Dauerwurst Corona: Wo ist die Influenza geblieben?

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An Corona verstorben: Die Influenza (Foto:Imago/MiS)

Rückschauend wird man die Corona-Pandemie womöglich als ein Paradebeispiel der Geschichte für die Macht der Imagination, Propaganda und Angstkonditionierung in den Lehrbüchern finden. Wir werden ganz offensichtlich Zeitzeugen ein kognitionswissenschaftlichen Phänomens: Aus dem Nichts wurde ein schon immer dagewesenes Infektionsgeschehen als scheinbar epochale Menschheitsbedrohung wahrgenommen. Hätte man von SarsCoV2 nie gehört, wäre das Virus nie entdeckt worden und wäre es folglich nie zur Einstufung als globale „Pandemie“ gekommen: höchstwahrscheinlich wäre alles wie immer und niemandem wäre irgendetwas Ungewöhnliches im Jahr 2020 aufgefallen – außer, dass man (und selbst das ist nicht sicher) eine heftigere Grippesaison bemerkt hätte.

Tatsache ist: Ohne das medial über uns hereingelegte Spezialwissen, das begriffliche Dauerframing und die ständige Zwangsbefassung mit Fachausdrücken von Viruslast bis Reproduktionszahl, die vor dieser Krise allenfalls einem nerdigen Club virologischer Experten geläufig gewesen wären, wäre all dies, was wir hier erleben, unter der saisonalen Grippe gelaufen, also der banalen und ubiquitären jährlichen Influenza, und wir hätten uns – ohne die angstbedingte medial-politische Dauerexposition mit nur noch einem Thema, darum ebenso wenig geschert wie in irgendeinem früheren Jahr.

Und die Mortalität alleine anhand Vorerkrankter, Alter und Risikogruppen zu bemessen, denen ehrlicherweise auch jede andere Krankheit potentiell gefährlich werden kann, war ein manipulatives Meisterstück. Ohne Einordnung der statistischen Seltenheit wurden die schweren Verläufe jüngerer und nicht Vorerkrankter, die es in derselben Häufung allerdings auch bei jeder sonstigen Grippewelle schon immer gab, diesmal als Beweis für eine außerordentliche Bedrohung herangezogen.

Die außerordentliche Fähigkeit unseres Gehirns zur Verdrängung und zur Vergesslichkeit schlägt uns hier ein Schnippchen: Es ist, als sei ein Schalter umgelegt worden, als seien wir aus einem Traum erwacht und nähmen plötzlich all das als verstörend und neuartig wahr, was schon immer existierte, uns aber schlicht nicht interessierte.

Als hätte es Influenza nie gegeben

Es ist unglaublich schwer, sich in der nun einmal erzeugten und verfestigten Atmosphäre von Verunsicherung und Angst, die die Politik (erst recht mit den neuen Maßnahmen) erfolgreich weiterschürt, Gehör zu verschaffen und überhaupt nur in Erinnerung zu rufen, dass praktisch nichts von dem, was uns hier als „Katastrophe“ oder „Unheil“ (A. Merkel) prophezeit wird, in irgendeiner Weise neu ist. Am deutlichsten wird dies bei einem objektiven Blick darauf, was eigentlich aus der Influenza – die jedes Jahr über 45 Millionen Deutsche in mehr oder minder starker Form betrifft – geworden ist.

Sie ist in dieser Pandemie so gut wie verschwunden. Als Folge einer nur mehr auf ein selektives Virus der Klasse der Corona-Viren fixierten Politik hat die Influenza niemand mehr auf dem Schirm. Ein Virus, das im Erreger-Cocktail der uns jährlich heimsuchenden, dauermutativen (und daher von Saison zu Saison immer neue Grippeimpfstoffe erzwingenden) „annual flu“ nur eine von vielen Komponenten ist, hat die verbreitetste, älteste und natürlichste Krankheitserfahrung der Menschheit, die „Grippe“ (als Oberbegriff für im Normalfall harmlose Erkältungen der Atemwege), besiegt; „die Grippe ist an Corona gestorben“.

