Die Medienseuche: Wer hat Bill Gates gewählt?

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Angela Merkel, Bill Gates (2014) - Foto: Imago

In der F.A.Z. erschien ein Gastbeitrag von Bill Gates, dem multimilliardenschweren Chef aller Impfdosen. Er fabuliert von drei Bedingungen, um die Pandemie zu stoppen. Welche Pandemie – und warum Bill Gates?

von Max Erdinger

Bekommt er von Bill Gates einen Flugzeugträger geschenkt, dann freut sich der Mensch. Fortan schippert er fröhlich über die Weltmeere. Bis zu dem Tag, an dem Gates auftaucht und selbst einmal schippern will. Dann freut sich der Mensch nicht mehr. Allerdings kann er die Bitte auch nicht abschlagen, ohne sich den Vorwurf der Undankbarkeit einzuhandeln.

Mit den Zeitungen ist es so ähnlich wie mit den geschenkten Flugzeugträgern. Hat Bill Gates große Summen an eine vom Auflagenverlust gebeutelte Zeitung verschenkt, kann der Chefredakteur schlecht Nein sagen, wenn der Großphilanthrop selbst etwas schreiben und veröffentlichen möchte. Vom „Spiegel“ und von der „Zeit“ ist bekannt, daß sie den finanziellen Schmeicheleien des amerikanischen Multimilliardärs erlegen sind. Von der „F.A.Z.“ ist mir derlei nicht bekannt, aber seit dort am 30. September 2020 ein Gastbeitrag von Bill Gates erschienen ist, steht ein entsprechender, nicht ganz unbegründeter Verdacht im Raum. Es handelt sich um denselben Verdacht, den schon der „Spiegel“ auszuräumen versuchte, nachdem ruchbar geworden war, daß es doch immerhin 2,5 Mio. Dollar gewesen sein sollen, die man dort bei der Gates-Stiftung beantragt – und auch bewilligt bekommen hatte. Der „Spiegel„: „Die Gates-Stiftung nimmt inhaltlich keinen Einfluss und ist redaktionell zu keinem Zeitpunkt an der Entstehung von Artikeln beteiligt. Im Redaktionsalltag oder zu Themen und einzelnen Artikeln gibt es keinen Austausch zwischen Redaktion und der Stiftung.

Der elegante Kniff: Die Gates-Stiftung stellt die Gelder nicht direkt bestimmten Zeitungen zur Verfügung, sondern sie stattet ein „Projekt“ mit Finanzmitteln aus. Auf die bekommt dann Zugriff, wer sich an dem Projekt publizistisch beteiligt. Im Fall des „Spiegel“ ist es das Projekt „Globale Gesellschaft“ gewesen, in dessen Rahmen – wie der „Spiegel“ schreibt – „Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Themen“ schreiben, die „Gesellschaften weltweit spalten: Migration, Klimawandel, soziale Ungleichheiten.“ – Das ist raffiniert. Das Geld kommt von der Gates-Stiftung direkt, die Einflußnahme auf den redaktionellen Inhalt geschieht jedoch nur indirekt über die Themenstellung im Rahmen eines „Projekts“. Projekte gibt es viele, zum Beispiel ein filmisches zur Behebung der globalen Antibiotika-Krise, das ebenfalls von Bill Gates gefördert wird, wie die „Film- und Medienstiftung NRW“ recht arglos berichtete.

Bill Gates in der F.A.Z

Mit „Drei Bedingungen, um die Pandemie zu stoppen“ ist der Gastbeitrag des amerikanischen Großphilanthropen überschrieben. Wir leben jedoch im Zeitalter des Framings und der absichtsvollen sprachlichen Ungenauigkeit zur Verwischung fundamentaler Unterschiede, wie das beispielsweise bei den abwechselnd verwendeten Begriffen „Gleichberechtigung“ und „Gleichstellung“ zur Beschreibung ein- und desselben Sachverhalts zu beobachten ist. Deshalb kann schon die Überschrift von Gates´ Gastbeitrag in der F.A.Z. durchaus gelesen werden als: „Drei Bedingungen, um die Corona-Maßnahmen zu stoppen“.

Es käme aber schlecht an beim Leser, wenn ein US-amerikanischer Bürger drei Bedingungen stellen würde, um die Corona-Maßnahmen zu stoppen, weil sich jeder, der nicht völlig narkotisiert ist, fragen würde, ob es wohl auch dieser US-Bürger gewesen ist, der die Corona-Maßnahmen verfügt hat. Bedingungen, unter denen sich eine „Pandemie stoppen“ läßt, klingen einfach wesentlich philanthropischer, als Bedingungen, unter denen die „Corona-Maßnahmen“ wieder aufgehoben werden können. Letzteres klänge doch stark nach Erpressung, und der Leser würde sich fragen, worin wohl das Erpressungspotential zu sehen sei. So viel weiß er nämlich: Den philanthropischen Gates hat er nie gewählt, schon deswegen nicht, weil der nie zur Wahl gestanden hat. Daß es wirklich seine Regierung gewesen sei, die aus eigener Klugheit heraus die „Corona-Maßnahmen“ verfügte, würde sich der Leser schon gern als Überzeugung erhalten. Niemand begreift sich selbst gern als einen Übertölpelten. Gerade in diesen Zeiten sitzt der Argwohn tief. Segelt nicht schon das organisierte Schlepperunwesen unter der Flagge der „Seenotrettung“?

