Söder will uns alle retten – und fordert „Demut“

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Markus Söder auf Merkels Thron; Foto: © jouwatch Collage
Markus Söder auf dem Eisernen Corona-Thron; Foto: © jouwatch Collage

CSU-Chef und Bayern-Ministerpräsident scheint inzwischen völlig die Bodenhaftung zu verlieren: Zunehmend gefällt er sich in der Rolle eines „Lord Protectors“, eines Volkskommissars für Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Wie ein Oberhirte, der seine verstörten, unmündigen Lämmer vor Schaden und Krankheit bewahren will, maßt er sich an, Verhaltensregeln, Verbote und Schutzmaßnahmen selbstherrlich zu verfügen. Corona liefert ihm den Vorwand, diesen Größenwahn auf die Spitze zu treiben.

Vergangene Woche waren ihm die Bußgelder für Maskenverweigerer nicht hoch genug; er hätte lieber flächendeckend 250 oder gar 500 Euro für „Regelbrecher“ verhängt. Erbarmungslos ließ er die Einschulungen zum neuen Schuljahr, zur allseitigen Traumatisierung der ABC-Schützen, streng bewacht unter Maskenzwang stattfinden. Bei den Zwangstestungen für Reiserückkehrer positionierte er sich gegen den – allerdings nicht minder autoritären – Gegenvorschlag von CDU-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, auf präventive Quarantänen zu setzen, und will weiter auf Teufel komm raus testen.

Ausgerechnet Söders Hardliner-Administration zeichnet sich dabei allerdings durch eine bemerkenswerte Stümperei aus: Vor einem Monat erst gerieten zuerst seine Gesundheitsministerin Melanie Huml, dann der Ministerpräsident selbst in die Schusslinie, nachdem rund 1000 positiv Getestete nicht informiert wurden und unregistriert abtauchten – ein peinlicher Lapsus, der allerdings gänzlich ohne Folgen aufs Infektionsgeschehen blieb, womit Söders unfreiwillig den Beweis erbrachte, dass von den „Positiven“, als „Neuinfizierte“ stigmatisierten Fällen eben KEINE allgemeine Ansteckungsgefahr ausgeht.

Ein „Virus“ namens Söder

Dieselbe Panne wiederholte sich gerade aktuell in einer ganz anderen Dimension: Heute wurde bekannt, dass von einer erneuten Testpanne bei Söders Gesundheitsbehörden diesmal sogar ganze 10.000 Infizierte betroffen sind. Man kannn Gift darauf nehmen, dass auch diesmal wieder NICHTS passieren wird – und sich der gesamte Maßnahmenfuror erneut als sinnfrei erweisen wird.

Söder wird auch dann nicht kritisch reflektieren – sondern weiterwursteln in seiner selbstauferlegten Mission, die Deutschen vor einem scheinbaren Gesundheitsrisiko zu retten, das seit der Schwarzen Pest keinen Vergleich kennt – auch praktisch keiner daran stirbt, wenn die Krankenhäuser und Intensivbetten leer sind und niemand irgendwelche Kranken sieht. Die Sprüche, die Söder wie kaum ein anderer deutscher Politiker zur Untermalung der künstlichen Krise bemüht, könnten theatralischer nicht sein: „Ein bisschen mehr Demut würde uns allen wirklich helfen.“ Unklar bleibt, was er meint: Demut ihm persönlich gegenüber oder gegenüber einem Virus?

Wieso, fragt man sich, eigentlich nur Corona? Es gibt noch soviel andere – und weit gefährlichere Krankheiten. Süffisant machte Söders Parteikollegin Erika Steinbach auf diesen unwiderlegbaren Umstand aufmerksam und wies per Tweet auf die Relationen hin:

(Screenshot:Twitter)

Zu den neuen Grausamkeiten, die der gestrenge Herr Söder in seinem Profilierungswahn seinen Schutzbefohlenen und Untertanen auferlegen möchte, gehören neuerdings neben Urlaubs- auch Freizeitaktivitäten: „Wir sollten uns nicht nur fragen, was unser Maximalvergnügen ist, sondern welchen Beitrag wir leisten können, um uns und andere zu schützen„, so Söder. Was, mit Verlaub, nimmt sich dieser Mann eigentlich heraus?

