Medien schwenken um – muss die Bundesregierung bald abdanken?

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Die Kehrtwende der deutschen Medien? (Symbolbild:Imago/Ikon)

Was sich ganz allmählich, aber deutlich spürbar hier abzeichnet, ist eine Sensation, und hat das Potential zu einem politischen und gesellschaftlichen Erdbeben: Immer mehr deutsche Mainstream-Medien, bislang die engsten Verbündeten der Corona-Politik bei der Einstimmung und Disziplinierung der Bevölkerung, gehen von der Fahne und entwickeln eine ungewohnte kritische Distanz. Was die freien Medien seit Beginn der Pandemie wagten und wofür sie oft angefeindet wurden, tun ihnen die Etablierten nun gleich.

Schon vor zwei Wochen rieben sich die ersten verwundert die Augen, als ausgerechnet die dauerframende ARD ein „Corona-Extra“ ausstrahlte, in dem schonungslos über fehlende Übersterblichkeit, auf aussagelose Testergebnisse und unseriöse Gleichsetzung von Getesteten mit Infizierten berichtet wurde. So mancher öffentlich-rechtlich Berieselter muss bereits da vom Glauben abgefallen sein.

Es folgte ein Auftritt des Charité-Rechtsmediziners Michael Tsokos in der NDR-Talkshow, in der dieser nicht nur von dubiosen Anweisungen des RKI in der Anfangsphase von Corona berichtete, keine Obduktionen vorzunehmen, sondern auch noch von beträchtlichen Kollateralschäden durch die Maßnahmen (die sein eigener Kollege Christian Drosten als Regierungsberater mitzuverantworten hatte). Damit nicht genug, berichtete ausgerechnet die altlinke Postille „Frankfurter Rundschau„, bisher auch ein ausgemachtes Alarmisten-Medium, über Tsokos‘ Auftritt („eine besorgniserregende Entwicklung„) – was nicht nur deren Stammleser überrascht haben dürfte.

Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) suchte auffallenden Abstand zu den jüngsten Maßnahmen und wechselte ins Kritikerlager. Nachdem schon in den letzten drei Tagen skeptische Töne zu lesen waren, fragte die Zeitung gestern ketzerisch: „Sind die Corona-Maßnahmen verfassungsrechtlich bedenklich?„. Markus Söder sah sich am Freitag beim Interview ARD/ZDF-„MoMa“ – zu seiner offensichtlichen Verwunderung  – ganz ungewohnt-kritischen Rückfragen und aufsässigen Bemerkungen von Moderator Mitri Siri ausgesetzt (zu seiner Gefahreneinschätzung der „Risikogebiete“ und den Beherbungsverboten). Soviel Widerspruch war dort selten.

Und auch im tendenziell sogar eher linksextrem-affinen WDR sind neuerdings  satirisch-bissige Corona-Töne zu vernehmen, die man dort noch vor zwei Monaten ins Verschwörungslager abgedrängt hätte; allerdings scheinen die Hauptstadt- und Politikredaktion dort noch immer stramm auf Linie zu sein; der Sender beauftragte gerade erst bei Infratest-dimap eine Umfrage, bei der – als wäre das Ergebnis bestellt – eine „hohe Glaubwürdigkeit“ der öffentlich-rechtlichen Medien angeblich von 82 Prozent der Befragten bestätigt wurde. Die Medienschaffenden der DDR-Endphase lassen grüßen.

Hofberichterstatter gehen auf Abstand

Doch die Trendwende ist unverkennbar: Seit vorgestern kommt es geradezu knüppeldick für Merkel & Co. von Seiten ihrer vermeintlichen Haus- und Hofmedien: Im „Merkur“ lautete die Überschrift: „Falscher Merkel-Plan? Virologe kritisiert drei neue Corona-Maßnahmen – ‚Völlig realitätsfern‚“. Die größte Überraschung war erneut die ARD, diesmal in ihrem Herold-Format „Tagesschau„: „Dürfen die das?„, fragte rhetorisch Claudia Kornmeier von der ARD-Rechtsredaktion. Der größte Gegenwind jedoch kommt neuerdings vom Springer-Verlag: Nicht weniger als sechs extrem kritische Artikel brachte „Bild“ gestern auf seiner Titelseite zur Corona-Politik unter.

Und dann setzte das Blatt dann noch einen drauf – und berichtete gestern Abend über neue Zahlen, denenzufolge es sogar eine Untersterblichkeit durch Corona gegeben habe. Mit anderen Worten: Corona war sogar harmloser als eine saisonale Grippewelle in anderen Jahren. Doch das war nicht alles: In einem weiteren Aufmacher gab „Bild“ dann auch noch Elon Musk eine Plattform, der gestern offen auf Twitter bekannt hatte: „Sweden was right„!“, und den – zur deutschen und kontinental-westeuropäischen Politik in der Krise genau konträren – schwedischen Weg als insgesamt vernünftigen und richtigen bezeichnet hatte. Denn auch wenn in Schweden kurzzeitig – vor allem innerhalb von Risikogruppen – mehr Tote zu verzeichnen waren: Es waren sicher weit weniger als all jene, die bei uns indirekt als Folge jener Maßnahmen verstarben, auf die Schweden bewusst verzichtet hatte. Und: Während bei uns der Ausnahmezustand ewig anhalten soll, ist dort der Spuk so gut wie überstanden.

