Zahlen-Chaos und irre Gleichungen: Das RKI wird zur Gefahr für die öffentliche Sicherheit

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Die drei von der Glaskugel: RKI-Chef Wieler, Virologe Drosten, Bundesgesundheitsminister Spahn: Politik und Experten in enger Verzahnung (Foto:Imago/photothek)

Sieben Monate, nachdem Corona uns alle in seinen Bann gezogen hat, muss leider das Unfassbare konstatiert werden: Das Robert-Koch-Institut (RKI) als oberste zuständige Regierungsbehörde mutet der Öffentlichkeit weiterhin ein Zahlendesaster und Datenchaos zu, das nicht nur verwirrend für den Laien ist, sondern auch Experten ratlos zurücklässt – weil es NICHTS über die tatsächliche Verbreitung der Infektion und vor allem NICHTS über dessen Gefährlichkeit aussagt, wohl aber die Politik zu Kurzschlüssen bemüßigt und die Bevölkerung verunsichert.

Weiterhin wird die Öffentlichkeit mit falschen Zahlen hinters Licht geführt. So wurde vorgestern bekannt, dass die allermeisten Gesundheitsämter im Falle positiver Corona-Tests gar keine detaillierten Laborwerte von den Testlabors mitgeteilt bekommen, sondern lediglich das Resultat. Dabei beinhalten die Werte den entscheidenden Hinweis darauf, ob und wie sehr jemand ansteckend ist. Die Gesundheitsämter wiederum melden ans RKI, das aus den so ermittelten täglichen Zahlen „Neuinfizierter“ seine Bulletins erstellt. Von Medien werden diese „neuen Fälle“ dann undifferenziert, unkritisch und unreflektiert als alleiniger Maßstab für die scheinbare Bedrohlichkeit der Lage vermeldet – und die Politik definiert nach ihnen ihre „Ampeln“, „Grenzwerte“ und darauf aufbauend ihre willkürlichen Wahnsinnsmaßnahmen wie Sperrstunden, Reise- und Kontaktbeschränkungen und neuerdings sogar Beherbungsverbote.

Dass inzwischen, anders als noch im Frühjahr, wahllos querbeet getestet wird und darunter vor allem kerngesunde, symptomfreie und auch jüngere Menschen ohne jede Prävalenz für Erkrankungen geschweige denn schwere Verläufe sind, wird nicht mitgeteilt – obwohl genau dies der Grund dafür ist, dass inzwischen die Kurve der „Fallzahlen“ massiv stärker ansteigt als die Kurve der tatsächlich Erkrankten.

Saisonal bedingt ist nun, mit Einbruch der kalten Jahreszeit, auch bei Corona eine geringfügige Veränderung gegenüber dem warmen und trockenen Sommer zu verzeichnen. Etwas anderes wurde nie behauptet; einziger messbarer Unterschied ist dementsprechend ein Anstieg der „Positivenrate“ unter allen Getesteten von knapp unter 1 Prozent auf nunmehr 1,64 Prozent – eine immer noch absolut vernachlässigbare Größenordnung, die tief innerhalb der Schwankungsbreite möglicher falschpositiver Resultate und Fehleranfälligkeiten der verwendeten Testergebnisse rangiert.

Weitgehende Entwarnung wäre angesagt, doch es wird Panik getrommelt

Eines ist besonders aufschlussreich: Dieser Wert ist zufällig genau identisch mit dem vom April – und damals herrschte bekanntlich ein Lockdown. Da es jetzt keinen solchen gibt, sorgt das RKI somit selbst für den evidenzbasierten Nachweis, dass der Lockdown überflüssig war. Selbiges bestätigte Gesundheitsminister Spahn zwar bereits Ende August („mit dem Wissen von heute hätte man den Lockdown nicht gebraucht“), was allerdings weder Angela Merkel, ihren Kanzleramtschef Helge Braun noch Bayern-MP Markus Söder davon abhält, von Zeit zu Zeit weiterhin mit einem Lockdown zu drohen, indem uns die strikte Befolgung der jetzt wieder langsam anziehenden „Regeln“ und staatlichen Schikanen als Vorbedingung zu dessen Vermeidung verklickert wird.

