Die Tragödie heißt nicht Wendler, die Tragödie sind die totalitären Medienhenker

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Damals noch Medienliebling: Der Wendler im März (Foto:Imago/Revierfoto)

„I guarantee freedom of speech. But I cannot guarantee freedom after speech“. Dies sagte einst Ugandas Diktator Idi Amin, und bezogen auf das Meinungsklima im besten Deutschland aller Zeiten ist der Satz von einer bitteren Aktualität, wie man sie sich vor 30 Jahren, nach dem Ende der DDR, nicht mehr hätte träumen lassen. Fürwahr: Hier darf jeder sagen, was er denkt. Im Zweifel dann eben nur einmal, dann ist er weg vom Fenster – und darf die Konsequenzen tragen.

Diese bestehen zwar (noch) nicht in Gefängnis, in physischer Drangsalierung oder staatlicher Verfolgung. Doch sie zielen nicht minder auf die Existenzzerstörung des Abtrünnigen, auf dessen berufliche und soziale Isolation ab. Die Rolle des modernen Prangers übernehmen die Medien, und statt Staatsterror ist es ein diffuser Psychoterror, dem sich heute jeder ausgesetzt sieht, der das Maul zu weit aufgemacht und die einzig erlaubten, erwünschten Meinungskorridore verlassen hat. Vor allem bei Prominenten muss die Mundtotmachung und Ausgrenzung unbedingt sichergestellt sein – weil von ihnen eine „systemrelevante“ Breitenwirkung ausgeht, und die können die Eliten nicht gebrauchen.

Deshalb ist der Blitzwechsel vom „Hosianna“ zum „Kreuzigt ihn!“ mittlerweile eingeübter Standard. Im Fall Michael Wendlers wählten die angepasst-regierungskonformen Vertreter des Mainstream-Meinungskartells – also all die Journalisten mit Unfehlbarkeitsanspruch hinsichtlich der großen Dogmen unserer Zeit von Migration, Klima bis vor allem hin zur Corona-Politik – eine besonders perfide Zerrüttungstaktik, um ihr neues Feindbild zu entmenschlichen und zermürben: Sie rücken ihn die Nähe eines Geisteskranken, eines psychisch auffälligen, letztlich nicht einmal mehr schuldfähigen Opfers, zitieren Psychologen und stellen krude Ferndiagnosen an.

Die Methode steht in bester Tradition geheimdienstlicher Diskreditierungsoperationen, vor allem der Sicherheitsbehörden diktatorischer Regimes von Gestapo über NKWD bis zur Stasi, politische Dissidenten zu psychiatrieren und medizinalisieren, sie für therapiebedürftig zu erklären und hilfsweise, wo dies nicht gelingt, zum Gespött zu erklären. Von Jörg Graf, Geschäftsführer des von Wendler verlassenen Senders RTL, über praktisch alle namhaften Klatsch- und Gesellschaftskolumnisten des Landes bis zur Bild-Titelseite war gestern nichts anderes zu vernehmen als die Topstory, als dass hier ein weiterer Prominenter aus heiterem Himmel durchgedreht sei.

Korridore des Sagbaren

Auf den Gedanken kommen diejenigen gar nicht, die jetzt über ihn den Kopf schütteln, dass auch ein Wendler nicht zuerst Musiker, Medienprofi, Prominenter, Showgröße, Testimonial und TV-Realitystar ist, sondern zunächst einmal Bürger dieses Landes, dem – so wie einer wachsenden Zahl der Deutschen – berechtigte Zweifel an einer immer unheimlicheren, willkürlicheren, unwissenschaftlicheren Politik kommen, die Grundrechte, seelische Gesundheit und wirtschaftliche Basis dieses Volks vorsätzlich gefährdet. Was Wendler umtreibt, das denken insgeheim wohl viele (gewiss sogar eine noch viel größere Zahl als die von ihm binnen wenigen Tagen generierten 80.000 Telegram-Follower), doch die meisten, die ihm insgeheim sogar beipflichten, scheuen die Gefahr eines medialen Scherbengerichts, einer öffentlichen Hinrichtung – und genau dieses Exempel wird an Wendler zur Abschreckung derzeit statuiert. Diese Einschüchterung wirkt zuverlässig, so wie die Angst vor Corona – und sorgt dafür, dass so mancher die (noch) Klappe hält, der in der Tasche insgeheim längst die Faust ballt.

