Ahnungslos, aber entschlossen: Der Wahnsinn der deutschen Corona-Politik

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Kristallkugelpolitik; Foto: © jouwatch Collage
Kristallkugelpolitik; Foto: © jouwatch Collage

Was der Chefinfektiologe am Universitätsklinikum Köln, Gerd Fätkenheuer, der von 2013 bis Ende 2019 auch noch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie war, im Interview mit der „Welt“ zum politischen Umgang mit Corona verlautbart, haut dem Fass den Boden raus. Denn es bestätigt sich einmal wieder: Selbst ausgewiesene Experten ihres Fachs tappen in einem Ausmaß im Dunkeln, das jeden Laien beunruhigen muss. Praktisch keine einzige der verhängten Maßnahmen – seien sie wieder aufgehoben oder aktuell noch/wieder in Kraft – lässt sich wissenschaftlich begründen, doch der Staat maßt sich an, über uns verfügen zu können.

Die Corona-Politik als einziger Blindflug; statt fundierten Erkenntnissen und (durch Studien oder in-vito evidenzbasiert gewonnenen) Forschungsresultaten nichts als spekulative und prognostische Ansätze; experimentell und aufs Geratewohl verhängte Maßnahmen; ohne Ansehen möglicher Nebenwirkungen, Kollateralschaden und Negativeffekte beschlossene Verbote, Lockdowns und Verhaltenszwänge: Mit dem Totschlagargument, dies sei schließlich „ein neues Virus“, wurde alte Unfreiheit wiederbelebt.

Zu Recht wird gelegentlich kritisiert, niemand könne schließlich genau sagen, was zu tun sei – und so wie bei einer Fußballweltmeisterschaft 80 Millionen „Bundestrainer“ zu wissen glauben, was zu tun sei, so gäbe es heute unzählige Hobby-Virologen, die „keine Ahnung“ hätten. Das mag wohl stimmen – doch mit einem wesentlichen Unterschied: Beim Fußball existieren erwiesenermaßen echte Experten, die Sachverstand haben – und die haben normalerweise auch das Sagen. Diese 2020er-„Pandemie“ jedoch zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sogar die Experten selbst erschreckend wenig Ahnung haben. Sie sind nicht einmal Einäugige unter Blinden, sondern selbst Vollblinde. Niemand würde ihnen dies angesichts einer historischen Präzedenzlage, bei einer wirklich „nie dagewesen Lage“ zum Vorwurf machen – vorausgesetzt, es handelte sich wirklich um ein historisches Novum (was mehr als zweifelhaft ist), und ebenso vorausgesetzt, die deutsche Krisenpolitik rechtfertigte nicht seit nunmehr sechs Monaten ihre fragwürdigen Entscheidungen mit Empfehlungen eben dieser nicht minder ahnungslosen Spezialisten.

In westlichen, demokratisch verfassten Rechtsstaaten gilt grundsätzlich eine Art „Prinzip der legalistischen Minimalintervention“: Was nicht ausdrücklich durch Verbote ausgeschlossen wird, gilt prinzipiell als erlaubt. Das Gegenteil sind totalitäre Regimes, in denen im Zweifel alles so lange verboten bleibt, wie es nicht ausdrücklich gestattet wird. In freiheitlichen System kann daher jede Einschränkung des Erlaubten nur wohlplausibilisiert, auf Grundlage zwingend begründbarer Notwendigkeiten erfolgen. Bei Corona wurde dieser Grundsatz erstmals verlassen – zwar noch nicht in dem Sinne, dass totale Generalverbote griffen, wohl aber, dass ohne jede auch nur hinreichende Fundierung Maßnahmen in Kraft gesetzt wurden, deren Effekt zumindest hochzweifelhaft ist.

Voodoo-Politik der Corona-Hexenmeister

Statt eine alchimistische, an die Zeit der Hexenverfolgung erinnernde Unwissenschaftlichkeit und abergläubische Voodoo-Politik von Grund auf zu hinterfragen, fügen sich nicht nur die apolitischen Untertanen, sondern erstaunlicherweise auch die aufgeklärten Eliten, die Intelligenzija und Intellektuellen dem autoritär-ordnungspolitischen Primat und tun, was immer ihnen geheißen wird. Das „sapere aude“ – das Wagnis der Aufklärung als Waffe gegen die Angst – versagt dort, wo Angst erneut zur Grundlage der Politik gemacht und vorsätzlich geschürt wird.

