War zu erwarten: Flug- und Hotelbuchungen brechen wieder ein, wieder weniger Fahrgäste im Fernverkehr der Deutschen Bahn

0
Foto: Von August_0802/Shutterstock

Diese Bundesregierung leistet wahrlich ganze Arbeit. Ihr schleichender Lockdown zählt seine ersten Opfer:

Angesichts steigender, sogenannter Infektionszahlen verzichten die Menschen wieder auf Reisen. Seit Anfang Oktober sinken in Deutschlands Großstädten die Hotelbuchungen, gleichzeitig steigen die Stornierungen. Das geht aus Daten des Hotelportals HRS hervor, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet.

Inzwischen hielten sich Buchungen und Stornierungen fast die Waage. So sei die Zahl der Buchungen zwischen der 40. Kalenderwoche, die vom 28. September bis 4. Oktober dauerte, gegenüber der 42. Kalenderwoche (vom 12. bis 18. Oktober) um 34 Prozent gesunken, die Stornierungen seien aber um 50 Prozent gestiegen. Ausgewertet wurden Städte mit vielen Reisenden: Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart.

Noch dramatischer ist die Entwicklung bei Flügen, wie eine Auswertung der Preissuchmaschine Idealo zeigt, die wie die „Welt am Sonntag“ zum Axel-Springer-Konzern gehört. Zwar wirkt der Rückgang der Buchungen in der Woche vom 12. bis 18. Oktober mit 14 Prozent gegenüber der Vorwoche moderat, das täuscht aber darüber hinweg, dass der Einbruch gegenüber dem Vorjahreswert 73 Prozent beträgt. In der 40. und 41. Kalenderwoche verringerten sich die Buchungen gegenüber dem Vorjahr um 66 und 69 Prozent.

Die Passagierzahlen, die sich seit dem Beginn der Pandemie auf niedrigem Niveau befanden, seien weiter gefallen. „Die Nachfrage nach Reisen ist weltweit extrem schwach“, sagt Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. „Das große Chaos bei den Reisebeschränkungen hat die Urlauber verunsichert.“

Er verlangt von der Politik eine klarere Kommunikation: „Der Reisewillige muss sich auf die geltenden Bedingungen einstellen können. Wir fordern mehr Schnelltests.“ Quarantänemaßnahmen am Ende der Ferien am Urlaubsort seien dagegen nicht hilfreich. „Für die Branche ist es nicht fünf vor 12, sondern genau 12 Uhr“, sagt Frenzel. „Eine Umfrage zeigt, dass mehr als die Hälfte unseres breiten Mittelstands die Insolvenz fürchtet – und der steht für drei Millionen Arbeitsplätze.“ Auch Hoteliers und Gastronomen fürchten um ihre Existenz. „Steigende Infektionszahlen und die Beherbergungsverbote haben viele Menschen verunsichert. Hinzu kommen zahlreiche Absagen von Veranstaltungen wegen der Kontaktbeschränkungen. Das hat eine Stornierungswelle ausgelöst“, sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Sie fordert daher eine Unterstützung durch die Politik, sonst würden die Betriebe kaum überleben.

Die Panik-Zahlen in Deutschland führen auch zu einem Rückgang der Fahrgastzahlen im Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB). „Seit Anfang Oktober registrieren wir eine zunehmende Verunsicherung unserer Kunden im Fernverkehr, während das Verkehrsaufkommen im Regionalverkehr stabil geblieben ist“, sagte ein DB-Sprecher der „Welt am Sonntag“. „Besonders betroffen sind im Fernverkehr vor allem Geschäftsreisen sowie längerfristige Buchungen, was angesichts der aktuellen Entwicklungen und Diskussionen nicht verwunderlich ist.“

Genaue Zahlen teilte der Konzern nicht mit. In Konzernkreisen ist dem Bericht zufolge die Rede von etwa 30 Prozent Auslastung im Fernverkehr – Tendenz fallend. Nachdem die Auslastung im Frühjahr im Fernverkehr auf nur noch zehn Prozent eingebrochen war, kletterten die Buchungszahlen über den Sommer wieder so weit, dass 40 bis 45 Prozent der Plätze belegt waren.

Das entsprach etwa 75 Prozent der in anderen Jahren üblichen Auslastung. Im Weihnachtsreiseverkehr will die Bahn die Sicherheit erhöhen, indem mehr Plätze angeboten werden. „Sicheres Reisen mit bestmöglichem Abstand wollen wir in jedem Fall gewährleisten“, sagte der DB-Sprecher.

„In diesem Jahr werden wir für die Reisezeit vor den Weihnachtsfeiertagen über eine noch größere Zugflotte verfügen.“ Man plane „mit mehr Verbindungen, dichteren Zugfolgen und mehr neuen Zügen mit täglich 13.000 zusätzlichen Sitzplätzen“. Der Zulieferer Knorr-Bremse spricht sich unterdessen für technische Verbesserungen für mehr Infektionssicherheit in Zügen aus.

„Es ist wichtig, dass sich Bahnfahrer auch während der Pandemie sicher fühlen“, sagte Jürgen Wilder, Bahn-Vorstand bei Knorr-Bremse, der „Welt am Sonntag“. „Die Sicherheit in Zügen lässt sich relativ leicht mit technischen Auf- und Nachrüstungen verbessern.“ So sei es beispielsweise denkbar, die Frischluftzufuhr in Abhängigkeit von den Infektionszahlen zu regulieren. „In Regionen, wo es gerade viele Covid-19-Fälle gibt, könnte so die Luft im Innern der Wagen häufiger ausgetauscht werden“, sagte Wilder. „Unsere elektronische Klimaanlagensteuerung lässt solche Anpassungen auch kurzfristig zu.“ Längst habe man auch Klimaanlagen im Angebot, bei denen die Luft beispielsweise mit UV-Licht behandelt wird und so Viren unschädlich gemacht werden. „Auch solche Systeme lassen sich relativ leicht nachrüsten und werden künftig zur Standardausrüstung von Bahnklimaanlagen werden“, so Wilder.

Es geht wieder bergab, nur mit dem Virus geht es weiter bergauf, der interessiert sich nicht für diesen Schwachsinn. (Mit Material von dts)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram