Das einsame Krepieren geht wieder los: Erste Alten- und Pflegeheime werden abgeriegelt

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Neulich, vor dem Besuch im Pflegeheim... (Foto:Imago/Fotoarena)

Die Strategie des „Lockdowns auf Raten“, der diesmal zunächst noch in regionalisierten Schüben anrollt, erreicht allmählich auch jene Einrichtungen wieder, in denen sich bereits im Frühjahr die menschlich wohl tragischsten und katastrophalsten Auswirkungen der Corona-Politik gezeigt hatten: Die Alten- und Pflegeheime. Weil es zu einzelnen Ausbrüchen kam, ist die Politik im Begriff, genau denselben Fehler zu begehen wie bei der „ersten Welle“: Schon werden wieder die ersten Heime abgeriegelt.

Ist eine Region zum Risikogebiet erklärt worden (was bald schon für die Hälfte aller deutschen Landkreise gilt), dann gibt es je nach Eifer der kommunal Verantwortlichen kein Halten mehr. Und bricht dann noch eine Infektionskette in einzelnen Einrichtungen aus, dann sind die kompromisslosen Reaktionen identisch mit denen aus der Frühphase von Corona. So geschehen im sächsischen Freital: Dort wurden vorgestern die Pflegeheime „Haus Sonnengarten“ und „Jochhöh“ vom Landrat als, „absolute Corona-Hotspots“ unter strikte Quarantäne gestellt.

In beiden Häusern sind 101 Bewohner und 46 Mitarbeiter positiv getestet. Drei Senioren (77, 78, 80 Jahre) und zwei Frauen (79, 90) starben bereits; allerdings wurde auch hier wieder nicht mitgeteilt, ob die Betreffenden wirklich an Covid starben, denn dass – so tragisch es auch im Einzelfall ist – in Alters- und Pflegeeinrichtungen jede Woche Menschen sterben, und das zunehmend mit Beginn der jährlichen herbstlichen Grippesaison, ist nicht unbedingt Hexenwerk oder Folge eines Virus.

Trotz dürfen ab sofort „infizierte Bewohner“, will heißen: alle „Positiven“, ihre Zimmer nicht mehr verlassen. Für diese Personengruppen also ist der zweite Lockdown schon da.
Damit die Pflege gewährleistet wird, kümmern sich – so berichtet „Bild“ am Freitag – „infizierte, aber symptomlose Mitarbeiter“ weiter um infizierte Bewohner. Es gilt schon wieder ein generelles Betretungsverbot für Menschen von außen. „Sterbebegleitung von Angehörigen“, so informiert der Landkreis, „wird nur im Ausnahmefall mit Schutzausrüstung gestattet.“

Sterbebegleitung allenfalls im Schutzanzug

Soll das also die Lösung sein für die zweite, für die dritte und jede weitere künftige Welle? Welche Schäden durch diese strikten Kontaktsperren diesmal angerichtet werden, wird sich vermutlich auch wieder in keiner Todesstatistik finden. Sowenig wie man anscheinend aus den riesigen Humanverlusten und Kollateralschaden des ersten Lockdowns gelernt hat, so blind verrennt man sich auch beim Schutz der „Risikogruppen“ wieder in ein überaktionistisches Handlungsmuster, an dessen Ende für Millionen alte und pflegebedürftige Menschen erneut der Verlust ihrer sozialen Kontakte stehen könnte (und damit all dessen, was für die meisten der Betroffenen das Leben noch irgendwie lebenswert macht).

Zehntausende sind zwischen März und Mai elendiglich verreckt, ohne dass sie sich von den eigenen Kindern, engen Verwandten oder Freunden noch einmal verabschieden konnten. All das im Namen einer Pandemie-Politik, die das Kind längst mit dem Bad ausgekippt hat. Es waren hysterische, weit überschießende Maßnahmen, die ohne jede Güter- und Interessenabwägung alleine auf einen Infektionsschutz ausgerichtet war – etwas, das es zuvor noch nie gegeben hatte, obwohl auch in allen früheren Jahren selbst Pneumokokken-, Influenza- oder Salmonelleninfektionen in einzelnen Heimen stets hohe Opferzahlen gefordert hatten. (DM)

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