Arzt auf Lesbos: Deutschland muss Risikopatienten aufnehmen

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Foto: Von Musashi akira/Shutterstock

Die Coronakrise scheint zumindest in Deutschland überwunden zu sein, wenn sie denn jemals überhaupt da gewesen ist.

Die Bundesregierung kann sich auf jeden Fall wieder um die Kranken dieser Welt kümmern:

Der derzeit auf Lesbos behandelnde Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert hat Deutschland zur Aufnahme von bis zu 2.000 Hochrisikopatienten aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria aufgefordert: „Die Menschen müssen ausgeflogen und in Europa verteilt werden. Deutschland muss sofort beginnen und 1.000 bis 2.000 der Risikopatienten aufnehmen“, sagte Trabert dem „Mannheimer Morgen“ (Mittwochausgabe). Das könne und müsse man jetzt leisten.

Seinen Schilderungen zufolge leben die Migranten nach dem Feuer auf der Straße und in Olivenhainen: „Es leben hier auch chronisch kranke Menschen, die jetzt keine Medikamente mehr gegen den Bluthochdruck oder ihre Zuckererkrankung haben. Viele sind auch jetzt noch mal stark traumatisiert – nach dem Krieg jetzt durch den Brand zum zweiten Mal.“ Diese Menschen müssten evakuiert werden, so der Mediziner, der schon in etlichen Krisengebieten der Welt humanitäre Hilfe geleistet hat.

Auf Lesbos sei die gesundheitliche Lage derzeit extrem angespannt. Es gebe viele Kinder und Erwachsene mit Hauterkrankungen wie Krätze. Zudem werde ein Anstieg bei Durchfallerkrankungen wegen der mangelnden Trinkwasserversorgung verzeichnet.

Laut Trabert haben sich griechische Rettungskräfte aus Angst vor dem Coronavirus aus den improvisierten Lagern zurückgezogen. „Ich kann doch jetzt wegen der Infektionsgefahr nicht gar nichts machen“, so der Arzt. Dann seien die Menschen vollkommen abgeschnitten von der medizinischen Versorgung.

„Dann sterben sie an ganz anderen Erkrankungen, die man leicht hätte behandeln können.“

Dass es in Deutschland monatelang genauso dramatisch gewesen ist und viele kranke Menschen wegen Corona nicht behandelt wurden, scheint keine große  Rolle zu spielen. Aber auch für diese armen Menschen gibt es jetzt gute Nachrichten:

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kann nach eigenen Angaben im Fall steigender Covid-19-Fälle schnell weitere Behandlungskapazitäten schaffen. „Aktuell verfügen wir über eine Gesamtkapazität von rund 30.000 Beatmungsbetten. Davon sind derzeit 8.500 nicht belegt. Zudem sind wir in der Lage, innerhalb von wenigen Tagen weitere 4.000 bis 5.000 Beatmungsbetten zu aktivieren“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe). Ob das notwendig sei, könne man inzwischen recht gut an den Infektionszahlen ablesen. Gaß rief auch dazu auf, dass Patienten wieder zur Behandlung in die Krankenhäuser kommen sollen.

„Niemand muss die Sorge haben, dass er in einem Krankenhaus einer größeren Infektionsgefahr durch Corona ausgesetzt ist als anderswo.“ Die Krankenhäuser seien mit allen Schutzmaterialien gut ausgestattet – anders als zu Beginn der Pandemie. „Patienten können wirklich Vertrauen darauf haben: Die Krankenhäuser sind sichere Orte. Wir haben auch die Kapazitäten, die Patienten zeitnah zu versorgen.“ Aktuell lägen die Behandlungszahlen noch zehn bis 20 Prozent unterhalb der normalen Fallzahlen.

Deutschland kann also durchaus jede Menge kranke Migranten behandeln, was mit den deutschen Krebspatienten zum Beispiel geschieht, steht auf einem anderen Blatt.

Hoffen wir, dass es nicht zu einem Bettenkampf kommt. (Mit Material von dts)

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