„Frauenfeindlichkeit“: Tichy und das Pudelrudel

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Der Publizist Roland Tichy - Foto: Imago

Roland Tichy gibt den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab. Er stellt sich einfach nicht mehr zu Wiederwahl. Sein Verzicht auf eine erneute Kandidatur wird weithin wohlwollend kommentiert. Die Gründe für das Wohlwollen sind, gelinde ausgedrückt, etwas dämlich.

von Max Erdinger

Als „lila Pudel“ werden in der Männerrechtsszene solche Männer bezeichnet, die recht servil um die tonangebenden Feministinnen herumschwarwenzeln, ihnen artig nach dem Munde reden und sich dabei der Macht des Faktisch beugen. Fakt ist: Noch nie waren Frauen so heftig dabei, ein ganzes Land ins Chaos zu stürzen, wie allerweil. Frauenquote, Frauenparkplatz, Frauentaxi, Frauendings und Frauenbums – die ganze Republik ist über dem permanenten Frauenschnack in eine komatöse Denkstarre verfallen. Wer die Zustände im Lande Merkel mit dem Geschlecht der Desaströsen zusammenbringt, gilt als Frauenfeind. Daß er mit vielen seiner Einwände und Anmerkungen rechthaben könnte, ist denkunmöglich geworden. Der Segensreichtum des Weiblichen bei der Regelung öffentlicher Angelegenheiten ist ein sehr starkes, zivilreligiöses Dogma geworden, das nicht mehr in Frage gestellt werden darf. Tatsächlich ist jedoch jemand, der auf den Stumpfsinn hinweist, welcher einer Pauschalisierung á la „die Frauen“ hinweist, der wahre Frauenfreund. Der wahre Frauenfreund liebt Frauen nicht dafür, daß sie Frauen sind, so wenig, wie er den Himmel dafür liebt, daß er blau ist, sondern er liebt bestimmte Frauen für das, was sie ganz persönlich jeweils sind. Er liebt sie in ihrer jeweiligen Subjektivität, weil er für das Objektive ohnehin selber zuständig ist. Von Frauen generell das gleiche Maß an Objektivität zu erwarten wie von Männern, wird ihren Eigenarten in den seltensten Fällen gerecht, ist also eine Ungerechtigkeit den meisten Frauen gegenüber. Ganze Bücher ließen sich zu diesem Thema schreiben. Im Rahmen eines Artikels vielleicht nur so viel: Der Umgang mit den „die Frauen“ heute führt zwingend zu der Unterstellung, daß alle früheren Generationen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein totale Ignoranten gewesen sein müssen. Das Dumme daran: Das ist nicht sehr wahrscheinlich.

„Frauenfeind“ Tichy

Allerweil ist Roland Tichy dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit ausgesetzt. Daß Roland Tichy Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung ist, könnte eine Tatsache sein, die vielen Lesern seines Blogs „Tichys Einblick“ bisher verborgen geblieben war. Anlaß für den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit an Roland Tichy war aber ein Artikel in der gedruckten Monatsausgabe von „Tichys Einblick“. Seither gilt der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung vielen Frauen und auch „lila Pudeln“ als nicht länger mehr tragbar. Roland Tichy redet aber im allgemeinen keinen Stuß, sondern er denkt, bevor er schreibt. Was er in jenem Artikel geschrieben hatte, wurd dennoch nicht etwa diskutiert, sondern es wurde abqualifiziert. Als „Frauenfeindlichkeit“ eben. Er hatte Sawsan Chebli kritisiert. Die Berliner Staatssekretärin und passionierte Twitter-Userin mit palästinensischem Hintergrund im Vordergrund sorgt mit ihren permanenenten Tweets zu allem und jedem seit langem für große Heiterkeit in den sozialen Netzwerken. Sie bringt ihren Subjektivismus mit den drolligsten Formulierungen zum Ausdruck.

Tichy hatte sich also über Sawsan Chebli ausgelassen und sieht sich nun dem unhaltbaren Vorwurf ausgeliefert, er habe das nicht wegen Frau Cheblis Äußerungen getan, sondern deswegen, weil es sich bei der Berliner Twitterfreundin um eine Frau handelt. Das ist kein Wunder. Jeder deutsche Mann in Tichys Alter hat mitbekommen, wie jener „der Feminismus“ als Ideologie, die von den Dümmsten noch mit „positiv“ konnotiert werden kann, seit den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dazu geführt hat, daß heute sogar die bescheuertsten Schreckschrauben der Meinung sind, sie hätten endlich etwas zu melden. Wo früher noch Hirn und Ausbildung Voraussetzung gewesen sind, reicht heute bisweilen allein der Hinweis auf den Besitz einer Vagina, um für qualifiziert gehalten zu werden.

Das von den Grünen so vehement befürwortete Paritätsgesetz für Parlamente, wo die Hälfte der Abgeordneten über ein ganz bestimmtes Geschlechtsteil zu verfügen hätte, läßt vermuten, daß Grüne das Gehirn von Frauen zwischen deren beiden großen Zehen vermuten. Mein Reden: Der wahre Frauenfeind ist grün. Und Frauenfreund, der meinereiner von Kindesbeinen an geblieben ist, fällt ihm das natürlich unangenehm auf.

