„Wir tappen im Dunkeln“: Statistiker bestätigt die Sinnlosigkeit der RKI-Zahlen

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Corona-Tests ohne Konzept und flächendeckenden Aussagewert (Foto:Imago/Lichtgut)

Schon einmal, nämlich während des Lockdowns Anfang April, meldete sich der Medizin-Statistiker Gerd Antes zu Wort – einer der wenigen ausgewiesenen Experten seines Fachs, die bezeichnenderweise in dieser Pandemie nie zum Beratungsstab der Regierung gehört hatten – und äußerte sein völliges Unverständnis für die Zahlen und Daten, auf deren Basis das RKI und das Bundeskabinett Entscheidungen zur Pandemie traf. Jetzt wiederholt er die Kritik – weil sich an der unsinnigen Methode nichts geändert hat.

Kernaussage von des Professors für Biometrie und Statistik an der Medizinischen Universität Freiburg, damals wie heute: „Das Starren auf absolute Zahlen ist ziemlich sinnlos„. Was hingegen notwendig sei, wären, so erklärt Antes im „Focus„-Interview, seien „mehr systematisch erfasste Daten für ein umfassendes Bild„. Doch die gibt es nicht – was schwer zu begreifen ist. Es ist derselbe Gedanke, der auch Epidemiologen, Allgemeinmediziner und Mathematiker umtrieb, letztlich wohl praktisch jeden mit gesundem Menschenverstand jenseits des Zitierkartells der staatsloyalen- und Staatsmedien: Wieso wurde in Deutschland nicht in regelmäßigen Intervallen repräsentativ über die gesamte Bevölkerung getestet, in validierten aussagekräftigen Stichproben, die dann genaue Rückschlüsse auf die tatsächliche Verbreitung des Virus erlauben?

Die Folge dieses unwissenschaftlichen Mankos: „Neuinfizierte, Genesene, Tote – täglich schauen alle auf die Corona-Zahlen. Und doch bringt es uns nicht weiter. Wir tappen weiterhin oft völlig im Dunklen, wo die Infektionen herkommen.“ Inzwischen wird zwar fünf- bis sechsmal mehr getestet als damals, doch noch immer nach völlig uneinheitlichen, regional unterschiedlichen und unsystematischen Kriterien. Die Schwerpunkte haben sich verlagert – von den zu Beginn der Pandemie in den Fokus gerückten „möglichen Kontaktpersonen mutmaßlicher Heimkehrer aus Risikoregionen“ sowie „Symptomträgern“ hin zu Reiserückkehrern, Personen nachermittelter Infektionsträger oder arbiträren Massentests in Betrieben, Schulen, Pflegeeinrichtungen. Repräsentativ ist all dies nicht.

Keinerlei Repräsentativität

Wir wissen nicht, was wirklich passiert… immer noch nicht„, so Antes, der erbarmungslos konstatiert: „Was die Datenlage angeht, sind wir keinen Schritt weiter als im Frühjahr.“ Auch die Fixierung von Politik, Medien und Öffentlichkeit auf eine virologische Starriege, eine Art Experten-„Créme“ missfällt dem Wissenschaftler: Deutschland, so sagt er, brauche eine „interdisziplinäre Task Force statt der Fokussierung auf einzelne Virologen.“

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Auch die beliebigen Festlegungen auf „Höchstgrenzen“ durch regionale „Ampeln“ kann der Professor nicht nachvollziehen: „Die Zahlen haben alle ein Dilemma. Um sie politisch umsetzen zu können, muss man Grenzen definieren. Gleichzeitig ist das irritierend und damit kontraproduktiv, weil sie von der Sachlage her keine Begründung haben. 34 oder 51 hätten die gleiche Begründung bzw. genauso wenig.“ Man könnte, ja müsste auch ganz andere Zahlen wählen, so Antes. Er sage schon seiten Langem, dass es mehr systematisch erfasste Zahlen brauche, um „beurteilen zu können, was tatsächlich passiert„. Sei Fazit ist zugleich beißende Kritik an der Groko-Coronapolitik insgesamt: „Wir brauchen eine Quantifizierung auf solider Datengrundlage, damit wir besser wissen, was im Detail passiert, wenn wir an den Stellschrauben etwas drehen!“ Gehör wird Antes vermutlich heute genauso wenig finden wie im April. (DM)

 

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