Kommunaler Gnadenakt für Wirte: Heizpilze sollen erlaubt sein – bis zum nächsten Lockdown?

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Streitthema Heizpilze (Foto:Imago/Jelinek)

Zwar weiß sowieso niemand, ob dieser Streitpunkt für die Gastronomie überhaupt noch eine Relevanz hat (falls demnächst, worauf ja einiges hindeutet, ohnehin wieder alles dicht gemacht wird) – doch stellt sich jetzt sogar der Deutsche Städte- und Gemeindebund auf die Seite der Gastronomen und spricht sich als Vertreterin der Kommunen dafür aus, dass das Heizpilz-Verbot zumindest befristet aufgehoben wird.

Die Empfehlung geht an die Adresse der eigenen Mitglieder – denn die Verbote wurden überall von den Kommunen selbst erlassen – aus Umweltschutzgründen und nach der informellen Devise: Wenn die Branche schon den Bach runtergeht, dann bitteschön ökologisch korrekt. Hier scheint auf Verbandsebene nun ein Umdenken einzusetzen und man besinnt sich, auch wenn es für die meisten Wirte sowieso schon fünf nach Zwölf ist., auf die „Unterstützung der Gastronomie in der Coronakrise“ und will ein Auge zudrücken, wegen abstandsbedingtem Wegfall der Innensitzkapazitäten Gäste im Freien unter den Heizpilzen zu bewirten.

Epidemiologische Gründe spielen hierbei sowieso keine Rolle; das leuchtet auch den Kommunalvertretern ein: „Wir wissen alle, dass die Ansteckungsgefahr im Freien weniger groß ist als in geschlossenen Räumen“, sagte Städte- und Gemeindebund-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg gegenüber dem „Handelsblatt“. Deswegen sollten die Kommunen, die bereits mit Heizpilz-Verboten vorgeprescht sind, „zumindest vorübergehend“ ein Auge zudrücken. Denn dies, so Landsberg, sei nicht nur eine Chance für die Menschen, sich im Freien aufzuhalten, sondern auch ein „wirtschaftlich wichtiger Aspekt“ für die Gastwirtschaft.

Dynamische Entwicklung, sichere Pleiten

Denn gerade angesichts von Infektionszahlen, die sich dynamisch entwickelten, werde die Lage der Gaststätten immer schwieriger, so Landsberg laut „dts Nachrichtenagentur“. Deswegen plädiere der Kommunalbund auch dafür, den Gaststätten unentgeltlich mehr Freiräume im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen, um die notwendigen Abstände zwischen den Tischen zu ermöglichen.

In Belgien kämen derartige Angebote bereits zu spät: Dort beschloss gestern die Regierung, ab Montag die gesamten Restaurants, Bars, Cafés für vier Wochen komplett zu schließen. Nicht wenige Gastronomen befürchten, dass ähnliche Pläne auch in Deutschland intern längst beschlossen sind. So geht dies dann voraussichtlich – dem „atmenden“ Konzept folgend, munter alle paar Monate so weiter.

Dumm nur, dass es nach jedem Lockdown weniger Wirte sind, die ihre Lokale wieder öffnen werden. Und irgendwann öffnet dann gar keiner mehr – vorübergehend genehmigte Heizpilze im Freisitz hin oder her. Überhaupt bekommt der Begriff „vorübergehend“ hier eine ganz neue Bedeutung… (DM)

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