Aber was hatte Roland Tichy eigentlich über Sawsan Chebli geschrieben? Über den SPD-internen Konkurrenzkampf Cheblis gegen den Regierenden Bürgermeister Müller hatte Tichy sinngemäß behauptet, außer dem G-Punkt gebe es nicht viele andere Punkte, die für Chebli sprächen. Auf jeden Fall hat er wortwörtlich „G-Punkt“ gesagt. Und was ist das? – Nein, nicht der G-Punkt. Sondern Sexismus, Chauvinismus, gottverdammter Drecks-Geschlechterrassismus, das Allerletzte. Unter aller Sau. Das ist es, was es ist, wenn jemand Sawsan Chebli mit dem „G-Punkt“ zusammen in einen Satz zwingt. Gegen ihren Willen. Fast schon eine Vergewaltigung, sozusagen. Die unvermeidliche Folge: Zielstrebige Personen jedweden Geschlechts müssen sich nun publikumswirksam und möglichst weit vom „G-Punkt“ distanzieren, weil der Distanzierungsweltmeister nämlich am weitesten kommt in der Bundesrepublik Femistan.

Die Distanzierten

Friedrich Merz kommentierte die Entscheidung Tichys, ab Ende Oktober nicht länger mehr Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung zu sein, via Twitter: „Die einzig richtige Entscheidung“. Dorothee Bär(CSU), Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, trat wegen Cheblis G-Punkt gleich ganz aus der Stiftung aus. Da sieht man einmal, welches Gewicht ein solcher G-Punkt inzwischen bekommen hat, wenn ihn der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung nur erwähnt. Tichy hätte schreiben können, daß nicht viele Punkte für Chebli statt für Müller sprächen. Aber über Frau Cheblis G-Punkt hätte er besser geschwiegen. Ansonsten gilt natürlich: Wer zuverlässig den G-Punkt bei egal welcher Frau findet, wird schnell zum heißgeliebten Frauenfreund. Wos a Hengst. „G“. <– Punkt.

Wie tief hinab in den unbewußten Folterkeller der feministischen Inquisition das unwürdige Herumgepudel wegen Sawsan Cheblis G-Punkt schon reicht, verdeutlicht die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ dem G-neigten Leser. Sie beruft sich auf den Herrn Bundesbankpräsidenten Weidmann. „In einem Schreiben an die anderen Mitglieder der Stiftung schreibt Weidmann, „als Mitglied schätze ich die Stiftung, weil sie der Fortentwicklung marktwirtschaftlichen und freiheitlich-demokratischen Denkens eine Plattform bietet. Ein Ziel, das gerade in der heutigen Zeit in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Dazu gehört aus meiner Sicht ein Debattenklima gegenseitigen Respekts, nicht nur innerhalb der Stiftung, sondern auch darüber hinaus.

Da holt man erst einmal tief Luft, weil: Daß die Erwähnung von Sawsan Chebli und dem G-Punkt in einem einzigen Satz schon ausreicht, um die „Fortentwicklung marktwirtschaftlichen und freiheitlich-demokratischen Denkens“ zu beeinträchtigen, hätte der ahnungslose Laie nun wirklich nicht für möglich gehalten. Der hätte in seiner ganzen Naivität eher die sozialistischen statt der geschlechtlichen Ideen als die ausschlaggebende Gefahr für die Fortentwicklung marktwirtschaftlichen und freiheitlich-demokratischen Denkens identifiziert. Und wie muß man sich so ein „Debattenklima des gegenseitigen Respekts“ eigentlich vorstellen? So, wie in Sawsan Cheblis Tweets? Da gäbe es wahrlich respektvollere.

Es ist doch so: Könnten Männer sich selbst schwängern und so den Fortbestand ihrer Art sichern, wäre Sawsan Chebli schon deswegen nie ein Thema geworden, weil es sie gar nicht gäbe. Umgekehrt gäbe es Roland Tichy nicht. Es scheint sich also wegen eines unverschuldeten geschlechtlichen Unterschieds zwischen den beiden alles so zugetragen zu haben mit diesem G-Punkt. Ist es nicht merkwürdig in archaisch-feminististischen Ländern, daß Frauen wie Sawsan Chebli alle Tricks aus der Mode-, Schmink- und Juwelenkiste anwenden dürfen, um recht eindrücklich ihre geschlechtliche Begehrenswürdigkeit unter Beweis zu stellen, und daß aber ein Mann, der dann an „G-Punkt“ denkt, ein rechter Sexist sein soll, ein wahrer Unhold gar? In der ach-so-„menschlichen Gesellschaft“?

Die Dogmatisierten

Wahrscheinlich ist es so, wie auch sonst in der Bundesrepublik Femistan: Wer den Kotau vor dogmatisch verfestigten und liebgewonnenen Gewißheiten nicht vollführt, wird schnell zum ungehobelten Barbaren erklärt. Die höheren Ideale werden beschworen, welche er gefährdet haben soll. Die „Fortentwicklung marktwirtschaftlichen und freiheitlich-demokratischen Denkens“ wäre dann ein recht praktisches im Zusammenhang mit dem Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung. Früher hätte man dafür einfach ein „aufgeblasen“ verwendet. Und das ist es dann eigentlich auch, was alle diejenigen sind, die sich nun distanzieren und ihre Distanzierung wortreich erklären: aufgeblasen. Mit Luft. Möge der Herr verhindern, daß jemand furzen muß.

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