Corona-Maßnahmen: Der dümmste Artikel aller Zeiten

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"Da lachen ja die Hühner" - Foto: Imago

In der „Welt“ beklagt sich Herr Julien Reitzenstein über jene verzagten Corona-Krisenjammerer, welche ihren Unwillen wegen ein bißchen Grundrechtsbeschränkung, Jobverlust, Pleite & Hauchdünnmaske allzu deutlich-deutlich machen. Besser sollte Frohsinn sein, so der „Welt“ ihr Reitzenstein, daß es …. – die komfortabelste Krise aller Zeiten ist. Über den dümmsten Artikel aller Zeiten. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Viele Deutsche leiden unter vermeintlichen Einschränkungen ihrer Rechte, etwa unter dem Tragen von Masken. Sie verkennen, dass es dennoch nie in der Geschichte komfortabler war, eine Krise durchzustehen.„, – was fällt ihm ein, dem Reitzenstein? Was schreibt er denn da in diesem Artikel bei der „Welt“? – Komfortable Krise. Viereckige Kreise. Attraktive Bundeskanzlerin. Auf „komfortable Krise“ muß man erst einmal kommen. In der komfortablen Krise kommt es einer teilhabenden Menge von „die Menschen“ lediglich so vor, als würden ihre Rechte eingeschränkt. Weil sie sich täuschen, die Dummerchens. Die tatsächliche Einschränkung ihrer Rechte ist nämlich nur vermeintlich eine solche. Ob es sich beim Reitzenstein wohl um einen vermeintlichen Reitzenstein handelt?

Das war aber erst der Teaser. Gleich nimmt uns der möglicherweise Vermeintliche mit ins Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Die Gattin von Ludwig XVI., Frau Marie Antoinette aus Versailles (* 1755 – *zack* 1793) dient dem Herrn von der „Welt“ gleich in der ersten Zeile zur Création des Eindrücks, man ´abe es mit einem trés studierten Historiker zu tun, der trés schick etwas über komfortable Krisen erzählen kann. Das ist ein beliebter Trick allerweil. Wolfgang Herles stieg kürzlich erst mit Karl Popper ein, um etwas über die US-Wahl zu sagen. Man zieht eben gern historische Zeugen bei zum Ausweis der eigenen Klugheit. Über gefälschte Dokumente wollte ich aber nicht schreiben. Marie Antoinette-Popper ist meine Zeugin. Feststeht: Weder Ludwig XVI. noch Marie Antoinette-Popper hatten eine antirevolutionäre Corona-WarnApp und niemand mußte erst eine Alltagsmaske aufsetzen, um ihrer Enthauptung beizuwohnen. Deshalb widme ich diese Medienkritik dem Götz von Berlichingen.

Was Autoren und Regisseure gern als Empathielosigkeit der Königin gegenüber den Bedürftigen darstellen, war in Wahrheit etwas anderes: Ein Zustand, die eigenen Privilegien nicht nur als selbstverständlich hinzunehmen, sondern über das Maß dessen, was angemessen wäre, vermeintlich Anspruch auf Sonderrechte zu haben. Auch wenn dies zu Lasten weniger Privilegierter geht. Der für dieses Verhalten heute verbreitete und abwertend verwandte Begriff lautet „Karen“. Eine Karen schränkt sich nicht ein, nur weil dies für Bedürftige wichtig ist. Das aktuelle Wehklagen über Maskenpflicht und Bewegungseinschränkung ist Teil der Karenisierung der Gesellschaft.“ – Das Ganze in kurz: Die Corona-Krisenjammerer sind mitleidslose Gesellen, weil sie noch nie Mitleid mit jemandem haben mussten und deswegen auch nicht wissen, was Mitleid überhaupt ist.
Mein Wahrscheinlichkeitsrechner meldet hier ein „unwahrscheinlich“. Über die Absicht Reitzensteins erzählt mir die Maschine: „Vorsicht! Reitzenstein versucht gerade, sich das komplette Moralterritorium zu sichern, um fortan keinen Quadratmillimeter davon wieder herauszurücken“. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Was sagt der Rechner? – „Läuft nicht, Reitzenstein“. Die Grundrechte existieren unabhängig von der Frage, ob „wir“ uns dadurch privilegiert fühlen oder nicht. Sie existieren einfach. Wie sie jemandem in gewissen Lebenslagen vorkommen, ist gänzlich unerheblich. Da gibt es nichts zu diskutieren. Aber um spaßeshalber mal einen „Woken“ nachzuäffen: Check your privileges, Reitzenstein!

