Urlaubsbranche in Deutschland kurz vor dem Zusammenbruch

Foto: Hotelzimmer (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Trotz oder besser weil die Nachfrage stark eingebrochen ist, sind die Übernachtungspreise in deutschen Hotels und Ferienwohnungen spürbar gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Preisvergleichsportal „Idealo“ für die „Welt am Sonntag“ durchgeführt hat. Demnach sank das Interesse an Hotelübernachtungen im Vergleich zum Vorjahr deutschlandweit um 53 Prozent.

Die Buchungen von Ferienwohnungen gingen um 47 Prozent zurück. Gleichzeitig aber stiegen die Preise pro Übernachtung – in Hotels um drei Prozent und in Ferienwohnungen um fünf Prozent. Der Vergleich zeigt für 36 Tourismusregionen und 171 Städte, wo es noch günstige Ferienangebote gibt.

Das Resultat: In Heilbronn finden sich gerade die größten Hotelschnäppchen in Deutschland. Hier sind die Preise im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent gefallen. Ebenfalls besonders günstig sind Hotelzimmer an der Ostsee in Scharbeutz (minus 35 Prozent) und Bad Wörishofen (minus 33 Prozent).

Die Nachfrage ist in den drei Städten um bis zu 71 Prozent eingebrochen. Bei Ferienwohnungen gilt das für Günzburg (63 Prozent Preisrückgang), das thüringische Oberhof (minus 61 Prozent) und Eckernförde (minus 60 Prozent). Hier ist die Nachfrage um bis zu 50 Prozent rückläufig.

Um Nachfrage und Preise zu vergleichen, hat „Idealo“ den Durchschnittspreis pro Person und Nacht für alle Hotels und Ferienwohnungen für den Buchungszeitraum vom 1. bis zum 31. Oktober in den Jahren 2019 und 2020 miteinander verglichen. In Ruhpolding ist die Nachfrage nach Ferienwohnungen um 94 Prozent gesunken. Es ist der größte Rückgang unter allen ausgewerteten Städten. Die Antwort darauf: Gestiegene Preise. 208 Prozent teurer als 2019 sind die Unterkünfte dort. Nirgendwo sonst ging es so stark nach oben. Größte Preistreiber bei Ferienwohnungen sind neben Ruhpolding Trier (plus 194 Prozent), Hannover (plus 172 Prozent) und Bad Reichenhall (plus 136 Prozent).

Bei den Hotels langen Besitzer von Unterkünften in Templin (plus 86 Prozent) und Warnemünde (plus 66 Prozent) besonders zu. Und das, obwohl auch in diesen fünf Städten die Nachfrage um mindestens 43 Prozent eingebrochen ist. „Für viele Betriebe ist die Lage weiter dramatisch“, sagte Ingrid Hartges, die Chefin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) der „Welt am Sonntag“. Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes, sagte der „Welt am Sonntag“ dazu: „Nach wie vor können beispielsweise familiengeführte Übernachtungsbetriebe mit mehreren Standorten nur für maximal einen Betrieb Überbrückungshilfen beantragen.“ Er weist auf die individuellen Schwierigkeiten von Hotels hin. Für manche Betriebe dürfe eine Preiserhöhung also die letzte Möglichkeit zum Überleben sein.

Aber das wird nicht lange funktionieren. Denn es droht eine Massenarbeitslosigkeit, und das bedeutet, dass immer weniger Bürger Geld übrig haben, um in den Urlaub zu fahren. Die Katastrophe – nicht nur für diese Branche – ist vorprogrammiert, da helfen dann Preiserhöhungen nur kurzfristig.

Und auch sonst sieht es mehr als finster aus:

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesarbeitsagentur, Detlef Scheele, stellt seine Behörde angesichts der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht bereits auf eine große Pleitewelle ein. Das Haus bereite sich „auf den Ernstfall vor“, sagte Scheele der „Bild“. „Wir qualifizieren gerade 250 Mitarbeiter zusätzlich, für den Fall, dass es zu einer größeren Pleitewelle käme.

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Wir haben darüber hinaus 1,6 Milliarden Euro für das Insolvenzgeld für 2021 eingeplant, in diesem Jahr waren es nur 950 Millionen.“ Schon im laufenden Jahr sei die Zahl der Menschen, die Insolvenzgeld von der Behörde bezogen habe, höher gewesen als im Vorjahreszeitraum. „Wir haben dieses Jahr bislang 350 Millionen Euro mehr Insolvenzgeld auszahlen müssen als 2019, da waren es bis September rund 600 Millionen Euro. Allerdings bleibt abzuwarten, was passiert, wenn die Antragspflicht wieder einsetzt.“

Da die Pandemie zu Gunsten der Regierung wohl nur bis zur nächsten Bundestagswahl andauern wird, ist wirklich keine Besserung in Sicht. (Mit Material von dts)