„Wer hat Angst vorm BND?“ – das Buch, das keiner lesen soll – findet das Kanzleramt

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Gerhard Schindler - Wer hat Angst vorm BND - Kopp Verlag - 22,00 Euro
Gerhard Schindler - Wer hat Angst vorm BND - Kopp Verlag - 22,00 Euro

Der ehemalige BND-Präsident Gerhard Schindler hat ein Buch über seine Zeit beim Geheimdienst geschrieben. Doch das Buch darf nicht erscheinen. Das Kanzleramt hält die Memoiren unter Verschluss. Hans-Georg Maaßens Urteil: „Eine sehr gute Streitschrift, die herausarbeitet, dass Politik und Justiz die Sicherheitsbehörden schwächen und dass damit Freiheit und Sicherheit der Bürger auf der Strecke bleiben“.

Am Montag erschien das Buch von Gerhard Schindler: „Wer hat Angst vorm BND? – Warum wir mehr Mut im Kampf gegen die Bedrohung unseres Landes brauchen“.

Schindler leitete den Geheimdienst von 2011 bis zu seiner überraschenden Entlassung im Juni 2016. Insider behaupten, er musste gehen, weil er die Bundesregierung für deren Flüchtlingspolitik kritisiert hat. In seinem Buch bekamen diesbezüglich wohl vor allem die Kanzlerin und der damalige Kanzleramtschef Peter Altmaier ihr Fett weg.

Buch darf nicht erscheinen

Seit Februar steht nun endgültig fest: Sein Buch darf in dieser Form nicht erscheinen. Das Kanzleramt hat ihm die Veröffentlichung untersagt. Inzwischen hat Schindler entschieden, das Buch umzuschreiben und es trotzdem zu veröffentlichen. Mehr Analyse, weniger Anekdoten. Ab Montag, dem 12. Oktober soll es angeboten werden.

Gerhard Schindler - Wer hat Angst vorm BND - Kopp Verlag - 22,00 Euro
Gerhard Schindler – Wer hat Angst vorm BND – Kopp Verlag – 22,00 Euro

Gerhard Schindler scheint sich auch in der neuen Version seines Buches kein Blatt vor den Mund zu nehmen und fordert mehr Mut beim Kampf gegen die Bedrohungen unseres Landes. Durch Kriege, Konflikte, Terrorismus, Cyberangriffe und andere Bedrohungen werde die Welt immer unsicherer. Doch eine Debatte darüber, was das für unsere Sicherheitsbehörden bedeutet, würde bis heute nicht stattfinden.

Schindler versteht sein Buch als „Streitschrift“. Deutschland fehle „eine Sicherheitskultur, die nach vorne denkt“, sagt er am vergangenen Mittwoch bei einem Pressegespräch in Berlin, in einem Bürogebäude nahe der neuen Zentrale des BND. Warum sei Sicherheit in Deutschland nicht als Grundrecht verankert, „oder zumindest als Staatsziel?“ Der Umweltschutz stehe als Staatsziel im Grundgesetz, „Sicherheit nicht“, klagt Schindler. Da sich daran jedoch in absehbarer Zeit wenig ändern wird, wäre für ihn schon die Bildung eines „Nationalen Sicherheitsrates“ ein „Meilenstein“.

Schindler fordert eine breite öffentliche Diskussion darüber, was die Sicherheitsdienste dürfen sollen. In seiner aktiven Zeit habe er erlebt, wie durch unzählige Verwaltungsvorschriften aus dem Geheimdienst eine Verwaltungsbehörde gemacht worden sei, statt die Kompetenzen und Aufgaben des Dienstes den Herausforderungen der Zeit anzupassen. Denn bürokratische Vorgaben seien eine verzagte und vor allem falsche Antwort der Politik auf die drängende Frage: Wie viel Freiheit und wie viel Sicherheit wollen wir?

Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), hat Schindlers Buch bereits gelesen und urteilt:

 

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