Das Tohuwabohu, das der monatlich in der medialen Versenkung verschwundene RKI-Präsident Lothar Wieler in seine neuerdings wieder häufigeren Auftritten abliefert, knüpft nahtlos an das heillose Chaos und Im-Dunkeln-Getappe seiner Behörde in der Anfangsphase der Pandemie an. So wie damals krude Zahlenspiele mit „Verdoppelungsintervallen“ und „Reproduktionszahlen“ als pseudo-objektive Entscheidungskriterien in die Debatte eingestreut wurden (die dann plötzlich bei Erreichen der Zielvorgaben zur Aufhebung der Beschränkungen gar keine Rolle mehr spielten), so hantiert Wieler auch jetzt wieder mit „Zahlen, die alle von uns berücksichtigt werden“, von denen jedoch keine wirklich weiß, was sie eigentlich besagen sollen.

Jetzt, im Herbst, sei ein Faktor „die sogenannte Infektionsdynamik„, so der RKI-Chef, zu der die neue Fälle (Inzidenzen) gehören, auch die regionalen, sowie wiederum und der Reproduktionswert (R-Faktor). Ein weiterer sei die Schwere der Erkrankungen – wieviele Menschen hospitalisiert sind und wie sie behandelt werden. Der dritte Faktor nenne den Belastungsgrad des Gesundheitssystems. „Wir betrachten nicht die reine Meldezahl„, verteidigt sich Wieler.

„Infektionsdynamik“ und andere Faktoren

Was genau das RKI da „betrachtet„, bleibt schleierhaft – denn die „Infektionsdynamik“ präsentiert sich, wie schon erwähnt, als  Ergebnis planlos und umstrategisch immer weiter ausgedehnter, inzwischen sechsmal häufiger als in der Frühphase der Pandemie durchgeführter Massentests ohne jede Eruierung einer Vortestwahrscheinlichkeit (Rückkehr aus Risikogebiet, Erkältungssymptome). Die aufbereiteten Übersichten, die das RKI dann täglich präsentiert, haben praktisch keinen Aussagewert. Und wie sieht es mit den anderen Faktoren aus?

Auf den Intensivstationen sei die Zunahme von Covid-19-Patienten „bereits seit Wochen spürbar, aber noch keine Überlastung in Sicht„, so das RKI gestern früh – als würde diese Überlastung unbedingt kommen. Konkret bedeutet dies: Am Donnerstagnachmittag waren bundesweit 487 „Corona-Erkrankte“ gemeldet, die einer intensiven Behandlung bedürfen, 18 mehr als am Vorabend. Dies bedeutet mithin nicht nur , dass rund 8.500 Intensivbetten derzeit in Deutschland frei sind (und weitere über 12.000 innerhalb von sieben Tagen bereitgestellt werden könnten, wenn benötigt – was mehr als eine Totalentwarnung rechtfertigt und weitaus entspannter ist als in jeder Grippewelle der letzten Jahrzehnte!).

Es heißt vor allem, dass die Zahl der mit „an Corona erkrankten“ Patienten belegten Intensivbetten innerhalb der vergangenen vier Wochen um gerade einmal 200 gestiegen ist – wobei uns nicht mitgeteilt wird, um welche intensivmedizinischen Behandlungen es sich hier in Wahrheit handelt – weil, wie auch bei den Sterbefällen, die eigentliche Ursache keine Rolle mehr spielt, sondern nur das positive Corona-Testergebnis. Es gilt also auch ein Herzinfarkt-Patient auf der Intensivstation, der zufällig auch positiv auf Corona getestet ist, jedoch überhaupt kein Covid entwickelt hat, als „Corona-Intensivpatient“. Ebenfalls werden keine Angaben dazu gemacht, in welchem Alter diese intensivmedizinischen „Corona-Erkrankten“ eigentlich sind.

Mehr „Neuinfizierte“ – na und?

