Sozialisten-Traum: Home Office führt in die Isolation

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Für Linke ein Traum: Es gibt nur noch virtuelle Nähe. In der Realität bleibt der Mensch isoliert (Foto: Von fizkes/Shutterstock)

Mit den Corona-Zwangsmaßnahmen hat das sogenannte „Homeoffice“ – also Lohnarbeit in der Mietwohnung oder im Eigenheim – im Laufe der letzten Monate Karriere gemacht. Nun will der SPD-Bundesarbeitsminister mit dem politisch sehr unkorrekten Namen Heil sogar ein Gesetz auf den Weg bringen, das Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf Heimarbeit in gewissen Grenzen und zu bestimmten Bedingungen ermöglichen soll.

Von Wolfgang Hübner

Von CDU und FDP hagelt es Kritik an Heils Plänen, die unrealistisch seien und zu rechtlichen Konflikten führen könnten. Der DGB hingegen findet die Beschränkung auf maximal 24 Tagen im Jahr für „eindeutig zu wenig“. Was bei diesen politischen Diskussionen im Parteienkartell herauskommen wird, ist offen, kann aber hier nicht weiter erörtert werden.

Hier soll vielmehr darüber nachgedacht werden, ob „Homeoffice“ für abhängig Beschäftigte ein Fortschritt ist oder vielleicht doch eine bedenkliche Entwicklung. Dabei ist gleich festzustellen, dass diese Möglichkeit für Millionen Deutsche überhaupt nicht realisierbar ist: Arbeiter im VW-Werk können nicht zuhause Autos herstellen, Polizisten in den eigenen Wänden keine öffentliche Ordnung durchsetzen, Bäckereiverkäuferinnen keine Brötchen im Wohnzimmer anbieten. Geeignet für Heimarbeit sind also vor allem Bürotätigkeiten, die am Computer stattfinden können. Die ARD hat am Sonntag in der „Tagesschau“ eine Mutter von zwei Kindern gezeigt, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit derzeit „Homeoffice“ betreibt und damit offenbar sehr zufrieden ist.

Das war gerade für Freunde traditioneller Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen sicher eine gute Nachricht: Die Frau macht Lohnarbeit zuhause und kann sich gleichzeitig noch um die Kinder kümmern. Was nicht gezeigt wurde, war, wie das zusammengeht – die Lohnarbeit und die Kinder. Doch das ist ein Problem, über das schon gesprochen werden sollte. Aber es gibt noch ein ganz anderes, grundsätzlicheres Problem mit „Homeoffice“: Die Verwischung von Privat- und Arbeitsbereich. Wenn die Wohnung auch zum Büro wird, ist das Heim nur noch bedingt eines. Das mag manchen nicht stören, doch andere können es mit guten Gründen als Reduzierung, ja Kontrolle ihrer Privatsphäre beklagen.

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Für Arbeitgeber eröffnet die Verlagerung von bestimmten Tätigkeiten ins „Homeoffice“ erhebliche Sparpotentiale, deren Ertrag wohl kaum den Lohnabhängigen zugutekommen wird. Das ist allerdings „nur“ ein materieller Aspekt. Einschneidender ist die Isolations- und Entsolidarisierungswirkung von Heimarbeit. Wo der Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten nur noch digital erfolgt, bilden sich auch ganz andere Arbeitsstrukturen heraus, die unvermeidlich zu Vereinzelungseffekten führen. Es ist erstaunlich, ja befremdlich, wie angetan gerade SPD und DGB von einer Arbeitsstruktur sind, die das menschliche Bedürfnis nach unmittelbarer Kommunikation und kollektiver Reaktion auf mögliche Zumutungen schwieriger macht oder sogar verunmöglicht. Was sagen die Leser dieses Textes zu den Vor- und Nachteilen von „Homeoffice“?

Dieser Beitrag erschien zuerst hier

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