UK: Fast 200.000 menschliche „Kollateralschäden“ dank Corona

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Foto:Von faboi/shutterstock

Verschobene Krebsbehandlungen, unentdeckte Herzinfarkte und andere schwere Erkrankungen, die auf Grund der endlos dauernden Corona-Epidemie unbehandelt blieben. In Großbritannien rechnet man mit fast 200.000 menschlichen „Kollateralschäden“ – das übersteigt bei Weitem die Zahl der bis heute knapp 42.000 „Covid-Toten“.

In Deutschland wurden auf Grund von Corona 50.000 Krebsoperationen verschoben – ein Aufschrei blieb aus. Zu überwältigend ist die Angst vor dem drohenden „Corona-Tod“. Die Situation im Vereinigten Königreich ist nicht minder dramatisch: Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Zeitraum von März bis Juni 173.000 weniger tödliche Erkrankungen registriert. Die Zahlen seien „beunruhigend“, meinen Gesundheitsexperten und warnen, daß infolgedessen viele Patienten gestorben seien oder langfristige Schäden davontragen können.

Hinter den nackten Zahlen stehen Einzelschicksale wie das von Kelly Smith. Die junge Mutter eines Kindes musste viel zu früh sterben, davon ist ihre Familie überzeugt.

Dreieinhalb Jahre kämpfte die 31-jährige gegen Darmkrebs. Aufgrund der Corona-Pandemie war ihre Chemotherapie für drei Monate ausgesetzt worden. Sie sei wütend über die Unterbrechung gewesen und sie habe Angst vor dem Sterben, erklärte Kelly Smith gegenüber BBC1s Panorama. Sie glaubte fest daran, daß ihr die Chemotherapie geholfen hätte.

Als die Behandlung fortgesetzt wurde, hatte sich der Krebs bereits auf Lunge, Leber und Gehirn ausgebreitet. Die junge Frau aus Cheshire hatte keine Chance mehr. Sie starb im Juni.

Ihre Eltern Mandy und Craig Russell starteten eine Petition, in der sie ein Ende der durch die Pandemie verursachten Verzögerungen bei der Krebsbehandlung fordern, die bereits von 307.000 Menschen unterschrieben wurde. „Ihre Lebenserwartung wurde drastisch verkürzt, nachdem ihre Chemotherapie als direkte Folge von Covid abgebrochen wurde“, so ihr Vater Craig.

Einem ehemaligen Soldaten, bei dem im Februar Blutkrebs diagnostiziert wurde, wurde mitgeteilt, dass er dringend eine Knochenmarktransplantation benötigen würde – seine Behandlung wurde jedoch aufgrund der Pandemie abgebrochen.

Der dreifache Vater Will McGookin aus Liverpool litt unter häufigen Nasenbluten und starken Kopfschmerzen, bevor er herausfand, dass er an MDS litt – einem Syndrom, bei dem der Körper keine gesunden Blutzellen produziert.

Ihm wurde gesagt, er brauche innerhalb von neun Monaten eine Knochenmarktransplantation, um zu verhindern, dass sie sich zu einer aggressiven Form von Leukämie entwickelt. Aber Wochen später sagten seine Ärzte die Behandlung ab – ein Krankenhausaufenthalt sei wegen Corona zu gefährlich, erklärten sie ihm.

„Ich würde meine eigene Mutter nicht aufnehmen, weil es zu gefährlich ist“, so die Erklärung des Arztes. „Ich hatte das Gefühl, meine Welt ist auf den Kopf gestellt worden. Ich war schockiert, wütend und fühlte mich wie gelähmt“, berichtet McGookin der MailOnline.

Bis Juli habe es keinen Termin für seine lebensrettende Operation gegeben. Er sei langsam in Panik geraten. Dann endlich – nach Monaten ängstlichen Wartens und hektischen Telefonaten wurde der Beginn der Behandlung für den 28. September zugesagt. „Gäbe es Covid nicht, wäre ich jetzt schon am Ende meines ersten Chemotherapie-Zyklus gewesen“, weiß der 48-Jährige.

Den 28-jährigen Sherwin Hall könnte ein aufgeschobener Scan sein Leben kosten. Zu Beginn dieses Jahres hatte der frischgebackene Vater immer wieder die Ärzte wegen starker Schmerzen in der Leiste aufgesucht. Mehrfach wurden falsche Diagnosen gestellt. Im März flehte er um eine MRT-Untersuchung, nachdem er Schwierigkeiten hatte, zu Fuß zu gehen und Wasser zu lassen. Dann kam der Lockdown und die Mediziner erklärten ihm, sein Zustand sei nicht ernst genug für eine Untersuchung. Er habe bloß eine entzündete Prostata.

Erst am 5. Juni wurde bei ihm Krebs diagnostiziert, als ein großer Tumor in seinem Becken und 30 kleine Tumoren in seiner Brust entdeckt wurden.

Sherwin Hall aus Leeds, dessen Sohn Sancho gerade mal fünf Monate alt ist, hatte bei insgesamt 16 Ärzten angefragt, um die Ursache seiner Schmerzen herauszufinden. Er befindet sich derzeit in einer Chemotherapie, wurde jedoch darauf hingewiesen, dass er innerhalb von drei Monaten sterben könnte, wenn diese nicht funktioniert.

Er sagte: „Es bricht mir das Herz, dass ich mich so sehr bemüht habe, mein Leben zu retten. „Ich habe gebettelt und gebettelt und Ärzte gebeten, mir einen Scan zu geben, aber sie sagten, es sei wegen Covid nicht sicher und mein Zustand sei für eine Ausnahme nicht ernst genug. Es bricht mir das herz, ich habe mich so sehr bemüht, mein Leben zu retten“, klagt der junge Mann, für den es nun zu spät sein könnte. Mit einer GoFundMe Seite  versuchen er und seine Familie nun, Geld für die immensen Kosten der privaten Behandlung zu sammeln.

Ein Arztbesuch ist in Großbritannien auf Grund der Corona-Hysterie keine Selbstverständlichkeit mehr. Derzeit findet nur die Hälfte der Termine von Angesicht zu Angesicht statt. Hausärzte setzen lieber auf telefonische Diagnose und Fernbehandlung, ohne die Kranken zu Gesicht zu bekommen. Bereits zum zweiten Mal fordert die britische Gesundheitsbehörde NHS die Ärzte auf, ihre Patienten wieder in die Praxen kommen zu lassen.

Die Corona-Todeszahlen sind wie in Deutschland in freiem Fall. Laut dem Amt für nationale Statistik (ONS) starben in der Woche bis zum 4. September insgesamt nur noch 78 Menschen an (oder mit) Covid-19.

Das einzige, was in Pandemie-Zeiten unaufhörlich steigt, ist der Alkoholkonsum.

Großbritannien ist mit einer „drohenden Suchtkrise“ konfrontiert, in der sich Millionen Menschen dem Alkohol zuwenden, um mit der Pandemie fertig zu werden, warnt das britische Royal College of Psychiatrists. Die Zahl der „Hochrisiko-Trinker“ habe sich seit Februar auf fast 8,5 Millionen verdoppelt, so die Experten. Geldsorgen, Homeoffice, Kinderbetreuung und die emotionalen Auswirkungen der restriktiven Corona-Maßnahmen seien der Grund, warum immer Menschen zur Flasche greifen, heißt es in ihrem Bericht. (MS)

 

 

 

 

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