Corona: Das Ende von Sex, Intimität und Sozialleben

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Angezeigt: "Social Distancing" - Foto: Imago

Das, was HIV in den 1980ern mit der im vorangehenden Jahrzehnt gerade errungenen sexuellen Befreiung machte, die er in eine Ära der Prüderie und yuppieesken postmodernen Körperfeindlichkeit wendete, das wiederholt Corona – und dehnt die Interaktions- und Intimitätsverteufelung auf alle anderen direkten Kontaktformen aus. Wie sich die Menschheit überhaupt noch fortpflanzen soll, wenn sich die eingeleitete krankhafte Entwicklung fortsetzt, steht in den Sternen.

Es wächst da unter der Maske gerade eine Generation von Soziopathen heran – und die Bilder wirken wie aus einem dystopischen B-Movie. Hätte ein Drehbuchautor solche Einfälle noch im letzten Jahr zu Papier gebracht, man hätte ihn auf den Mond geschossen oder ausgelacht. Doch es gilt leider: „Sometimes truth is stranger than fiction“ (Bad Religion), und so werden wir Zeuge einer angstgetriebenen Degenation, die bleibende Schäden hinterlassen wird.

Das verstörende Bild von Tanzschülern, die – um sich nicht mit Mund und Nase nahezukommen, woran bei der Führungsnähe im Paartanz auch keine Maske etwas ändern würde – Rücken an Rücken auf dem Parkett proben, wirkt ebenso traurig wie symbolisch:

Auch in Großbritannien regt sich im Zuge der nun wieder verstärkten Kontaktbeschränkungen Unmut darüber, dass die Promiskuität munter reduziert wird und Menschen an vor allem oberflächlichen, außerehelichen Sexualkontakten gehindert werden. Dort macht, wie im Mai schon einmal, das Wortspiel vom „Sexxit“ die Runde. Dass „horny citizen“ (hier sinngemäß: notgeile Bürger) mit ihrer Balz und ihrem Triebverhalten gegen die neuen Corona-Bestimmungen des Kabinetts von Premier Boris Johnson verstoßen, war sogar der englischen Ausgabe von „Russia Today“ eine Glosse wert:

Screenshot: RT UK

Den Vogel ab schoss jedoch die US-Experimental/Independent-Band „The Fleming Lips“ aus Oklahoma, die vergangene Woche ein Konzert in ihrer Heimatstadt gab und dabei – durchaus zukunftsweisend – mit ihrem Publikum vorführte, wie Gemeinschaftserlebnisse, Feiern und Zusammenkünfte in Corona- bzw. Pandemiezeiten (also potentiell fortan für immer) aussehen werden: Jeder einzelne Konzertbesucher befand sich in einer atmungsaktiven Plexiglas-Bubble und tanzte somit isoliert zum Takt der Musik, wie das Portal „liveforlivemusic“ berichtete. Das ganze nannte sich dann „Socially Distanz Bubble Concert“ – wahrlich eine schöne neue Welt:

Screenshot: liveforlivemusic.com

Plötzlich kommt einem die Szene aus „Die Nackte Kanone“ von 1986, in der Leslie Nielsen und Priscilla Presley zum ersten Sex in Ganzkörper-Latexkondomen von Scheitel bis Sohle eingeschweißt niedersinken, gar nicht mehr so komisch vor – denn dies ist inzwischen praktische (oder politisch erwünschte) Realität – und das bei einem Virus, das nicht gefährlicher ist als diverse andere potentielle Erreger von Atemwegserkrankungen, und damit nicht einmal ein Bruchteil so bedrohlich wie Aids damals (übrigens ganz ohne Lockdown) war. (DM)

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