Mea-Culpa-Wettbewerb bei deutschen Spaßmachern wegen „Blackfacing“

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Bernhard Hoecker (Bild: © JCS; siehe Link; CC BY 3.0.

Momentan übertreffen sich die hauptberuflichen Spaßmacher dieser Nation im Büßergewandüberstreifen und Asche-auf-das-Comedian-Haupt-schütten. Den Spaßvögeln Bernhard Hoëcker, Kaya Yanar und Anke Engelke tut es leid, so leid, dass sie in ihren früheren Shows ihre Käsegesichter schwarz angemalt und das schlimme „Blackfacing“ betrieben haben. Um Gottes willen, vergebt ihnen!

Bernhard Hoëcker, bekannt geworden durch die Pro7-Comedy-Sendung „Switch reloaded“, sowie „Multi-Kulti-Was guckst du“-Spaßmacherkollege Kaya Yanar gehen aktuell in Sack und Asche. Hoëcker, der sich für einen Wissenschaftler hält, weil er in albernen Rätselrate-Shows Dauerauftritte absolviert wie auch der, mit dem Türken-Stereotyp spielende Kaya Yanar gehen laut den Beifall klatschenden Mainstreammedien mit ihren früheren Sketchen „hart ins Gericht“. Der Grund: Hoëcker schämt sich ganz schlimm dafür, dass er sich in früheren Spaßshows schwarz geschminkt und sich somit dem Verbrechen des „Blackfacing“ schuldig gemacht hat. Auch Kaya Yanar hat diese Sünde begangen und ist nicht minder betrübt. Zugleich freut er sich wie bekloppt darüber, dass endlich darüber diskutiert werde, wie schlimm es doch ist, wenn weiße Menschen sich schwarz schminken.

Denn, wie wir alle gelernt haben: das machen böse, weiße Menschen, um arme schwarze Menschen sterotyp darzustellen und deren Hautfarbe so zu einer Verkleidung zu degradieren. Zum großen Mea-Culpa war Hoëcker in der öffentlich-rechtlichen SWR-Bespaßersendung „Warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen“ der Showreihe „Walulis Woche“ bereit und fragte selbstkritisch in die Zwangsgebühren finanzierte Kamera: „Natürlich war auch schon 2006 das Blackfacing nicht in Ordnung, deshalb ist es durchaus eine Frage, kann man sich diese Sachen von früher mit dem Wissen von heute völlig unbedarft ansehen“.

Die SWR-Inquisitoren nahmen sich in diesem Rahmen bereits Oliver Pocher, Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka oder Anke Engelke zur Brust um deren frühere hoch „problematischen Darstellungen“ abzustrafen. Das Vergehen: die Komiker begangen das Verbrechen, Figuren darzustellen, deren einziger Witz der Akzent, das Aussehen oder eben das Anderssein – also kein weißer Deutscher zu sein – war. Und das ist – wie wir ebenfalls gelernt haben – voll Nazi.

Engelke hatte vor zwei Wochen gegenüber der politisch hoch korrekten SZ so dann reumütig beteuert: „Blackfacing, Yellowfacing – einige Parodien würde ich nicht mehr machen.“ Heute würde sie diese Rollen anders angehen, immer abchecken, ob Menschen betroffen seien, die struktureller Ausgrenzung oder Rassismus ausgesetzt seien. Sie finde es gut, wenn „wir“ heute ein anderes Bewusstsein haben. Auch die beiden Vollproll mimenden Klamaukbrüder Erkan und Stefan zeigen sich geläutert und bedauern zutiefst, das Wörtchen „schwul“ verwendet zu haben.

Bei so viel Einsicht, bei so viel Bedauern sollten wir den Hoëckers und Engelkes, den Stefan und Erkans dieser Welt vergeben und uns in Grund und Boden schämen, dass wir über diese Witzgestalten einstmals gelacht haben.

Etwas anders sieht man das offentlichtlich im Facebook-Kommentarbereich der Leipziger Volkszeitung, die ebenfalls das Mea-Culpa-Gejammere thematisierte:

„Ich finde man sollte nicht immer alles gleich so Schwarz sehen…“

„Die Themenbreite hat sich für Komiker, Satiriker und Kabarettisten in wenigen Jahren sehr verkleinert. Es bedurfte nur einen kleinen Zeitraum, um ein einst freies und demokratisches Deutschland in eine Meinungseinöde zu verwandeln. Ich kenne es noch aus einer fast vergessener Zeit, als man nur hinter vorgehaltener Hand das sagen konnte was man nicht sagen durfte. In eine solche Zeit begeben wir uns nun freiwillig wieder. Und kein Journalist hat in Zukunft mehr das Recht zu fragen „wie konnte es soweit kommen?“ Weil sie die Mittäter sind.

Das traurige an der Sache ist, dass es die Künstler selber sind, welche sich einem Maulkorb verpassen (müssen). Immer schön dem links/grünen Medien-Mainstream angepasst. Kein Aufbegehren, keine Rebellion, nur Angst vor der medialen Hinrichtung.“

„So so, man distanziert sich. Das erinnert mich an meine Zeit beim Kabarett in Leipzig. Da saß die Abnahmekommission im Parkett und bestimmte, was man sagen darf und was nicht. Die Partei bestimmte die Linie. Davon sind wir heute weit entfernt. Jetzt bestimmen die Systemtreuen Medien, was noch opportun ist. Das ist viel schlimmer, denn nun werden alle Menschen des Landes in die Denkschablone einbezogen. Ein ganzes Volk hat gefälligst einer Meinung zu sein. Sonst droht die Nazi-Keule. Wo sind wir eigentlich gelandet?“

„Der unwitzige Lappen biegt sich wie alle anderen wie ein Grashalm im Wind“ (SB)

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