Stattdessen wird die Panikmache durch Verlautbarungen von „am Vortag wieder sprunghaft angestiegenen“ oder gar „explodierenden Neuinfektionen“  weiter befeuert. Vorgestern erst warnte Gesundheitsminister Spahn unter Berufung auf das RKI: „Es ist möglich, dass wir 10.000 Fälle am Tag sehen!„. Und gestern überschlugen sich die News-Ticker mit der Schlagzeile: „Erstmals wieder über 4.000 Neuinfektionen an einem Tag!“ Hier wäre in Anbetracht der realen, in keiner Weise besorgniserregenden Lage die Gegenfrage zu stellen: Ja, und? Erstens nehmen die „Genesenen“ (von denen die meisten nie krank wurden) in praktisch demselben Tempo zu, wie „neue Fälle“ (gemeint sind immer: Positivgetestete) hinzukommen. Und zweitens liegt die Zahl der „aktiv von Corona Betroffenen“ (in den meisten Fällen völlig symptom- und beschwerdefrei) liegt weiterhin im Bereich von unter einem halben Promille der Gesamtbevölkerung – aktuell sind es rund 0,05 Prozent, die „aktiv Infizierte“ geführt werden.

Vor allem wird weiterhin nach wie vor kein Wort darüber verloren, wie viele Menschen an der regulären Grippe sterben – und dies  wären in absoluten Zahlen auch in diesem Jahr normalerweise  mehr als an Corona – es sei denn, der unausgesprochene Plan der Politik geht auf, möglichst viele dieser schweren Grippeverlaufsfälle (um die sich jahrzehntelang bis 2019 noch nie jemand geschert hat) ab sofort diesem neuen Virus anzulasten, um so die Pandemie weiter am Laufen zu halten. Die Corona-Politik, namentlich das RKI ist mittlerweile eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Statt seine fachliche Kompetenz zu nutzen, um eine vernünftige Einordnung und Risikobewertung vorzunehmen, zündet Wielers RKI-Panikorchester täglich neue Nebelkerzen – und gibt Verhaltenstips ab, so als würden täglich Tausende auf den Straßen an einer epochalen Seuche krepieren und jedermann Gefahr laufen, dass es ihn am nächsten Tag selbst erwischt. Es gelte, die „Formel für möglichst wenige Ansteckungen“ zu beachten –  nämlich die  „AHA-Regeln“ – „Abstand, Hygiene, Alltagsmaske„, so Wieler. Die kennen inzwischen schon Vorschulkinder auswendig.

Gleichungen für Dummies

Doch jetzt kommt etwas ganz Neues dazu – Achtung, Kreativität: Ab sofort heiße diese Regel „AHA+L-Regel“ – mit „L“ für „lüften“, so Wieler ganz verschmitzt. Denn bei „mehreren Menschen in geschlossenen Räumen“ müsse man für Durchzug sorgen. Schulkinder können davon ein leidvolles Lied singen, wenn sie bei 10 Grad und nasskaltem Wetter mit Maske und geöffneten Fenstern büffeln dürfen – und sich dann, statt Corona, Schnupfen, eine Mandelentzündung oder Bronchitis einfangen. Doch auch da hat der clevere Wieler einen Spitzentip parat: „Bei kühlerem Wetter versuchen Sie, die drei Gs zu vermeiden: Geschlossenen Räume, Gruppen und Gedränge, Gespräche in lebhafter Atmosphäre„. Eigentlich sind das zwar vier G’s; man wollte wohl nicht übertreiben. Jedenfalls soll so nun angeblich nach Wielers Ansicht die folgende „Gleichung“ aufgehen: „Wenn wir uns alle an diese Regeln halten, können wir Infektionen verhindern – nicht alle, aber einen großen Teil.“

Und um den Schwachsinn zu komplettieren, fügte dann Gesundheitsminister Jens Spahn diesem Buchstabensalat, der nichtmal für Esel als Eselsbrücke taugt, später noch ein weiteres „A“ hinzu – für „App“ (gemeint ist die phänomenal gefloppte Corona-Warn-App). Das „macht Sinn„, so der Minister – womit sich dann folgende Corona-Ansteckungs-Vermeidungs-Formel für „möglichst niedrige Infektionszahlen“ ergäbe: „AHA + A + L + 3G“.

Wir hätten da eine noch griffigere Formel parat, die die Bürger gegenüber Regierung und RKI eher beherzigen sollten: Wie wäre es schlicht mit „LMAA“? (DM)

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