Ärzteverbände wütend über Corona-Kurs der Bundesregierung

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Foto: Menschen mit Schutzmaske vor einem Krankenhaus (über dts Nachrichtenagentur)

Es war von Anfang an ein katastrophaler Fehler, dass die Bundesregierung und die ihr unterstehenden Landesfürsten nur auf Virologen und Epidemiologen gesetzt haben und zum Beispiel Mediziner, kritische Wissenschaftler und Fachleute aus der Wirtschaft nicht in ihren Beraterkreis zugelassen haben.

Zurecht hagelt es jetzt wütende Kritik vonseiten der Ärzte:

Kurz vor den Beratungen der Ministerpräsidenten der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am morgigen Mittwoch über die aktuelle Corona-Lage üben mehrere Ärzteverbände scharfe Kritik am Regierungskurs von Bund und Ländern. Die Verbände wollen am morgigen Mittwoch ein gemeinsames Positionspapier vorlegen, das unter anderem von den Hausärzten, Fachärzten, Allgemeinmedizinern, Laborärzten, Zahnärzten und Vertrags-Ärzten unterzeichnet wurde und über das das Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ vorab berichtet. Mit mehr als 200.000 Medizinern vertreten die Verbände knapp die Hälfte aller deutschen Ärzte in Deutschland.

In dem Dokument kritisieren die Ärzte eine allzu große Fokussierung auf die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Dieser sogenannte Inzidenz-Wert gilt in der Bundesregierung und in den Ländern derzeit als wichtigster Maßstab, ob die Maßnahmen gegen das Virus wirken. Es gebe „keine einheitliche wissenschaftliche Grundlage“, um auf der Basis der Inzidenz wirksames Anti-Corona-Management zu betreiben, kritisieren die Ärzte.

In der jetzigen Situation auf einen Lockdown zu setzen, wie es derzeit tatsächlich die Bundesregierung und einige Länderchefs vorschlagen, sei die „reflexartige Konsequenz“. Doch die Mediziner warnen: „Der Rückgang der Fallzahlen ist politisch zwar eine dringende Aufgabe, aber nicht um jeden Preis. Wir erleben bereits die Unterlassung anderer dringlicher medizinischer Behandlungen, ernstzunehmende Nebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen durch soziale Deprivation und Brüche in Bildungs- und Berufsausbildungsgängen, den Niedergang ganzer Wirtschaftszweige, vieler kultureller Einrichtungen und eine zunehmende soziale Schieflage als Folge.“

Mit scharfen Worten kritisiert die Ärzteschaft darüber hinaus das Corona-Wirrwarr von Bund und Ländern der letzten Wochen. Dies würde dazu führen, dass die Bevölkerung im Kampf gegen das Virus bald nicht mehr mitmache. „Dabei sind wir auf die Bereitschaft der Bevölkerung zur Mitarbeit angewiesen. Ohne ihre Kooperation laufen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ins Leere“, zitiert das Magazin aus dem Schreiben. Sobald sich Verordnungen als widersprüchlich, unlogisch und damit für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar darstellten oder von Gerichten außer Kraft gesetzt würden, entstehe ein Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem. „Wir könnten diejenigen verlieren, die wir dringend als Verbündete im Kampf gegen das Virus brauchen.“

In dem Papier plädieren die Ärzteverbände für eine bundesweit einheitliches Ampelsystem, zudem soll die Corona-Maßnahmen sich vor allem auf Risikogruppen konzentrieren. Unter anderem sollen Besucher in Seniorenheimen, Pflegeheimen und Krankenhäusern in einem „Schleusen“-Modell nur dann Zutritt bekommen, wenn sie einen negativem Antigen-Schnelltest vorweisen.

Das allerdings wiederum bedeutet totale Einsamkeit für die Alten in unserer Gesellschaft. Ein schwieriger Balanceakt, bei dem die Senioren aber auch ein Wörtchen mitzureden haben. (Mit Material von dts)

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