Tatsächlich sind seit April, ausgehend von den Zahlen der diesbezüglich unverdächtigen WHO, die Influenzafälle in einem völlig unglaublichen Maß zurückgegangen: um 98 Prozent.

Quelle:WHO2020

Dies ist keineswegs die Folge eines Wunders – sondern schlicht ein Beweis dafür, dass – wovor kritische Beobachter und Mediziner immer gewarnt haben – schlichtweg alle vormals der Influenza zugeordnete Fälle nun Corona zugeschlagen werden. Zum einen ist dies eine Folge der viel zu ungenauen PCR-Tests, die bei einer beträchtliche Zahl an auf Sars-CoV2 getesteten Patienten mit Grippesymptomen, wie bei jedem Symptomfreien auch, mit einer gewissen Fehlerbehaftung positiv auf Corona anschlagen; wenn diese falsch-positive Quote bei nur 2 Prozent liegt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlermeldung durch Dauerwiederholung des Tests (wie sie bei Erkrankten und auch bei vielen Berufsgruppen erfolgt) auf eine signifikante Größenordnung, so dass früher oder später die Mehrzahl der Getesteten (und in absoluten Zahlen eine immer größere Zahl an Personen) positiv ist.

Ein umgekehrter Effekt, der jedoch zum selben Resultat eines Rückgangs der Influenzafälle führt, ist, dass sich viele Influenza-Patienten aus Angst vor einem positiven Corona-Testergebnis mit der Folge einer Zwangsquarantäne gar nicht mehr in Behandlung begeben, und dass diese Fälle folglich vom „Radar“ der Infektiologie verschwinden – weshalb die Grippe scheinbar zurückgeht. Wer denkt nicht beim kleinsten Schnupfen oder Halskratzen augenblicklich an Corona – selbst jetzt in dieser „zweiten Welle“, bei dieser „Explosion“ (als deren Folge noch immer weniger als 1,5 Promille der Deutschen, davon weit über 95 Prozent ohne Symptome, aktiv mit der Infektion zu tun haben)? Jahrelang fristete das RKI im öffentlichen Bewusstsein ein Waisendasein; die jährlichen Influenza-Berichte interessierten außer Experten und Fachjournalisten fast keinen.

RKI-Bulletins, die keinen mehr jucken

Interessant ist, dass die Influenza auch im jährlichen Monitoring des RKI für das laufende Jahr plötzlich eine auffallend untergeordnete Rolle spielt; auch hier fixiert sich alles auf Corona. „In der vergleichenden Betrachtung der Grippewellen der letzten 3 Saisons ist für 2020 (also die im Frühjahr, zum Ausbruch von Corona endende Influenzasaison, die Red.) das schnelle Abklingen der Influenzaaktivität und eine um mindestens 2 Wochen kürzere Dauer der Grippewelle auffällig„, heißt es im Epidemiologischen Bulletin für 2020. Ein „abruptes Abklingen der Atemwegserkrankungen“ in der KW 15 – als die Pandemie losbrach – zeigt, dass ab diesem Moment alle nur noch Corona im Kopf hatten.

Und jetzt, mit Beginn der nächsten Grippesaison? Da ist das bereits befürchtete Szenario bereits Wirklichkeit geworden: Das, was es JEDES JAHR in stärkeren oder schwächeren Wellen gab, wird dieses Jahr samt und sonders Corona in die Schuhe geschoben. Der starke Anstieg der Zahlen entspricht exakt dem, was immer schon Influenza in dieser Jahreszeit bewirkte. Tatsächlich korreliert die Verlaufskurve der Corona-Fälle unmittelbar mit jener der Influenza-(SARI)-Inzidenzen, wie der Influenza-Wochenbericht zur 43. Kalenderwoche zeigt:

