Gesichtslappen-Pflicht im Freien in ganz Italien: Bis zu 3000 Euro Strafe für jeden, der ohne erwischt wird

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Foto: Von Simone Padovani/Shutterstock

Ab Donnerstag gilt in ganz Italien Maskenpflicht auf der Straße. Wer ohne Gesichtslappen erwischt wird, riskiert eine Strafe von bis zu 3000 Euro. Der Corona-Ausnahmezustand ist bis zum 31. Januar kommenden Jahres verlängert worden, obwohl die Zahlen der Erkrankten überschaubar sind.

Eigentlich kann man die Coronasituation in Italien entspannt nennen. Derzeit liegen laut Lab24 nur 319 COVID-19-Patienten auf Intensivstationen – bei einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 60 Millionen. Die überwiegende Mehrheit der Positiv-Getesteten steht unter häuslicher Zwangsquarantäne und weist keine Symptome auf.

Auch ist derzeit kein Anstieg der Todesfälle in Zusammenhang mit dem „Nicht-Killer-Virus“ zu verzeichnen. Die Sterbekurve verharrt weiter auf niedrigem Niveau. Aber weil es so schön ist, zieht die italienische Regierung unter dem amtierenden Ministerpräsidenten ist Giuseppe Conte wieder „die Zügel an“, zwingt ihre Untertanen unter die Maske und macht das ganze Land zum „Karneval in Venedig“. 400 bis 3000 Euro Strafe drohen ab Donnerstag jedem Maskenverweigerer laut fanpage.it.

screenshot  Statista

 

 

 

Der Direktor des San Martino-Krankenhaus in Genua findet die Maßnahmen völlig überzogen: Die Entscheidung habe keine wissenschaftliche Grundlage, kritisiert Dr. Matteo Bassetti. Die Verwendung von Masken sei nur da sinnvoll, wo es nicht möglich ist, Abstand zu halten, so der Mediziner. „Ich habe versucht, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Tragen von Masken im Freien und ihren potenziellen Vorteil bei der Virusübertragung zu suchen, konnte aber keine finden“, so der Infektiologe Dr. Matteo Bassetti auf Facebook.

„Es ist falsch, die Maske in ganz Italien im Freien obligatorisch zu machen, ohne zwischen den höchsten und niedrigsten endemischen geografischen Gebieten zu unterscheiden “, so Bassetti. „Wir wiederholen den Fehler, der mit dem Lockdown gemacht wurde: eine einzige Maßnahme für ganz Italien, ohne regionale und lokale Unterschiede zu berücksichtigen“, findet er.

Er weist auch auf die Fortschritte hin, die seit März bei der Behandlung von Covid-19 Erkrankten gemacht wurden: „Die Daten über die Virusletalität in unseren Abteilungen sind viel niedriger als im Frühjahr.“ Es gäbe inzwischen mehr Krankenhausbetten, Medikamente, Medizinprodukte und vor allem qualifiziertes Personal. „Ich glaube, dass wir in den kommenden Monaten absolut in der Lage sein werden, mit einer eventuellen Zunahme von Fällen fertig zu werden“, so der Mediziner.

screenshot Statistik Lab24. Grau – Testzahl, rot – positiv Getestete, grün – Gesundete

Außenminister Luigi Di Maio droht auf Facebook den Italienern bereits wieder mit dem berühmtesten „Horror-Bild“, dass auch in Deutschland gerne dazu benutzt wird, um Corona-Panik zu verbreiten: Militärlaster, die angeblich eingesetzt werden mussten, um die unendlich vielen Corona-Toten abzutransportieren. Das Handyfoto wurde am Abend des 18. März von dem 28-jährigen Ryanair-Flugbegleiter Emanuele di Terlizzi aufgenommen und löste – in einen falschen Kontext gebracht – weltweit Entsetzen aus. „Das italienische Militär wurde in der Nacht vom 18.3. in Bergamo (und danach in einigen anderen italienischen Städten) nicht eingesetzt, um überwältigend viele Leichen abzutransportieren, sondern aus Angst vor dem „Killervirus“ (>>). Den Angehörigen, die allesamt in strenger Quarantäne verharren mussten, war es bei Androhung drakonischer Strafen verboten, sich wie sonst üblich um ihre Verstorbenen zu kümmern. Lokale Akteure beschlossen die unverzügliche Einäscherung der Seuchenopfer. Weil normalerweise lediglich knapp die Hälfte der Verstorbenen kremiert werden, reichten die Kapazitäten des Ofens im Zentralfriedhof von Bergamo nicht aus. Die Leichen mussten also zu Friedhöfen in der Umgebung gebracht werden. Logistisch und sicherheitstechnisch war dazu anscheinend nur das italienische Heer in der Lage. Der nächtliche Transport, der dem makabren Bild die unvergleichliche Dramatik gibt, geschah vor allem, um den Vorgang so gut wie es ging zu verheimlichen“, rekonstruiert u.a. Frank Fehrenbach in Spotlight die Geschichte um das geschichtsträchtige Angst-Foto. (MS)

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