Dr. C. E. Nyder - Gesundheitsdiktatur - Bill Gates Angriff auf die Demokratie - Kopp Verlag - 19,99 Euro
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Wenn sich der Leser aber fragt, was es evident gibt, eine Pandemie oder die Corona-Maßnahmen, dann fällt ihm sofort auf, daß er die Corona-Maßnahmen deutlich besser sehen kann, als die Pandemie. Nirgendwo gibt es Sterberaten, die eine Pandemie nahelegen würden. Im Frühjahr hatte es eine der üblichen Grippewellen gegeben, die dieses Jahr als Coronawelle bezeichnet worden war. Erst mit dem Abflauen dieser Welle traten dann die sogenannten Corona-Maßnahmen inkraft. Nirgendwo gab es eine Pandemie zu bestaunen, überall hingegen die Corona-Maßnahmen. Außer in den Ländern, die keine erlassen hatten. Seltsamerweise verstarben aber auch in solchen Ländern die Leute keinesfalls wie die Mücken. Und ohne die Medien hätte ebenfalls nirgendwo ein Mensch jemals an eine Pandemie gedacht. Wer denkt schon an etwas, von dem er nichts bemerkt? Die Wahrscheinlichkeit, daß es Bill Gates in der F.A.Z. nicht darum gegangen sein könnte, drei Bedingungen zu formulieren, unter denen eine Pandemie gestoppt werden kann, sondern darum, drei Bedingungen aufzuzeigen, unter denen die Corona-Maßnahmen wieder abgeschafft werden können, gewinnt so ganz enormes Gewicht.

Die Welt stehe kurz vor einer wissenschaftlichen Meisterleistung, schreibt Gates. Anfang nächsten Jahres soll angeblich ein sicherer und wirksamer Impfstoff gegen COVID-19 bereitstehen, vermutlich sogar mehrere. Damit hätten wir endlich die Chance, der Bedrohung durch die Pandemie ein Ende zu setzen – und zur Normalität zurückzukehren. Schreibt Bill Gates. Da haben wir es wieder, dieses ominöse „Wir“. „Wir“ hatten evident keine Chance, uns keine „Pandemie“ vor die Nase setzen zu lassen und „wir“ hatten evident auch nicht das „Recht“, uns den Corona-Maßnahmen zu widersetzen. Weshalb hätten „wir“ dann also auf einmal die Chance, der Bedrohung durch eine Pandemie ein Ende zu setzen, von der „wir“ noch nicht einmal überzeugt sind, daß es sie gibt oder je gegeben hat? Dieses „Wir“, das sich im allgemeinen Sprachgebrauch pandemisch ausbreitet, paßt nicht zu „uns“. Zum „Projekt globale Gesellschaft“ paßt es allerdings hervorragend. Die „Pandemie“ scheint weniger eine Virenpandemie zu sein, sondern mehr eine „Wir“-Pandemie.

Gates: „Gibt es eine Impfung gegen das Virus, können die Regierungen die Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung aufheben.“ – zu viel der Generosität, Herr Gates. Herzlichen Dank. „Wir werden keine Masken mehr zu tragen brauchen.“ – Gipfel der frohen Botschaft. Kleiner Schönheitsfehler dennoch: Gebraucht hätten „wir“ die Masken schon bisher nicht. Nur tragen mussten „wir“ sie trotzdem. „Die Weltwirtschaft wird wieder volle Fahrt aufnehmen.“ – man sieht: Gates kennt den Unterschied zwischen der Weltwirtschaft und der Gastwirtschaft. Letztere ist pleite und den Gastwirt tröstet nicht, daß es dem Weltwirt bald wieder gutgehen wird. „Zwingend findet diese Entwicklung aber nicht statt„, fügt Gates an. Weswegen er auch gleich zu seinen drei Bedingungen kommt. Entschuldigung, zu „unseren“. Wir sind schließlich „Wir“. „Um dorthin zu gelangen, braucht die Welt zuerst drei Dinge: die Kapazitäten, Milliarden Impfstoffdosen zu produzieren, die finanziellen Mittel, um sie zu bezahlen, und Systeme, die diese verbreiten können.“ – mit anderen Worten: Die Corona-Maßnahmen werden erst dann wieder aufgehoben, wenn „wir“ als „Projekt globale Gesellschaft“ gefressen haben, daß „wir“ Bill Gates brauchen. Da ziehen „wir“ mit den Zeigefingern unsere unteren Augenlider ganz weit nach unten, blicken Bill Gates aufmunternd dabei an und fragen ihn, ob er „unsere“ Blinddärme sehen kann. Weil: Nix gibt´s.

