Stöcker im SPIEGEL: Trump macht die Ozonlöcher ins Himmelblau

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Prof. Dr. Christian Stöcker , Medienwissenschaftler und (dennoch) SPIEGEL-Kolumnist - Foto: Imago

Beim „SPIEGEL“ gibt es eine ganze Reihe äußerst seltsamer Gestalten. Neben Margarethe Stokowski und Sibylle Berg ist Christian Stöcker – seines Zeichens Kognitionspsychologe und Kolumnist – eine der seltsamsten. Jetzt hat er wieder eine Kolumne rausgehauen: Der böse Donald Trump und das Ozonloch. Total irre. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

In der Rubrik „Wahl in den USA“ versichert Stöcker mit der Schlagzeile: „Es geht um alles (diesmal wirklich)„, daß es in seinen bisherigen Kolumnen zum Klimawandel noch nicht um alles gegangen ist, obwohl sie sich allesamt so gelesen haben, als sei es schon immer um alles gegangen. Wollte er den Lesern des Relotiusblättchens sagen, daß er bisher geflunkert hat? – Wohl kaum. Rechnet der Kognitionspsycho damit, daß sich die Konsumenten der Relotius-News sowieso nichts für länger als fünf Minuten merken können? – Könnte sein.

Die liebe Umwelt scheint Stöckers liebstes Aufregerchen zu sein, weswegen sie auch dieses Mal wieder herhalten muß, um die abgrundtiefe Ignoranz des US-Präsidenten zu belegen. Nebenbei „belegt“ Stöcker auch die suizidalen Tendenzen strunzdummer Trump-Wähler. Das wiederum gibt recht gut Aufschluß darüber, wofür sich der Stöcker recht kognitiv selber hält. Ich Stöcker, ich der totale Durchblicker.

Und schon geht´s los im Teaser: „Vielen Wahlen wird immense Bedeutung zugeschrieben. Im Fall Trump oder Biden stimmt das wirklich. Einer der beiden arbeitet bewusst daran, den Planeten unbewohnbar zu machen.“ – Boah. Da bleiben doch gleich einmal ein paar wichtige Fragen offen.

Von wem wird vielen Wahlen eine immense Bedeutung lediglich zugeschrieben, obwohl sie anscheinend gar keine immense Bedeutung haben? Und woher weiß der Stöcker, daß die immense Bedeutung von vielen Wahlen schiere Einbildung ist? Aus welchen Gründen arbeitet einer – der Biden – bewußt daran, den Planeten unbewohnbar zu machen? Weil er auf den Mond umziehen will? – Späßchen. Natürlich weiß Stöcker genau, welcher der beiden – ganz wichtig: bewußt – daran arbeitet, den Planeten unbewohnbar zu machen. Es ist der böse Herr Trump. Warum arbeitet der bewußt daran, den Planeten unbewohnbar zu machen? Weil er für den Kognitionspsycho nicht schuldig genug wäre, wenn er es „unbewußt“ tun würde. Trump begeht keine Fehler. Er begeht ein Verbrechen. Weil er ganz bewußt den Planeten unbewohnbar machen will. Und der Stöcker ist ihm auf die Schliche gekommen, sapperlott. Als passionierter Psychoanalytiker für durchsichtige Kognitionspsychologen will ich dem Stöcker deshalb gleich einmal sein eigenes Motiv erklären, auf daß er sich ein Wörterbuch greife, um nachzuschlagen, welche Bedeutung das Wort „Scham“ hat. Mit Vorsatz hatte Stöcker das Wörtchen „bewußt“ gewählt, um hernach umso gnadenloser über den Herrn US-Präsidenten herziehen zu können. Der Stöcker bastelte sich eine richterliche Eigenlegitimation.

Wissen Sie noch, was FCKW sind?„, fragt Stöcker, den Zeigefinger in die Luft gereckt wie der Lehrer Lämpel. Hält er wirklich für möglich, daß Sie oder ich vergessen haben könnten, was FCKW sind? Oder fragt er, damit „wir“ es ihm sagen, weil er selbst es vergessen hat? Natürlich nicht. Er fragt, weil er ein Gefälle nach Art des Linken konstruieren will. Auf des Wissensberges Gipfel sitzt der Stöcker und tief unten im Tal sitzen Sie. Oder ich. Weil „wir“ vergessen haben könnten, was FCKW sind. Fluorchlorkohlenwasserstoffe aus Spraydosen, Kühlschränken und dergleichen hätten vor wenigen Jahrzehnten noch ein Ozonloch in die Atmosphäre gerissen, das jetzt wieder weg ist, weil FCKWs verboten worden sind, meint der Stöcker. Warum konnten sie verboten werden?

