massive Einschränkungen bei den planbaren Eingriffen haben.“ Gaß rechnet im günstigsten Fall mit einer Stabilisierung der Zahl der täglichen Neuinfektionen: „Wenn es gut läuft, wird sich die Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Wochen auf dem jetzigen Niveau mit täglich knapp unter 20.000 Fällen im Wochenschnitt stabilisieren.“ In der Folge hieße das: „Wir werden Mitte Dezember bis zu 6000 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen haben. Die Zahl der Corona-Patienten auf den Normalstationen ist vierfach so hoch und dürfte dann bei mehr als 20.000 Patienten liegen.“ Eine solche Lage sei für die Krankenhäuser gerade noch verkraftbar – aber nur unter der Voraussetzung, dass planbare Eingriffe deutlich reduziert würden. Sollten die Zahlen der Neuinfektionen dagegen wieder steigen, so Gaß, müssten die Kliniken die Regelversorgung in wenigen Wochen noch weiter einschränken.

„Sollte auch das nicht reichen, müssen flächendeckend Normalstationen geschlossen werden und Patienten, dort wo es vertretbar ist, vorzeitig entlassen werden.“ Nur so stünde genug Personal zur Verfügung, um die Versorgung der Intensivpatienten zu leisten. „Das wäre der absolute Ausnahmezustand“, warnte der DKG-Präsident.

Und so „dramatisch“ sieht es jetzt schon aus:

Und diese Meldung hier könnte für die Alarmstimmung gesorgt haben (Ironie off):

„Jeder hundertste Deutsche hat einen positiven Corona-Test. Bis Dienstagabend kurz vor 20 Uhr meldeten die Gesundheitsämter der 401 kreisfreien Städte und Landkreise insgesamt 833.156 bestätigte „Infektionen“, das entspricht bei einer Bevölkerungszahl von 83,1 Millionen Menschen 1,003 Prozent. In Berlin war die 1-Prozent-Hürde schon vor einigen Tagen überschritten worden, hier hatten bis Dienstag 1,4 Prozent der Bevölkerung ein positives Testergebnis – also fast jede 70. Person.

Auch Bayern (1,3 Prozent), NRW und Bremen (jeweils 1,2 Prozent), Baden-Württemberg und das Saarland (jeweils 1,1 Prozent) liegen schon länger über der Hürde. Die niedrigste Inzidenz war in Mecklenburg-Vorpommern zu verzeichnen, wo bislang nur 283 Infektionen je 100.000 Einwohner nachgewiesen wurden, entsprechend 0,3 Prozent der Bevölkerung. Auch in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein (jeweils 0,4 Prozent) oder Thüringen (0,5 Prozent) waren die Infektionszahlen unter Bundesdurchschnitt.

Die tatsächliche Zahl der Infizierten liegt aber wohl deutlich höher (was eigentlich die „Harmlosigkeit“ des Virus belegt). Experten rechnen mit einer Dunkelziffer um den Faktor zwei bis sechs – aktuell entsprechend zwei bis sechs Prozent der Bevölkerung. Unterdessen ging die Zahl der Corona-Infektionen am Dienstag den vierten Tag in Folge zurück.

Laut der Daten aus der Kommunenabfrage wurden am Dienstag 15.692 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert, 5,3 Prozent weniger als vor einer Woche. Die Todesfallzahlen gingen hingegen am Dienstag durch die Decke: Die Gesundheitsämter meldeten 336 Personen, die mit dem Coronavirus starben, der höchste Tageswert in der Kommunenabfrage seit 16. April.“

Wann wird das Gefühl nicht los, dass hier welche versuchen, aus der Coronakrise so viel Kapital zu schlagen, wie überhaupt möglich ist.

Hier noch einige aktuelle Zahlen:

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Mittwochmmorgen 17.561 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren fünf Prozent weniger als am Mittwochmorgen vor einer Woche, als durch das RKI 18.487 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet worden waren. Am Vortag war die entsprechende Zahl sechs Prozent niedriger ausgefallen als eine Woche zuvor, am Montag sogar um 19 Prozent.

Mit einer Gesamtzahl von 833.307 Infizierten haben nun rund ein Prozent der Deutschen einen positiven Corona-Test. Außerdem meldete das RKI 305 Tote binnen 24 Stunden in Zusammenhang mit dem Virus. Dabei ist aber stets unklar, ob sich die Todesfälle wegen oder nur mit dem Virus ereignen.

Auf den Intensivstationen wurden unterdessen am frühen Mittwochmorgen 3.522 Covid-19-Patienten intensiv behandelt.

(Mit Material von dts)

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