Vom Standard und den Gewöhnlichkeiten

Der Lebensstandard steigt kontinuierlich„, meint Julien Reitzenstein schreiben zu sollen. Anscheinend gibt es nur einen Lebensstandard für alle. Für diesen Denkfehler wird der erste Buchstabenabzug fällig. Aus Reitzenstein wird *eitzenstein. Es ist nämlich so: In der meisterlichen Inszenierung von „komfortable Krise für die Menschen“ ist lediglich der Lebensstandard ganz bestimmter Leute kontinuierlich gestiegen. Jeff Bezos, Mark Zuckerberg, Bill Gates und andere schier außerirdisch Reiche haben jetzt statt eines multimilliardenschweren Lebensstandards einen regelrechten Lebensluxus. Bei sehr vielen anderen hingegen kann selbst der Klarsichtige nicht einmal mehr einen Standard erkennen. Deren Leben wurde regelrecht unterstandardlich. Und zwar unverschuldet. Musiker, Gastronomen, Konzertveranstalter, Reisebusunternehmer und Bordellbetreiber müssen Brotsuppe statt Austern essen. Sind diese „die Menschen“ nicht auch „wir“ – von einem standardmäßigen Blickwinkel aus betrachtet? Oder ist auf einmal nicht mehr Standard, daß es immer auf die Perspektive ankommt? Im Lande der jeweils eigenkonstruierten Realität, meine ich. Das „Wir“ hat auf einmal kollektive Privilegien? Was es nicht alles gibt beim *eitzenstein in der „Welt“.

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Weil nun der *eitzenstein in der „Welt“ wahnsinnige Behauptungen gern auch auf bröselige Fundamente stellt, versucht er sich wagemutig noch an einem Beweis für seine Behauptung, daß „der Lebensstandard“ von „wir“ kontinuierlich ansteige. Obacht! – „Im oscarprämierten Antikriegsfilm „1917“ verarbeitet Regisseur Sam Mendes die Erlebnisse seines Großvaters im Ersten Weltkrieg.“ – Pah! „1917“ läßt sich kein kühler Kopf andienen als das Jahr, ab dem der Lebensstandard kontinuierlich angestiegen ist. Dafür eignet sich „1970“ eher. Vater, Mutter, zwei Kinder – früher: harmonische Familie – er alleinverdienender Facharbeiter, sie zuhause, Eigenheim in Abzahlung, Opel Rekord vor der Tür, einmal jährlich großer Campingurlaub mit der ganzen Familie an der Adria. Das war einmal „Standard“. Dumm nur: Dieser Standard ist seit 1970 nicht gestiegen, sondern gefallen. Aber sowas von.

2020: Zwei Durchschnittseinkommen reichen gerade noch aus, der Vater ist depressiv, die Kinder sind drogensüchtig, die Mutter ist eine keifende Feministin und alle streiten sich ums Geld. Wenn sie Urlaub machen, dann einzeln, weil sie ihren Urlaub nicht mehr miteinander, sondern voreinander brauchen. Aber der Lebensstandard sei gestiegen seit 1917, will „uns“ der Herr – moment, erneuter Buchstabenabzug – **itzenstein weismachen. Ob er wohl weiß, was ein Leben eigentlich ist, standardmäßig so?

Schlachtschüssel

Aber auch die „Schlacht um Berlin“ dauerte mehrere Wochen. Beide Male: Lockdown durch Granaten.„. Das gibt erst einmal den nächsten Buchstabenabzug: ***tzenstein. Ja, wer Äpfel und Birnen nicht auseinanderhalten kann, der wird eben bald gar keinen Namen mehr haben. „Lockdown durch Granaten“ erinnert schwer an „Ostdeutsche sind auch Migranten“. Mich ärgern solche Verdummungsversuche derartig, daß ich vor lauter Wut – und weil ich´s kann – gleich noch einen Buchstaben abziehe: ****zenstein.

Obwohl vom ursprünglichen Reitzenstein immer weniger übrig bleibt, riskiert er zu allem Überfluß gleich den nächsten Buchstabenverlust. „Seit Ende der deutschen Diktaturen vor 75 beziehungsweise 31 Jahren gewährt die Demokratie ununterbrochen Meinungs- und Bewegungsfreiheit.“ – aha, und jetzt reicht´s wohl allmählich, oder wie? – „Es ist das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass Wohlstand von Jahr zu Jahr wächst.“ – „Der Wohlstand“, – er wächst? Wessen Wohlstand? Doch nicht etwa der von „wir“? Und was hätte jetzt dieser ominöse Wohlstand mit der Meinungs- und der Bewegungsfreiheit zu tun? Ob´s wohl wegen „1917“ ist? Da bleibt eine wichtige Frage ungeklärt – und schon ist der Herr Moralterritorium-Abstecker von der „Welt“ beim *****enstein gelandet. Wenn er so weitermacht, wird es ihm gehen wie dem Suppenkaspar. Und was soll ich sagen? – Er macht so weiter.