Der Stöcker kennt die Antwort: Es liegt an der „Fähigkeit der Menschheit, im Notfall konzertiert und vernünftig zu handeln.„. Keine Antwort liefert der Stöcker auf die Frage, ob außer dem FCKW-Fall auch der Kriegsfall ein Notfall sein könnte, der mit der „Fähigkeit der Menschheit, im Notfall konzertiert und vernünftig zu handeln“ aus der Welt zu schaffen wäre. Das ist allerdings auch keine Frage, die der Kognitionspsycho am liebsten beantworten würde, weil er sonst zugeben müsste, daß die ganze Menschheit über die Fähigkeiten von Donald Trump verfügen muß. Es handelt sich schließlich um den ersten US-Präsidenten seit Generationen, der keinen Krieg auf dem Kerbholz hat. Was für ein Verbrecher. Wegen der FCKWs. Und dann kommt er sogleich zu seinem zivilreligiösen Lieblingsthema, der heiligen Dreifaltigkeit von Planet, Menschheit und Weltklima. „Globaler Konsens, eine globale Erfolgsgeschichte: Das Ozonloch schrumpft – auch wenn dieser Effekt leider durch den Klimawandel verlangsamt wird. Bis jetzt, muss man sagen. Denn es gibt tatsächlich Leute, die gern wieder mehr FCKW in die Atmosphäre pumpen möchten. Und Leute, die bereit sind, das wieder möglich zu machen. Raten Sie mal, wer das sein könnte. Richtig: Donald Trump.„. – So ein Bösewicht aber auch, dieser Trump.

Wie begeht dieser Trump ein solches FCKW-Verbrechen? Der Stöcker weiß es ganz genau und gibt bereitwillig Auskunft für die des FCKWs Unkundigen. „Seine Regierung hat die US-Umweltbehörde EPA gezielt verkrüppelt und zu einer Art Anti-Umweltbehörde pervertiert. Diese Trump-EPA hat schon vor Jahren aufgehört, bestimmte Einschränkungen des Einsatzes von FCKW wirklich durchzusetzen. Im März 2020 legte die Behörde nach und fuhr Regeln zurück, die Lecks von Ozonloch-fördernden Substanzen verhindern helfen sollen. Viele US-Bundesstaaten klagen gegen die Behörde, nicht nur wegen dieser grotesken Politik. Der Eindruck drängt sich auf, dass Trumps Regierung die Zerstörung des Planeten tatsächlich aktiv voranzutreiben versucht.“ – Um im Stile Stöckers zu fragen: Wissen Sie noch, was ein Narrativ ist? Und daß Kognitionspsychos Meister darin sind, per Framing ein Narrativ zu etablieren, das mit der Realität nichts mehr zu tun hat, obwohl es auf den ersten BLick so aussieht, als läge eine Beschreibung der tatsächlichen Zustände vor? Natürlich wissen „Wir“ das. Schließlich wissen „wir“ auch, was FCKWs sind. Daher ist uns klar, daß das Narrativ vom Ozonloch-Trump und der Umweltbehörde framingbereinigt so klingen muß: Trump hat aus der EPA eine Umweltbehörde gemacht, die nach wissenschaftlichen Regeln funktioniert, Risiken und Chancen ins Verhältnis zueinander setzt, und durchaus zu Ergebnissen kommen kann, welche der zivilreligiösen Glaubenslehre von ökologistischen Fundamentalisten zuwider laufen. Bei ökologistischen Fundamentalisten handelt es sich nämlich um pervertierte Rationalisten. Deren Einfluß innerhalb der EPA hat Trump tatsächlich reduziert zum Schutz des gesunden Menschenverstandes. Der Eindruck drängt sich auf, daß der Stöcker die Verblödung der Massen tatsächlich aktiv voranzutreiben versucht.