Der langsame Sinneswandel der Medien ist offenkundig, und er ist uneingeschränkt zu begrüßen – so erstaunlich er anmutet. Offenbar registriert man in vielen Verlagen und Sendern Vorboten eines Kippens der öffentlichen Meinung, ein Ende der Duldungs- und Leidensfähigkeit. Denn: Solange die Fallzahlen mit einer Zunahme der Krankheitsverläufe und Todeszahlen korrespondierten, hatten Angst und Einschüchterung Wunder gewirkt; niemand wollte hierzuland Szenarien wie im Frühjahr in Bergamo, in Spanien, in New York oder Brasilien erleben (obwohl bis heute nicht klar ist, was uns da eigentlich gezeigt wurde), und deshalb blieben die Deutschen tapfer und hielten sich zurück.

Die Wut wächst im Land

Doch jetzt, sechs Monate später, wo unzählige Existenzen und weite Teile der Wirtschaft bereits in Scherben liegen, wo die Kollateralschäden in allen durch die Alleinfixierung auf Corona vernachlässigten sonstigen Lebensbereichen allzu offensichtlich sind und wo vor allem weiterhin kein von früheren Jahren unterscheidbares Erkrankungsgeschehen auftritt, wächst Tag für Tag die Zahl der Bürger – und auch prominenter Eliten und Experten -, die Bundes- und Landesregierungen bei ihrem neuerlichen Lockdownkurs nicht mehr folgen mögen.

Der Regierung kann diese ungewohnte Renitenz, diese plötzliche Offenheit für Gegenpositionen, deren Verbreitung vor noch wenigen Wochen als „Verantwortungslosigkeit“ oder „Verharmlosung“ gebrandmarkt worden wäre, nicht recht sein – im Gegenteil. Sie muss fürchten, dass sich in einem selbstverstärkenden Prozess nun, da sogar die Leitmedien Klartext reden, immer mehr bislang schweigende Wutbürger (darunter auch einflussreiche Multiplikatoren) ebenfalls aus der Deckung wagen.

Die Hardliner um Merkel, Söder, auch Spahn und die RKI-Nomenklatur machten einen Riesenfehler, als sie die zweite Welle an Positivtestungen (uns verkauft als „Neuinfizierte“ oder „neue Corona-Fälle“) festmachten, von denen praktisch niemand krank oder symptomatisch ist. So ließen sich zwar nominell „Risikogebiete“ ausrufen, doch ein „Risiko“ ist nirgends und für niemanden wahrnehmbar. Das macht auf Dauer keiner mit. Jetzt brodelt es im Land – und nicht nur bei denen, die bereits alles verloren haben oder am Abgrund stehen; auch bei denen, die die Dimension der sozialen und ökonomischen Langzeitschäden erahnen.

Keiner will bei den Verlierern landen

Es scheint so, als wollten die Medien am Ende nicht auf der Seite der Verlierer stehen – weshalb sie nun versuchen ihre Verluste begrenzen, bevor das große Erwachen beginnt und sich die Deutschen plötzlich bewusst werden, wegen eines historischen Fehlalarms ihre staatliche Grundordnung, ihren Wohlstand und ihre Zukunft pulverisiert zu haben. Es wird hier, ähnlich wie 1945, (wenn auch natürlich graduell abgeschwächter), eine Aufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung einsetzen; dann wird sich die hohe Zustimmung für die Groko in Verachtung wandeln.

Dies alles kann den falschen Führern schneller zum Verhängnis werden, als sie sich träumen lassen; all jenen, die diese Krise durch Fehleinschätzungen zu verantworten haben – durch unverantwortliche Panikmache, durch überzogene Maßnahmen und durch ausschließliche Zulassung handverlesener Berater und Experten, anstelle von Beginn an eine offene und breite Debatte über alternative Konzepte und Maßnahmen zu gestatten. Es wird insbesondere all denen an den Kragen gehen, die Corona schamlos ausgenutzt haben, um eine politische Agenda auf den Weg zu bringen, gegen die es ohne die Pandemie unüberwindbare Widerstände gegeben hätte: Schuldenunion, EU-Migrationspakt, Klima- und Mobilitätswende.

Und eins ist gewiss: Wenn sich dieser Sturm erhebt, dieser drohende erneute „Furor teutonicus“, dann möchte man nicht in Merkels oder Söders Haut oder der all jener stecken, die uns dieses Schlamassel durch unverhältnismäßige Maßnahmen, Panikmache und glatten Machtmissbrauch eingebrockt haben. Denn für jeden, den sie mit ihrer Politik vor „Schaden“ bewahrt haben, haben sie 10 andere auf dem Gewissen und 100 ins Unglück gestürzt. (DM)

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