Causa Maron – Die neue deutsche Kriminalität: Kontaktschuld

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Foto: Screenshot/Youtube
Monika Maron ist 79 Jahre alt und schreibt Bücher, die viel beachtet, gekauft und gelesen werden. Die ehemalige DDR-Schriftstellerin veröffentlicht seit 1981 ihre Romane im Verlag S. Fischer, bislang eines der renommiertesten Buchhäuser in Deutschland. Nun hat S. Fischer die weitere Zusammenarbeit mit Maron, die dem Verlag über fast 40 Jahre literarisches Ansehen und gute Einnahmen gesichert hat, gekündigt. Offiziell wird das damit begründet, die Autorin habe Essays bei dem kleinen Dresdner Verlag „Edition Buchhaus Loschwitz“ veröffentlicht, der guten Kontakt zu dem rechten Verlag Antaios von Götz Kubitschek pflegt.
Von Wolfgang Hübner
Es ist selbstverständlich klar, dass diese Begründung einer menschlich wie kulturell zutiefst abstoßenden, politisch motivierten Willkürmaßnahme verlogen daherkommt. Denn Monika Maron hat sich zu einer entschiedenen Kritikerin der repressiven Zustände im Staat der Merkelei entwickelt. In ihrem letzten bei S. Fischer veröffentlichten Roman „Arthur Lanz“ lässt sich gut nachlesen, was die Schriftstellerin bewegt und wie sie die gesellschaftliche Situation in Deutschland sieht. Gleichwohl ist das ein literarisch anspruchsvolles, sehr unterhaltsames und in glänzendem Deutsch geschriebenes Werk.
Die Kündigung des Vertragsverhältnisses zwischen dem Verlag und Maron ist also ein offensichtlicher Akt politischer Zensur.
Doch fast noch ungeheuerlicher ist die offizielle Begründung für das Verlagsvorgehen. Denn dieser Begründung zufolge soll also der Kontakt des Dresdner Verlags zu Antaios ausschlaggebend für den Bruch mit Maron sein. Damit wird schamlos offen dokumentiert, dass es 75 Jahre nach dem Ende der Hitlerdiktatur und 30 Jahre nach dem Ende der DDR-Diktatur in Deutschland wieder ein Vergehen gibt, das geistige und menschliche Existenzen vernichten kann: Kontaktschuld.
Zwar ist der Fall Monika Maron keineswegs der erste Fall von erkannter und bestrafter Kontaktschuld, doch ist es ein besonders spektakuläres Beispiel, wie die Verwandlung der „freiheitlichen Demokratie“ in einen totalitären Gesinnungsstaat voranschreitet. Aus einem solchen Staat ist die Autorin einst in den Westen gewechselt. Nun muss sie im hohen Alter erleben, wie auch dort der freie Geist geknebelt wird, allerdings derzeit noch mit subtileren Methoden als im ehemaligen Osten.
Nicht nur Monika Maron, wir alle sind Zeugen und Betroffene dieses Hinabgleitens in eine faktische Diktatur mit demokratischer Fassade. Eine Möglichkeit des aktiven Widerstands gibt es jedoch: Marons Romane und insbesondere die neuen Essays lesen!
Anm.d.R.: Auf jeden Fall ist es politisch notwendig, ab sofort Bücher von S. Fischer zu boykottieren.
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