Wenn es schadet, ist Trump dafür„, lautet dann des Kognitionspsychos nächste Zwischenüberschrift. Fett gedruckt ist das, weil schließlich hängen bleiben soll, daß der US-Präsident ein pazifistischer Verbrecher ist. Wann schadet etwas? Wenn der Stöcker behauptet, daß es das tut. Der Relotius-Kolumnist fachsimpelt dann recht kognitionspsychologisch über sein Fachgebiet, oder über das, was „wir“ ihm außer der Kognitionspsychologie noch als das seine abkaufen sollen – und klärt uns auf über Methan und CO2. Unmöglich, daß er dabei wesentliche Aspekte ausgelassen haben könnte. Der edle Stöcker doch nicht? – Ende vom Lied: Der pazifistisch-verbrecherische US-Präsident ist auch noch ein bösartiger Ignorant, der solche Vereinigten Staaten regiert, die besser dran wären, wenn der Stöcker selbst Präsident wäre. Weil er sich auskennt.

Und dann flippt er völlig aus, der Kognitionspsycho im Lügenblatt, und jongliert mit CO2-Behauptungen, daß sogar dem halbwegs Informierten ganz schwindlig wird. Das folgt dem alten Motto: Wenn du den Leser nicht überzeugen kannst, dann verwirre ihn. Ganz so, als habe der Leser gar keine Chance, des Stöckers wahre Motive hinter seiner unsubstantiierten Suada gegen Donald Trump zu identifizieren, erstürmt der Kognitionspsycho sogleich voller Entrüstung den Gipfel der kognitionspsychologischen Infamie und verkündet: „Eine Minderheit der US-Wähler könnte somit im schlimmsten Fall eine Präsidentschaft zementieren, die auch für die gesamte übrige Menschheit gravierende, potenziell katastrophale Auswirkungen hätte. Eine zweite Trump-Regierung würde weiterhin versuchen, die Verbrennung fossiler Brennstoffe anzuheizen. Obwohl sich das schon jetzt sogar wirtschaftlich immer weniger lohnt. Es ist, als ob ein einziger Passagier eines leckenden Rettungsbootes Wasser ins Boot hinein- statt herausschöpft.

Zusammenfassung nach Stöcker

1. Der US-Präsident möchte den Planeten „bewußt“ unbewohnbar machen. Warum will er das? Stöcker bleibt eine einleuchtende Erklärung dafür schuldig.
2. Der US-Präsident liebt Geschäfte, die sich nicht rechnen. Davon ist er so reich geworden, daß er auf sein Präsidentengehalt verzichtet.
3. Daß der US-Präsident der erste seit Generationen ist, der keinen Krieg angezettelt hat, ist solange nicht der Rede wert, wie es noch Restbestände von Methan und CO2 auf dem Planeten der Menschheit gibt.

Normalzusammenfassung

Ob du den „SPIEGEL“ ein Relotiusblättchen oder ein Stöckerblättchen schimpfst, ist einerlei. Das vormalige „Sturmgeschütz der Demokratie“ ist zum ökosozialistischen Stürmer degeneriert. Daß eine Fortsetzung der Präsidentschaft Trumps eher schlecht für das Blättchen wäre, weil sich herausstellen wird, wie grotesk daneben der ökosozialistische Stürmer in der Vergangenheit gelegen hat, haben die Stöckers dieser Republik im Urin. Wo auch sonst? Instinktiv spüren sie, daß sich eine ganze bleierne Epoche ihrem Ende zuneigt, und daß dieses Ende keines zu ihrem eigenen Wohl und Frommen sein wird. Weswegen ihre Tonlage auch immer schriller wird. Bald wird das nervige Geschwafel von Planet, Menschheit und Weltklima unpopulär geworden sein. Die per Framing, Euphemismen und pervertierten Begrifflichkeiten installierte Deutungshoheit wird schwinden – und je deutlicher den „die Menschen“ klar wird, wer sie mit welchen Methoden jahrzehntelang in die Irre geführt hat, desto ungemütlicher wird es werden für die Stöckers dieser CO2-haltigen Welt. Stöckers Artikel legt beredt Zeugnis ab von den Ahnungen in des Verfassers Urin. Da kann der Stöcker schon mal ein bißchen nervös werden.

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