Sinn und Unsinn

Jedoch ist es unsinnig anzunehmen, dass „die Grundrechte“ – also Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes – bislang absolute Freiheit garantierten, die nun beschnitten werden.“ – und schon sind wir beim ******nstein. Der ganze Mann ist der personifizierte   Hungerstreik. „Es ist unsinnig“ – Übersetzung: Ich weiß, was sinnig ist, nicht ihr. Und was ihr unter „absolute Freiheit“ zu verstehen hättet, das weiß ich sinnigerweise gleich auch noch.

Dabei ist es ganz einfach: Wenn die Grundrechte eingeschränkt werden – und das werden sie derzeit massiv, gerade mit dem neuen „Bevölkerungsschutzgesetz“, jener Monstrosität, die dem „Infektionsschutzgesetz“ recht schutzhaftmäßig wie Hämorrhoiden herausgewachsen ist -, dann werden die Grundrechte eingeschränkt. Ob die Grundrechte von irgendwem als eine Garantie für „absolute Freiheit“ verstanden werden oder nicht, spielt dabei nicht die geringste Rolle. Wenn die Grundrechte geschleift werden, dann werden die Grundrechte geschleift und nicht irgendeine Definition von „Grundrecht“. So einfach ist das. Um überhaupt an eine Schleifung der Grundrechte denken zu dürfen, müsste eine enorme Notlage vorliegen. Liegt sie aber nicht. Die Lage bewegt sich völlig im Rahmen des seit Generationen Gewohnten. Die Sterberegister bestätigen es mit den Mortalitätsraten heute so, wie sie das schon im Frühjahr getan haben. In keiner Hinsicht ist irgendwo ein relevanter Gipfelwert aus der Vergangenheit besorgniserregend überschritten worden, wenn man vom Spitzenwert für grundlose Panik einmal absieht.

Wo die Beweislage für „außergewöhnlicher Notstand“ derartig dünn ist, geht es bei der Schleifung der Grundrechte keinesfalls um irgendwelche Schutzmaßnahmen, die ein höheres Gut darstellen, sondern da geht es um genau das: Um die Schleifung gänzlich uninterpretierter Grundrechte. Und das wiederum ist strengstens verboten. Da braucht gar niemand mehr auf der Sozialverträglichkeits-Schiene angerutscht kommen, noch nicht einmal der *******stein. Weil er aber genau das versucht hat, ist der „Welt“-Schreibende jetzt ein ********tein.

Zustände und Fälle

Und dann das noch: „Im Ausnahmezustand des Verteidigungsfalls gewährt das Grundgesetz dem Staat die Möglichkeit, die Freiheit der Ausübung eines Berufs oder den Arbeitsplatz aufzugeben, einzuschränken.“ Das ist richtig, Herr *******tein. Der Haken an diesem Vergleich ist der: Wenn Verteidigungsfall ist, dann merkt man das sogar als Deutscher. Dann denkt man sich: „Hoppla, Verteidungsfall? Das ist ganz bestimmt ein Ausnahmezustand“.

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Mit der „Pandemie“ ist es aber so, daß man sie nicht bemerkt. Die behauptete Aus- und drohende Überlastung der Intensivstationen mit Covid-19-Erkrankten geht einher mit einem drastischen Abbau der Intensivbettenzahl seit Juli einerseits – und mit einer drastischen Erhöhung der Testfrequenz andererseits. Keineswegs auszuschließen ist die Möglichkeit, daß fast alle „die Menschen“ mit dem Coronavirus in einer Weise „infiziert“ sind, die sich mit dem PCR-Test nachweisen läßt. Darunter jede Menge Gesunder. Entschuldigung, „symptomlos Erkrankter“ wollte ich geschrieben haben. Gesunde heißen nämlich mitten in der politmedial inszenierten Panikpandemie zum höheren Ziele – sinnigerweise – „symptomlos Erkrankte“. In der Realität allerdings sind „symptomlos Erkrankte“ ungefähr so etwas wie ein „unmotorisiertes Formel 1-Rennen“.

Für einen derartigen Quatsch verzichtet abseits aller öligen Sozialverträglichkeits-, Bürgerpflichts- und Empathieplädoyers kein vernünftiger Mensch auf seine Grundrechte. Da braucht´s schon jede Menge „Welt“-Leser, die sich von den *******teins dieser gräßlich bigotten Hypermoralistenrepublik gefühlvoll einseifen lassen. Das gibt jetzt den finalen Buchstabenabzug, nämlich vier auf einen Streich, Herr ************.

Und schon hat sich wieder einer dieser Mainstream-Oberlehrer in Luft aufgelöst. So kann´s weitergehen.

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