Virologe Streeck: „Ich halte den Shutdown für zu früh“

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Prof. Dr. med. Hendrik Streeck (Foto: Imago)

Bonn – Noch sind nicht alle Kritiker der katastrophal agierenden Bundesregierung zum Schweigen gebracht worden. Der Bonner Virologieprofessor Hendrik Streeck zum Beispiel warnt vor voreiligen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. „Ich halte den Shutdown für zu früh“, sagte Streeck der „Süddeutschen Zeitung“ (Wochenendausgabe). So würden die Infektionszahlen zwar sinken, aber nur vorübergehend.

„Das Virus geht ja nicht weg“, so der Virologe. Er fordert, über eine „Langzeitstrategie“ nachzudenken, statt „jede Infektion um jeden Preis“ zu verhindern. Angesprochen auf seine Rolle in der öffentlichen Debatte, sieht Streeck sich als Mittler zwischen den Extremen: „Momentan gibt es auf der einen Seite dieses Bagatellisieren und auf der anderen Seite einen sehr alarmistischen Ton. Ich stehe dazwischen.“ Allerdings würden seine Aussagen „in beide Richtungen gerne falsch verstanden“, so der Virologe. „Ich wünsche mir, dass in die Diskussion etwas Ruhe reinkommt.“

Auch der Ökonom Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), hat den Lockdown-Kurs der Bundesregierung gerügt. „Es mangelt der Bundesregierung an einer langfristigen Strategie. In den vergangenen sechs Monaten wurde es versäumt, digital aufzustocken und sich klare Konzepte zu überlegen“, sagte Hüther den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben).

Unsicherheit sei „das größte Gift“, das die Wirtschaft haben könne. „Der Bundesregierung ist es nicht gelungen, diese Unsicherheit zu nehmen“, so Hüther. Niemand wisse, ob es im Dezember oder im Frühjahr weitere Lockdowns geben werde.

Der IW-Chef drängt darauf, dass nicht noch mehr als derzeit geplant geschlossen wird. „Wenn die wirtschaftliche Erholung anhalten soll, dann ist es essentiell, dass die Grenzen und Schulen geöffnet bleiben“, sagte Hüther. Er rechnet damit, dass sich Konsumenten bei der Anschaffung langlebiger Güter zurückhalten werden.

Eine mögliche Ausweitung der Mehrwertsteuersenkung hält er aber für falsch. „Steuersenkungen sind nicht nachhaltig und eine Konjunkturmaßnahme erzielt ihre Wirkung nur dann vollständig, wenn sie befristet ist“, sagte Hüther…

Aber natürlich wird es weitere Lockdowns geben. Nämlich immer dann, wenn nach Lockerungen die Zahlen naturgemäß wieder steigen werden. Und das werden sie – mit oder ohne Impfstoff. Bis das Virus durch ist – in der ganzen Welt.

So funktioniert die Natur nun mal, da kann auch die „heilige Angela“ nichts daran ändern. (Mit Material von dts)

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