Gönnerhaft kündigt er zwar an, die Weihnachtsmärkte „trotz der Corona-Pandemie mit Auflagen zu erlauben“ – denn dort hätte man ja „noch Zeit, die wir für eine gute Planung nutzen können„. Zwar müsse man „auf manchen Feuerzangenbowlestand, der eher an Après-Ski-Veranstaltungen in Ischgl erinnert„, dieses Jahr „sicher verzichten.“ Doch teilweise könnte es schon klappen – wobei Söders Vorstellungen mehr mit militärischen Aufmarschplänen als mit entspannten christlichen Volksfesten zu tun hat. Die Rede ist von einheitlichen Laufwegen mit Ein- und Ausgang, und womöglich sogar Tests für Zutrittsberechtigungen, Fiebermessen und Vereinzelungsmaßnahmen. Dann mal fröhliche Adventszeit.

Zuvor hatte Söder sich auch schon in die Fussball-Diskussion eingeklinkt und Hoffnungen der Fans zunichte gemacht, dass zumindest einzelne Länder oder Vereine eine Rückkehr zur Normalität wagen könnten (so wie analog Anfang Mai bei den „Lockerungen“, gegen die sich Söder zunächst auch mit Händen und Füßen gestemmt hatte). So pocht er für die Fußball- Bundesliga auf einheitliche Regelungen: „Die Liga muss selbst überlegen, ob sie jetzt tatsächlich einen Flickenteppich will. Das führt zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung unter den Vereinen, wenn nur an bestimmten Spielorten einheimische Fans ins Stadion dürfen“.

Freizeit nur mit Regierungssegen

Schließlich habe man, so der Bayer, in der Schalte der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin „doch ein gutes Verfahren vereinbart“ – zumindest bis Ende Oktober. Diese sei „im Sport besonders wichtig“. Denn – hier spricht der Münchner Panikpriester vermutlich dem Pandemie-Neurotiker Lauterbach aus der Seele – die eigentliche Herausforderung in der Corona-Pandemie stelle sich erst im Herbst und Winter, „wenn Erkältungen und eine Grippewelle hinzukommen.“ Welche Grippewelle? Dass diese erstaunlicherweise seit sechs Monaten weltweit ausbleibt, bringt Söder aufschlussreicherweise nicht auf den Gedanken, dass hier womöglich eine Fehlzuordnung eines normalen Infektionsauftretens hin zu Corona gegeben sein könnte.

„Die große Gefahr ist immer der exponentielle Sprung und die Unkontrollierbarkeit des Geschehens“, warnt er und bemüht wieder das Schreckgespenst der im Ausland soviel schlimmeren Zustände (eine Masche, mit der im Prinzip vom ersten Tag an die Corona-Hysterie in Deutschland mangels katastrophaler oder auch nur besorgniserregender Bilder hierzulande angefacht wurde): In Spanien oder Frankreich sei das Infektionsgeschehen „kaum mehr nachvollziehbar„, es könne „außer Kontrolle geraten“ – und wenn es „mit einer Grippewelle zusammentrifft“ (die es voraussichtlich nicht mehr geben wird, siehe oben), drohe eine „Corona-Schockwelle, die das Gesundheitssystem enorm belasten würde.“

Geht es noch bombastischer? Deshalb, so Söder, sei ein „konsequentes und langfristiges Corona-Management notwendig“. Heißt: Er als Schutzpatron will die absolute Kontrolle, was für die Menschen richtig und wichtig ist. „Wir müssen die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen – auch mit harten Bußgeldern.“ Man darf gespannt sein, wie lange zuerst der Rest Deutschlands, dann irgendwann auch die Bayern – die diesen Mann ernsthaft als Kanzler-Hoffnung betrachten – diesen geradezu abnormen Irrweg noch mitgehen und Söder (wie auch Merkel) noch ihre unerklärlich hohen Umfragwerte bescheren werden. (DM)

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