Das Ende der Rockkultur: Triumph der Corona-Taliban

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Bilder aus einer fernen Vergangenheit, die wie womöglich nie mehr wieder erleben werden (Foto:Imago/POP-Eye)

Dass die Corona-Pandemie in manchen Branchen einen ohnehin bereits eingesetzten Strukturwandel beschleunigt, wird von Zukunftsforschern und Kulturwissenschaftlern zuweilen geradezu herbeigesehnt, als Fanal einer notwendigen Veränderung. So ist dies auch bei der Live-Konzertkultur, insbesondere bei Rockfestivals und großen Bühnenshows von Fans mit eingefleischter Fanbase. Hier erweist sich die Corona-Politik als barbarischer Todesstoß für eine gesamte Kultursparte.

Es stimmt zwar, dass das Musikgenre schon länger ums Überleben kämpfte und „kriselte“, wie der „Südkurier“ schreibt. Digitalisierung, zunehmende Kommerzialisierung, in Zeiten von Spotify, YouTube und AppleMusic mit ihrem Tantiemen-Dumping wegbrechende Einnahmen aus Tonträgerverkäufen: all dies machte der Branche auch schon vor Corona zu schaffen.
Nun gelten typischerweise auf extreme „Nähe“ abonnierte, gänzlich abstandsfreie Live-Konzerte als absolutes No-Go in einer Pandemie – obwohl man auch dies bezweifeln mag, denn in Staaten, wo es z.B. aus religiösen Gründen noch nie Live-Rockkonzerte gab (auch hier sei wieder an das Beispiel Iran erinnert) stiegen die Zahlen ebenso an wie hier. Deshalb haben die nun, mit dem nahenden „Lockdown Light 2.0“ verbundenen finalen Auftrittsverbote nicht den geringsten Effekt. Sie machen nur den letzten Rest Bandkultur kaputt – vor allem für den künstlerischen Nachwuchs, wie Schülerbands etwa, das endgültige Aus. Man wird später die Frage beantworten müssen, ob es das alles wert war.
Bestandsgarantien Fehlanzeige
Zumindest jedoch wäre gerade deshalb nun eine wirtschaftliche Bestandsgarantie durch den Staat für die Live-Künstler elementar gewesen. Denn die Bewahrung von Livemusik, gerade Rock-, Folk-, Jazz- und Popkünstlern als wichtige Bezugspunkte der jüngeren Generation hat eine soziokulturell nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Entwicklung von Freiheit, die Auslegung von Emotionalität und das soziale Erleben.
Sie ist mindestens so wichtig wie die Bewahrung von klassischen Konzerten durch Orchester und Solisten, wobei letztere immerhin eine zahlungskräftigere Klientel, öffentliche Kulturmittel und zudem leichter Sponsoren der Großfinanz zur Sicherung ihres seit jeher defizitären Bestehens hinter sich wissen. Hingegen sind für Rockmusiker Konzerte unter Pandemie-Bedingungen kaum noch drin.
Es ist eine Schande, dass Bund und Länder nicht zumindest – wenn sie schon eine ganze Generation von Künstlern sowie Veranstaltungs- und Eventdienstleister mit ihren abstrusen Maßnahmen zur Schlachtbank führen – alles dafür tut, diesen einen „kulturellen Artenschutz“ zuteil werden zu lassen. Möglicherweise ist ja die Vernichtung von renitenten und potentiell zu „freien“ kritischen Live-Künstlern und Kreativen, die vor Publikum auftreten, gar gewollt. (DM)
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