Zur Verächtlichmachung des Delinquenten ist jedes Mittel recht, und selbst eine Witzfigur wie Dieter Bohlen wird dann kurzzeitig fürs Feuilleton zitierfähig, solange er sich hochmütig über Wendlers „Aussetzer“ lustig macht und damit dem „coronaren“ Milieu-Juste als Kronzeuge und nützlicher Idiot dienen kann. Wer fühlte sich nicht pudelwohl auf der Seite der Guten? Besonders schäbig: Auch Wendlers Vater darf seinen hochsubjektiven Senf zu dem Fall abgeben – obwohl er eine fragwürdige Quelle ist, steht er doch bekanntlich kurz vor der Veröffentlichung einer hochumstrittenen Biographie über den eigenen Sohn – die er nun, nach dem „Skandal“, nochmals überarbeiten und entsprechend aktualisieren will.

Mediale Hinrichtung durch Psychiatrisierung

So schrecken die Medien nicht einmal davor zurück, Familienkonflikte auszuschlachten und schmutzige Wäsche zu waschen – Hauptsache, es dient der Demontage des Opfers. Und die befragten Zeugen aus dem Umfeld Wendlers versuchen ihre Verluste zu begrenzen und agieren nach dem Motto „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“: Vermeidung von Kontaktschuld und pflichtschuldige Reue ist angesagt – bei seinen Werbepartnern Kaufland und Uncle Sam, aber auch bei seinem eigenen Manager Markus Krampe.

Was ist denn eigentlich wirklich passiert? Wendler hat bei DSDS als Juror hingeschmissen. Soweit, so unspektakulär. Außerdem hat er sich über die Corona-Maßnahmen und die Situation dieses Landes echauffiert. Eigentlich spricht beides- – geistig und charakterlich – sehr für ihn. Was als Vorgeschichte des intern mit RTL abgelaufen ist, lässt sich nur erahnen; vermutlich gab es ein Zerwürfnis und es hatte nichts mit Corona zu tun. Doch selbst wenn ihm wirklich nur der Kragen geplatzt ist und er nicht länger Teil einer Medienmaschinerie sein wollte, die Millionen Menschen zum Maskenwahn, zur datenschutzrechtlichen Selbstaufgabe, zu Reiseverboten und zum Erdulden einer wirtschaftlichen Existenznot propagandistisch ertüchtigt (und RTL ist eines der diesbezüglichen Leitmedien!): Was wäre daran eigentlich verwerflich?

„Der Wendler“, wie er von seinen nun zu Rufmördern mutierten Berichterstattern bezeichnenderweise weiterhin kumpelhaft-sympathisierend genannt wird, hat nichts weiter getan, als von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht. Er hat kritische politische Ansichten bekundet – dieselben, für die zuvor namhafte Ärzte, Juristen, Journalisten und jede Menge Demonstranten (in Berlin und anderswo) seit Monaten als Rechtsextreme, Covidioten, Verschwörungstheoretiker plattgemacht werden. Warum? Weil sie weder die offizielle Politik noch das sich zunehmend verengenden Overton-Fenster des Sagbaren respektierten, sondern sich gegen die Créme der Regierungsvirologen und Pandemie-Chefdogmatiker gestellt haben.

Sorge um das Land? Darf nicht sein

Man mag zu dieser Opposition, die auch schillernde Figuren einschließt, ja stehen wie man will, doch es ist Wendlers gutes Recht, mit ihr zu sympathisieren, Regierung und Medien anzugreifen und unbequeme Fragen zu stellen. Dass er dafür nun Werbeverträge verliert und vom Sender zur Unperson erklärt wird, dass er gemieden wird wie der Leibhaftige, ist keine wirkliche Überraschung in diesem Staat, wo jeder nur noch mit Scheuklappen und Schere im Kopf herumläuft. Doch dass jemand schon deswegen für verrückt erklärt wird, weil er für die eigene Überzeugung auf lukrative Einnahmen verzichtet, dass dies schon als neues Leitsymptom für Unzurechnungsfähigkeit gilt – das lässt tief blicken.

Die Hybris, mit der arrogante Schreiberlinge jetzt das Niveau seiner Schlagertexte in Frage stellen – als handelte es sich dabei plötzlich nicht mehr um Showinhalte, um professionelles Entertainment in seiner genretypischen Schlichtheit, sondern um den Beleg dafür, dass Wendler für eine eigene politische Meinung das Hirnschmalz fehle – ist  nur noch widerlich. Genauso übrigens wie schamlosen die Versuche, ihn von seiner Frau Laura Müller zu entfremden.

