Corona und die US-Präsidentschaft: Das Virus als Wahlhelfer der Linken?

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Beide infiziert: Donald und Melania Trump (über dts Nachrichtenagentur)

Das Corona-Virus als Wahlhelfer? Zwar überschattete die Pandemie und ihre auch in den USA gravierenden Auswirkungen bereits das gesamte Präsidentschaftswahljahr 2020 – und sorgte für eine nie dagewesene persönliche Feindseligkeit zwischen den beiden Kandidaten (sichtbar im ersten TV-Duell diese Woche) – doch dass Donald Trump nun ausgerechnet in der entscheidenden und heißen Phase des Wahlkampfs an Corona erkrankt ist, könnte definitiv wahlentscheidend sein.

Weniger zwar in dem Sinne, dass Trump als Kandidat aus gesundheitlichen Gründen ausfällt oder nicht mehr amtsfähig wäre, sondern schlicht deshalb, weil ihm durch seine erzwungene Auszeit nicht nur wichtige Wahlauftritte fehlen, sondern weil er seine demonstrative Führungsstärke als unverwüstlicher Macher nicht ausspielen kann und er als plötzlich hilfloser, betagter, anfälliger Kranker in eine passive Rolle gedrängt wird, die ihm die (gerade bei seiner Anhängerschaft so geschätzte) Zurschaustellung von  Stärke bis hin zur „Arroganz der Macht“ verbietet. Diese Attribute passen – auch ganz ohne Covid – zwar besser zu seinem präsenilen demokratischen Herausforderer Biden, doch für Trump könnten sich schon wenige fehlende Stimmen als fatal erweisen.

Nur noch lächerlich freilich sind die Jubelchöre, die durch nichts begründete Schadenfreude und die Häme verzückter Linker vor allem hierzulande, die am liebsten sähen, wenn Donald Trump an Corona krepiert. Wie weit es mit mit der Menschenfreundlichkeit jener her ist, die das ganze Jahr ihre eigene Moral wie eine Monstranz vor sich hertragen, das offenbarte gestern ein abgründiges regelrechtes Panoptikum auf Twitter.

(Screenshot:Twitter)

Vor allem was Hetzerin Margarete Stokowski, „Spiegel“-Kolumnistin und Antifa-Fangirl hier vom Stapel lässt, zeigt, in welcher geistigen Tradition diese Geisterfahrer des Feuilletons in Wahrheit stehen. Beim Phantasieren über Faschismus brauchen solche hasserfüllten Witzfiguren nicht bei der AfD zu wühlen, sondern fangen am besten bei sich selber an.

Und die sogenannten „Aktionskünstler“ und Knallchargen aus dem Dunstkreis von Philipp Ruchs „Zentrum für Politische Schönheit“ fabulierten auf Twitter bereits wild über angebliche Nachrückerszenarien im Weißen Haus, die hypothetisch sogar die von „oversea leftists“ vergötterte demokratische Ikone Nancy Pelosi ins Präsidentenamt bringen könnten:

(Screenshot:Twitter)

Doch auch seriöse, echte Journalisten, die seit vier Jahren Trump-Bashing mit Hingabe betreiben, erliegen der Versuchung, in Trumps Infektion eine vermeintliche Ironie des Schicksals, eine Pointe der Vorsehung zu erblicken. So setzte Klaus Brinkbäumer, Ex-„Spiegel“-Chefredakteur und heutiger „Zeit“-Autor, im ARD-„Presseclub“ Trumps angebliche „Leugnung“ der Virusgefahr in Bezug zu seiner nunmehrigen Erkrankung – nach dem Motto „ätschibätsch“.

(Screenshot:Twitter)

Ein vollkommener Unsinn aus zwei Gründen: zum einen hat Donald Trump das Virus in der Anfangsphase der Pandemie nachweislich nicht mehr verharmlost als die deutsche Bundesregierung, die drei Wochen vor der Ausrufung der „epidemischen Notlage“ die Gefahr für die deutsche Bevölkerung als „sehr gering“ einschätzte und noch Mitte März Gerüchte als „blanke Unwahrheit“ und „Fake News“ dementieren ließ, es stünden Geschäftsschließungen und Beschränkungen des öffentlichen Lebens bevor – nur um sie drei Tage später dann, am 16. März, in sogar noch schärferer Form zu verkünden.

Zum anderen ist Trump keineswegs das einzige Staatsoberhaupt, das sich ansteckte: Englands Premier Boris Johnson, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, Russlands Ministerpräsident Michail Mischustin, Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan, ferner die Ministerpräsidenten oder Staatsoberhäupter von Albanien, Honduras und dem Kosovo hatten allesamt Corona, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ gestern zu bedenken gab; ganz zu schweigen von einer Vielzahl niederrangigerer Politiker auf Minister- oder Regionalebene.

Der Grund für die signifikante Überrepräsentierung von Staatsmännern liegt auf der Hand: Die Politik ist ein kontaktintensives Geschäft, in kaum einen Job kommt man mit sovielen Personen in Berührungen, von Personenschützern, Vertrauten, Konferenzteilnehmern, Staatsgästen, Mitarbeitern und Untergebenen bis zum Dauerkontakt mit dem großen Publikum; selbst Abstandsregeln sind hier kein Garant für Sicherheit. Auch in Deutschland waren mit Peter Altmaier und Heiko Maas gerade zwei Minister wegen Corona-Verdacht in Quarantäne, weil Leibwächter bzw. Sicherheitsbeamte in ihrem Umfeld positiv getestet worden waren.

Elektrisierte Gutmenschen

Dass also Trump es erwischt, ist kein göttliches Strafgericht – und auch wenn Karl Lauterbach, Ralf Stegner oder jedem aufrechten Gutmenschen einer flitzen geht beim Gedanken, Trump würde nun dank Corona aus dem Amt verschwinden: Er wird die Krankheit höchstwahrscheinlich ebenso überstehen wie all die anderen genannten Staatsmänner vor ihm. Deutsche Journalisten hält dies freilich nicht ab, jede Sensationsmeldung lüstern auszuschlachten: Dass Trump gestern Abend ins Walter Reed National Military Medical Center im US-Bundesstaat Maryland eingeliefert wurde (dasselbe erfuhren die Deutschen vor vier Monaten in identischen Schlagzeilen, als es Boris Johnson erwischt hatte), ob sich sein Zustand verschlechtert, welche Symptome er hat. Übrigens: Die Einlieferung in dieses Krankenhaus erfolgt vorsichtshalber prinzipiell bei jedem noch so harmlosen Gebrechen des amtierenden Präsidenten.

Die erregte Linke sollte sich lieber zweimal überlegen, ob es so clever ist, Trump zu verspotten, weil er nun ja angeblich am eigenen Leib erfahre, wie gefährlich Corona in Wahrheit ist. Wahrscheinlicher als ein schwerer Verlauf wird nämlich folgende Entwicklung sein: Trump ist nach spätestens 10-14 Tagen wieder in alter Frische zurück, und tritt fortan erst recht als Kronzeuge der Harmlosigkeit von Sars-CoV2 auf: „Seht her, ich gehöre zur Risiko-Altersgruppe und selbst bei mir war es nichts weiter als eine harmlose Grippe!“. Und wenn er dann, was zu erwarten ist, allen Beschwörungsformeln und Stoßgebeten zum Trotz wiedergewählt wird, sind die deutschen Haltungsjournalisten ein weiteres Mal blamiert. (DM)

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