Billige Fernstenliebe statt konkrete Nächstenliebe

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Armut droht - auch in Deutschland (Symbolbild:Imago/Peters)

Etliche deutsche Städte überschlagen sich gerade mit Angeboten, Sozialasylanten aus dem erfolgreich in Brand gesteckten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufzunehmen und zu versorgen.

Von Wolfgang Hübner

Begründet wird das mit humanitären Motiven. Selbst linke Atheisten entdecken ihre völlig verdorrten christlichen Wurzeln und reden von „Nächstenliebe“.

Doch wie steht es eigentlich um diese in Anspruch genommene Nächstenliebe bei genauerem Hinsehen? Stellen wir also den multimedial gepäppelten Lautsprechern der Humanität und Nächstenliebe einfach mal ein paar Fragen:

– Gibt es in euren jeweiligen Städten keine armen Rentner, die Flaschensammeln, um etwas Geld zu erlösen?

– Gibt es in euren jeweiligen Städten keine Schlangen vor den „Tafeln“, die Lebensmittel an bedürftige Mitmenschen verteilen?

– Gibt es in euren jeweiligen Städten keine Personen, die erhebliche Einbußen in der Viruskrise erleiden oder sogar ihre materielle Existenz eingebüßt haben?

– Gibt es in euren jeweiligen Städten keine Mieter, die mit ihren monatlichen Zahlungen überbelastet sind oder eine preiswertere Wohnung suchen, aber nicht finden?

– Werden in euren jeweiligen Städten keine Sparmaßnahmen an kommunalen Einrichtungen und gemeinnützigen Projekten vorgenommen oder wurden solche Einrichtungen sogar schon geschlossen?

– Gibt es in euren jeweiligen Städten keine Defizite an öffentlichen Dienstleistungen?

– Gibt es in euren jeweiligen Städten wohlhabende Bürgerinnen und Bürger, die für die nächsten fünf Jahre bereit sind, alle Kosten für neuaufgenommene Sozialasylanten zu übernehmen?

– Sind in euren jeweiligen Städten die seit 2015 ff. zugewiesenen Sozialasylanten inzwischen mehrheitlich nicht mehr von staatlichen und städtischen Transferleistungen abhängig?

Es könnten selbstverständlich noch mehr unbequeme Fragen gestellt werden. Doch wer diese acht Fragen im Verständnis einer praktischen Verantwortungsethik aufrichtig so beantworten kann, dass zu den bestehenden sozialen Belastungen durch die Aufnahme von neuen Sozialasylanten keine weiteren entstehen, der mag weiter von Humanität und Nächstenliebe reden.

Wer solche Antworten aber nicht geben kann, der sollte wenigstens ehrlich genug zum Eingeständnis sein, Fernstenliebe auf Kosten der Allgemeinheit allein zum Zwecke der egozentrischen oder politischen Profilierung zu betreiben.

Dieser Beitrag erschien zuerst hier

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