Hier erweist sich der Altersunterschied dieses skurillen Paares nun insofern als fatal, als ein 20jähriges Mädchen einer gegen ihren Partner gerichteten Medienkampagne hilflos mitausgeliefert ist und sich nun einem ungeheuren sozialen Druck, einer Erwartungshaltung ausgesetzt sieht, die Reißleine zu ziehen und ihn zu verlassen – schlimmer noch als dies im Fall der Nymphen und Gespielinnen eines Lothar Matthäus der Fall war. Die geplante Übertragung der „Traumhochzeit“ der beiden hat RTL-Boss Graf bereits triumphierend gecancelt – obwohl die Eheleute Wendler vermutlich selbst gar nicht mehr dafür zur Verfügung gestanden hätten.

Gezielter Druck auf Laura Müller

Auch wenn Laura ihren Wendler aufrichtig liebt: Dem Säurebad des medialen Establishments und dessen listigem Betörungen wird sie möglicherweise nicht lange widerstehen können. Man hört die Sabbergesichter der Agentenszene ihr förmlich schon zuflüstern: „Du bist so ne Hübsche, Du hast noch eine goldene Zukunft, trenn dich von diesem Spinner, bevor du mit ihm absäufst, du kommst groß raus, mach dir das mit diesem Nazi nicht kaputt…“. Allgemeine Lebenserfahrung und Wetten laufen leider gegen Wendlers privates Glück.

Die Liste der „fallen stars“, der vom politisch korrekten Medienbetrieb ab- und kaputtgeschriebenen, da „toxisch“ gewordenen Prominenten: Sie wird länger und länger hierzulande. Eva Herrmann; Andreas Gabalier; Uwe Steimle; Lisa Eckart; Thomas Bertolt und viele mehr. Aktuell am Wackeln sind gerade Dieter Nuhr und Jan-Josef Liefers. Doch auch außerhalb des Entertainments, in anderen gesellschaftlichen Bereichen, rollen die Köpfe: Man denke nur an Hans-Jörg Mendig, der als Chef der hessischen Filmförderung wegen einer Tasse Kaffee mit Jörg Meuthen von Staatskünstlern und aus dem Amt gemobbt wurde, oder an Fritz Vahrenholt, der wegen eines klimaskeptischen Buchs zum Paria wurde; an Thilo Sarrazin, der sich um Deutschlands kulturelle Zukunft besorgt, oder aktuell an namhafte Mediziner wie Sucharit Bakhdi, der seine Gegenmeinungen zur Corona-Politik von Beginn an öffentlich vertreten hat und damit zur Unperson des staatshörigen Braintrusts wurde. Diese alle wurden wegen völlig legitimer Ansichten zu Meinungsverbrechern, die Liste der Beispiele ist unendlich.

Natürlich gibt es neben all diesen Renegaten auch solche, die tatsächlich in dubiose Gefilde abdrifteten und unter Aluhüten verschwanden. Attila „Avocadolf“ Hildmann oder Xavier Naidoo sind mit ihren „reichsbürgerlichen“, WHO- oder Q-Anon-affinen Positionen sicherlich nicht mehr ernstzunehmen wenn sie es je waren. „Der Wendler“ wäre gut beraten, wenn er hier – bei aller verständlichen Suche nach Verbündeten und Solidarisierungsreflexen -, nicht dem Irrtum nachgibt, die Feinde seiner Feinde seien zwangsläufig seine Freunde. Von Hildmann sollte er sich schon deshalb distanzieren, weil er damit das Feld legitimer „Corona-Skepsis“ und Kritik verlässt und so in tatsächlich wahnhafte Abgründe eintritt.

Doch gerade weil es die Masche der Medien ist, jeden legitimen Kritiker auf eine Stufe mit extremsten Ausreißern zu stellen und durch diese „reductio ad absurdum“ unliebsame Personen außerhalb des Diskussionsraums zu rücken – das Verfahren ist von der Berichterstattung zur AfD wohlbekannt -, sollte er sich hier vorsehen. Man muss keine überflüssigen Angriffsflächen bieten und es den Kampagnenmachern des politisch Korrekten in ihrem perfiden Bestreben nicht unnötig noch leicht machen. Wenn Wendler diese Gratwanderung gelingt und er die Bodenhaftung nicht verliert, dann ist sein neuerwachtes Engagement durchaus aller Ehren wert. (DM)

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