Die „Welt“ & „Fridays For Future“: Lieber Herr Poschardt …

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Lieber Herr Poschardt - Post von Erdinger; Foto: © jouwatch Collage
Lieber Herr Poschardt - Post von Erdinger; Foto: © jouwatch Collage

In meinem E-Mail Postfach findet sich eine enorme Anzahl von Newslettern. Unmöglich, sie alle zu lesen. Auf dem folgenden bin ich aber ausgerutscht. Er stammt von Ulf Poschardt, Chefredakteur der „Welt“. Herr Poschardt hat hier eine publikumswirksame Antwort mehr als verdient.

von Max Erdinger

Ulf Poschardt – Foto: Imago

Lieber Herr Erdinger,

es ist Freitag, und wir erleben wieder Demonstrationen der „Fridays for Future“-Bewegung in ganz Deutschland. Die Kinder und Jugendlichen dort werfen – wie halbkomplex, pathetisch und sentimentalistisch auch immer – Fragen auf, die sie mit ihrer Hartnäckigkeit in die politischen Diskurse massieren. Sie unterlaufen den adipösen Way of Life der Wohlstandsgesellschaften. Das kann man übergriffig und nervend finden. Oder als Inspiration nutzen, um sich jene Fragen zu stellen, die weder Kirche noch säkulare Heilsbringer zuletzt beantwortet haben: Machen Fleischberge auf dem Grill glücklich? Ist es schön, täglich eine Stunde im Stau zu stehen? Muss man jede Woche in einer anderen Stadt seinen Instagram-Espresso trinken? Die Fragen sind die richtigen – über die Wege zu einer klimafreundlichen Welt müssen wir als mündige Bürger in einem offenen Diskurs streiten.

Max Erdinger – Foto: Studio

Lieber Herr Poschardt,

es ist Mittwoch, und wir durchstöbern unser E-Mail Postfach. Die Infantilen verwechseln die Stellen, an denen sie massiert werden, mit einem politischen Diskurs. Sie unterlaufen die Bedeutung des Wortes „Monolog“. Das finde ich ganz schön dumm und nervig. Dennoch nutze ich den Sachverhalt als Inspiration, um ihnen jene Fragen zu stellen, auf die Sie vermutlich keine ehrliche Antwort haben.

1. Glauben Sie, daß Fleischberge auf dem Grill jedermann glücklich machen müssen, oder könnte man die Fleischberge kommentarlos denen überlassen, die selbst wissen, ob sie davon glücklich werden?
2. Ist es schön, täglich eine Stunde lang in den öffentlichen Verkehrsmitteln Angst vor Messerangriffen und ähnlichem zu haben?
3. Ist es noch schöner, mit Leuten auf engstem Raum zusammengepfercht zu sein, mit denen man nichts zu tun haben will?
4. Soll ich Ihnen ernsthaft abnehmen, daß Sie wissen, welche Fragen die richtigen sind?
5. Können 80 Mio. Deutsche bei einer Weltpopulation von über 7 Milliarden „die Menschen“  eine „klimafreundliche Welt“ schaffen oder was auch immer damit genau gemeint sein soll?
6. Ist das deutsche Erschaffen einer „klimafreundlichen Welt“ etwas wesentlich anderes als hypermoralistische Selbstbefriedigung?
7. Beweist nicht der gehorsame Untertanengeist in der gegenwärtigen „Coronakrise“, daß jenes vielbeschworene „Wir“ mehrheitlich gar nicht aus „mündigen Bürgern“ besteht?
8. Der offene Diskurs: Gibt es einen oder ist der bloß Wunschdenken?
9. Haben Sie schon einmal daran gedacht, daß die „diskursbeherrschende“ Linke an allem möglichen interessiert ist – und daß ein „offener Diskurs“ das letzte ist, woran sie interessiert sein könnte?
10. Hat Facebook schon einmal ohne Angabe von Gründen Ihre Seite deaktiviert, um als nächstes um Ihr Verständnis dafür zu bitten, daß man seuchenbedingt die Kapazitäten nicht hat, die unbegründete Entscheidung noch einmal zu überprüfen?

Mit grillierenden Superdiskursgrüßen aus dem lieben Umweltklima

Max Erdinger

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