Wie diese Angstmacherei abläuft, erleben wir derzeit wieder tagtäglich, einem offensichtlich vorgefassten Muster folgend: Zuerst wurde vor sechs Wochen mit der allmählichen Massenausweitung der Tests begonnen. Entsprechend dem WHO-Procedere, nur Infektionen, nicht jedoch Symptomträger oder evidente Krankheitsfälle zur Grundlage der Risikobewertung des Infektionsgeschehens zu machen, werden seitdem nur noch Neuinfektionen in absoluten Zahlen öffentlich vermeldet – obwohl diese nichts über die reale Ausbreitung sagen, sondern nur über das Maß des Monitorings. Und nach diesen willkürlichen Kriterien gehen dann die „Ampeln“ an.

Nicht einmal scheinbar seriöse Medien können sich diesem Propagandatrick entziehen: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ titelte heute über die aktuellen, beim Robert-Koch-Institut (RKI) stets kumuliert eingehenden Meldeergebnisse reißerisch: „Höchster Wert seit April – Der Stand der Neuinfektionen erreicht einen weiteren Höhepunkt.“ Grundlage dieser Schlagzeile war die Tatsache, dass mehr als 2.500 Corona-Tests laut RKI positiv ausfielen. Zudem sei „die Reproduktionszahl gestiegen„. In einem Facebook-Post rückte ein ob dieser Darstellungen fassungsloser Nutzer die nüchternen, realen Sachverhalte wie folgt zurecht: „Erstens: Es werden 4mal so viel Tests gemacht wie in der zitierten Vergleichswoche. Zweitens: Der Positivtestanteil ist in etwa gleich hoch wie im April 2020. Drittens: Der R-Wert ist zwar ‚gestiegen‘, liegt aber immer noch unter 1 (!). Viertens: Die Krankenhäuser sind leer. Nur ca. 164 positiv auf Corona getestete Patienten werden invasiv beatmet (d.h. nur in jedem 7. Krankenhaus mit Intensivstation), sogar 2 weniger als am Vortag. Wir wissen überdies nicht, ob sie wegen Corona intensivmedizinisch betreut werden, oder aufgrund anderer Erkrankungen. Fünftens: Die Zahlen der an oder mit Corona Gestorbenen sind auf niedrigem Niveau und schwanken zwischen 5-15 pro Tag – bei durchschnittlich ca. 2.500-3.000 Toten täglich insgesamt.

Derselbe User präsentiert anschließend noch einen gelungenen bildhaften Vergleich zur Corona-Strategie der deutschen Politik: „Ich pflücke 1 Eimer Kirschen, eine Kirsche pro 100 ist faul. Ich pflücke 4 Eimer Kirschen. ich habe 4 faule Kirschen. Wir haben also 4 Optionen: (1) Man kann die faule Kirsche akzeptieren, (2) den Kirschbaum mit Insektizit behandeln, (3) den Baum fällen, (4) oder gleich die Streuobstwiese niederbrennen. Die Bundesregierung würde gerne die Option 2 wählen, dazu fehlt aber noch der Wirkstoff, also schwankt man zwischen Optionen 3-4).“ Was hier, neben der absolut stimmigen Kernaussage des Posts, wieder einmal Rätsel aufgibt, ist vor allem folgendes: Wieso liest man solche wohlberechtigten, drängenden Einwände und Hinterfragungen nicht aus der Feder unserer Journalisten, die doch eigentlich „unbequeme Wächter“ und „vierte Gewalt“ sein sollten – sondern muss sich von diesen zusätzlich verwirren und verunsichern lassen?

Ahnungslosigkeit – Hilflosigkeit – Machtopportunismus

„Niemand weiß irgendetwas Genaues, aber unsere Gegenmaßnahmen dürfen nicht in Frage gestellt werden“ – so scheint die staatliche Devise in dieser sogenannten Pandemie zu lauten. Es ist ein Dreiklang aus Ahnungslosigkeit, Hilflosigkeit und machttaktischem Opportunismus zur egoistischen Ausnutzung der Lage, der die Situation zementiert hat, in der wir heute  sind und in die wir immer weiter hineinrutschen. Nach dem Motto: „Wir wissen nichts, deshalb müssen wir alles tun“ wird ein Aktionismus gepusht, der für immer mehr Bürger und vor allem die Hilflosesten der Gesellschaft – Kleinkinder und Schüler – in die Katastrophe münden wird.