Quelle:RKI

Und deshalb ist auch der Blick auf die Vorjahre, als es „Corona“ noch gar nicht gab, heilsam – zeigt er doch, dass ausnahmslos alles, was uns von der Politik als noch nie dagewesene epochale Zivilisationsbedrohung, als möglicher Zusammenbruch des Gesundheitswesens als Popanz an die Wand gemalt wird, immer schon da war. Es hat bloß keinen interessiert. Dies fängt an mit der Belegung von Intensivbetten, die in den letzten Jahren in vielen Kliniken weitaus dramatischer war, als sie jetzt zu werden droht, und endet bei der Relativierung von sonstigen schweren Infektionskrankheiten mit intensivmedizinischer Behandlung von Lungenentzündung bis multiresistenten („Krankenhaus“-)Keimen, die ein Vielfaches an Todesfällen verursachten. Eine Auswahl an Schlagzeilen der letzten Jahre mag dies illustrieren:

Screenshots:diverse

In der „Welt“ geht Epidemiologe Klaus Stöhr aktuell darauf ein, dass diese „Pandemie“ erst dann „vorbei“ sei, wenn entweder „alle geimpft oder alle infiziert“ sind. Nach dieser Lesart wird sie allerdings nie verschwinden; denn wie bei der jährlichen Influenza, die auch noch nie „vorbei“ war und jährlich neu in Erscheinung tritt, so wird auch Corona in der Welt bleiben. Kein Impfstoff, selbst wenn jeder ihn verabreicht bekäme, würde einen dauerhaften Schutz bieten, und aufgrund unpräziser Tests würde selbst bei einer hypothetischen Ausrottung ein Hintergrundrauschen falschpositiver Tests immer die nächste „Welle“ belegen können.

Ich glaube, dass immer noch viele Menschen denken, wir könnten das Virus aufhalten. Ihnen ist nicht klar, dass es sich hier um ein Naturereignis handelt, das wir nicht stoppen können. Die meisten haben nicht verstanden, dass sich alle Menschen auf der Welt anstecken werden. Dass die Pandemie erst vorbei ist, wenn alle infiziert oder geimpft sind. Dass die Herbstwelle nun mit voller Wucht kommt, sollte für niemanden eine Überraschung sein„, so Stöhr. Leider verschweigt er, dass die ergriffenen Maßnahmen der Regierung alles tun, um das natürliche, uns zum Glück angeborene Rüstzeug gegen dieses Naturereignis, unser Immunsystem nämlich, zu schwächen und unsere Anfälligkeit für etwas schon immer Dagewesenes unnötig erhöht. Maßnahmen wie Abstand, Kontaktbeschränkungen und Masken machten immer schon Sinn im Umgang mit Immungeschwächten, Alten und Kranken – und zwar bei jeder Infektion, nicht nur und nicht erst bei Corona. Und sie waren immer schon unsinnig bei Gesunden / nicht Vorbelasteten, die mit jeder Erscheinungsform der saisonalen Influenza und fast allen bisherigen Viren fertig wurden.

Wir sitzen gewaltig in der Tinte: Wir drehen durch wegen einer Banalität, durch veränderte Risikobewertung, selektive Wahrnehmung und fehlgesteuerte Empathie, die uns nur noch Tod und Krankheit – so tragisch sie in in jedem Einzelfall sind – verzerrt und einseitig im Zusammenhang mit einer Ursache, Corona, wahrnehmen lassen. Auf diesen Splitter fixieren wir uns, während wir den Wald an sonstigen Krankheiten, Lebensrisiken und Todesursachen ausblenden. Unsere Anfälligkeit für Irrationalität und kollektive Hysterie wurde aufs Erschreckendste entblößt.

Und gerade weil all dies aus heiterem Himmel über uns hereinbrach, könnte es sich immer wieder und auch in anderen Lebensbereichen wiederholen. Vielleicht gelangen wir ja eines Tages, aufgrund eines Schock-Framings, auch zu einer völligen Neubewertung von Flug- oder Autounfällen – und schaffen all unsere Fortbewegungsmittel ab, wenn uns bewusst wird, wieviele Menschenleben durch sie potentiell sterben werden. (DM)

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