Es ist so: Projektmäßig betrachtet ist die globalgesellschaftliche Weltimpferei eine sauteure Angelegenheit für „uns“. Das Geld ist aber nicht gleichmäßig über die ganze Welt verteilt. Das hat Gates zutreffend erkannt, weswegen er in den Erläuterungen zu seinen drei Bedingungen auch gleich behauptet, daß es diejenigen Länder, in denen „wir“ uns Impfungen locker leisten können, schwer treffen wird, wenn „wir“ uns in armen Ländern wie z.B. Nicaragua solche Impfungen nicht leisten können. Deswegen bräuchten „wir“ einen Geldtransfer von „unseren“ reichen in „unsere“ armen Länder. Weil nämlich alles „Wir“ ist.

Was der Herr über die globalgesellschaftlichen Injektionsnadeln keinesfalls gesagt haben wollte, war also folgendes: Weil ich beabsichtige, über die Aktienpakete, die meine multimilliardenschwere Stiftung an allen weltweit führenden Pharmafirmen hält, per globaler Impfung noch viel reicher zu werden, als ich ohnehin schon bin, stinkt es mir, daß „wir“ uns in den reichen Ländern noch immer dicke Autos, Einfamilienhäuser, Kreuzfahrten und Flugreisen leisten, an denen „wir“ – also ich – keinen Cent verdienen. Wenn „wir“ also so viel Geld aus den reichen Ländern abziehen, daß sich alle „die Menschen“ in der „globalen Gesellschaft“ recht projektmäßig eine Impfung leisten können, die sie wegen einer lediglich eingebildeten und von mir per Medien-Finanzspritze konstruierten Pandemie dringend zu brauchen meinen, dann ist das gut für „uns“ … äh … mich.

So konnte er das natürlich nicht schreiben, der Herr Gates. Und damit niemand denkt, er hätte es aber durchaus so schreiben können, muß er als „Philanthrop“ durchgehen. Da ist es hilfreich, wenn er anfügt, die ganze Pharmaindustrie würde nicht den geringsten Profit einfahren bei der ganzen Impferei. Das funktioniert. Die gleichheitsideologisch basierte, globalgesellschaftliche Menschenschleuserei geht trotz ihrer Illegalität schließlich auch als humanitäre Seenotrettung durch. Die „die Menschen“ glauben und träumen eben gern.

Der schönste Traum

Mein schönster Traum geht so: „Wir“ als die „globalgesellschaftlichen Menschen“ schaffen ohne jede weitere Vorbedingung die Corona-Maßnahmen selber ab, weil es die dazugehörige Pandemie schlicht und einfach nicht gibt. Während wir die Corona-Maßnahmen selber abschaffen, delektieren wir uns an dem hysterischen Herumgehüpfe von Regierungsmitgliedern, die geglaubt hatten, sie könnten uns im Auftrag von Bill Gates Länge mal Breite verarschen so lange sie wollen. Als nächstes beschlagnahmen wir das Vermögen von Bill Gates und kaufen für den ganzen Zaster alle Impfspritzen der Welt, binden Bill Gates an einen Corona-Marterpfahl und verwenden ihn als Dartscheibe. Wer bei der Wurfimpfung genau seine Nasenwurzel trifft, erhält lebenslang kostenlose Windows-Updates.

Dann wachen wir auf und aus ist der Traum. Wir schauen uns um und erkennen andere „die Menschen“, die in der F.A.Z. schmökern, allerlei „Ahs!“ und „Ohs!“ von sich geben und dabei ein Gesicht machen, als würden sie gerade vom heiligen Geist gestreift. Als nächstes greifen wir aus Gründen der humanitären Sehnotrettung nach einer Brille, dann nach einer Zeitung – und fragen uns mit dem leitartikelnden Chefredakteur, wie beliebt Angela Merkel ist. Daß sie beliebt ist, steht offiziell nämlich ganz außer Zweifel, weil sonst niemand fragen würde, wie beliebt sie ist. Wir seufzen resigniert, weil wir feststellen, daß die Frage, wie beliebt Angela Merkel ist, eine genau so dämliche Pseudofrage zur überflüssigen Diskurs-Simulation ist, wie die nach der Gefährlichkeit einer inexistenten Pandemie. So ist das eben im „postfaktischen Zeitalter“.

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