Was Gerd Fätkenheuer hier zum Besten gibt – als einer, der sozusagen den Peak des Spezialwissens, den bestmöglichen Sachverstand repräsentiert – lässt sich als glatter Offenbarungseid aller gesundheitspolitischen Interventionsmaßnahmen dieser Krise zusammenfassen. Komprimiert wiedergegeben bekennt er praktisch dies: Masken helfen nicht, deshalb müssen wir Masken tragen. Und: „Von den allermeisten Vorschriften und Empfehlungen, die wir erlebt haben und noch erleben, ist nur der geringste Teil wissenschaftlich belegbar, wie wir das sonst fordern. Das ist einfach nicht möglich in einer Pandemie.“ Also ist der Begriff „Pandemie“ neuerdings eine Chiffre für die Aushebung von Logik, Heuristik und politischer Besonnenheit?

Unfreiwillig artikuliert Fätkenheuer damit genau die axiomatische Fehlpolung einer Corona-Politik, die  Eventualitäten verabsolutiert, kein abgestuftes Risikomanagement mehr kennt und alle Eintrittswahrscheinlichkeiten unter den Teppich kehrt. Hätte man die Regeln, nach denen bei uns seit März Politik betrieben wird, in irgendeinem Jahr vor 2020 zur Grundlage von Wachsamkeit und staatlicher Fürsorge gemacht, dann hätten wir seit Menschengedenken Maske tragen müssen, hätten „AHA“ seit jeher verinnerlichen und in perpetuierter Panik leben müssen. Denn es gab und wird niemals je eine Infektion, eine Krankheit oder Gebrechen geben, das gänzlich heilbar ist. JEDE Erkrankung kennt schwere Verlaufsfälle und weist in Ausnahmen potentiell tödliche Ausreißer auf. Menschen werden weiterhin mit 100 Prozent Sicherheit sterben – so wie sie es vor Corona immer schon getan haben. Dass sie es diesmal nicht einmal statistisch häufiger tun, ist nur der letzte argumentative Sargnagel gegen eine „Pandemie“, die nie eine war.

Illusion der totalen Risikoeliminerung

Wenn also sogar Verfechter und Einpeitscher des Ausnahmezustands einräumen, dass der medizinische Nutzen aller Maßnahmen fragwürdig ist; wenn Lockdowns rückwirkend für nutzlos erklärt werden, nur dass dieselben Politiker wenige Tage erneut mit deren Neuauflage drohen; wenn das Prinzip „Spekulation statt Gewissheit“ triumphiert: Dann weiß man, hier haben Augenmaß und Ratio ausgedient. Entlarvenderweise räumt Infektiologe Fätkenheuer selbst ein: „Vieles entzieht sich unserer Kenntnis. Ich würde es so formulieren: Wir sollten jetzt alles tun, um einen Anstieg zu verhindern, denn es besteht die ernsthafte Gefahr, dass die Situation unkontrollierbar wird. Ob das jetzt noch ausreicht oder ob es schon zu spät ist, wird sich erst hinterher zeigen. Aber allein, dass das Risiko besteht, ist Grund genug, es zu versuchen.

Nach dieser Logik hätte die Menschheit seit der Steinzeit nie ihre Höhlen verlassen dürfen. Denn was immer je gewagt und riskiert wurde: Es bestand stets die ernsthafte Gefahr, dass die Situation „unkontrollierbar wird“. Die Frage ist immer, wieviel Lebensrisiko zum Leben gehören darf. Beim Autofahren kam bislang niemand auf die Idee, es solange zu verbieten, wie es weiterhin irgendwo noch Verkehrstote gibt. Hier ist die Güterabwägung zwischen Risiko und Freiheit (im Sinne von Mobilität) eindeutig beantwortet… so wie sie bisher auch bei allen erdenklichen Gesundheitsrisiken und Krankheiten beantwortet war. Nur bei Corona muss der „worst case“ für potentiell jeden herhalten, einen Zivilisationsbruch zu begründen. Nochmals Fätkenheuer: „Eine Quantifizierung des Risikos kann ich Ihnen nicht geben. (…) Man kann sagen: Wenn die Maßnahmen eingehalten werden, ist das vertretbar. Es ist natürlich immer eine individuelle Abwägung. Wie ängstlich bin ich? Wer hundertprozentigen Schutz will, der dürfte seine Wohnung nicht mehr verlassen. Wem aber andere Dinge im Leben wichtig sind, der muss eine Abwägung treffen.“

Das Problem hierbei: Es ist nicht mehr der Einzelne, der diese Abwägung trifft – sondern der Staat. Das Gegenteil der flächendeckenden Zwangspolitik wäre die Freiwilligkeit, doch genau wird hier nicht zugestanden – weder bei der Maske noch bei Kontaktregeln. Der Staat entscheidet auf Basis eines repressiven „Infektionsschutzgesetzes“, was für uns richtig und falsch sein soll – und zwar zum Nachteil der Freiheit, der Lebensqualität, der seelischen und sozialen Gesundheit seiner Bürger. (DM)

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