Gute Bullen, böse Bullen: „Rassistische Schläger“ werden zu „Heroen der Demokratie“

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Gute Polizei - schlechte Polizei; Foto: © jouwatch Collage
Gute Polizei - schlechte Polizei (Foto:©jouwatch-Collage)

Erstaunlich, wie schnell es die deutsche Polizei von der Müllhalde auf den Walhall der demokratischen Heldenverehrung geschafft hat: Zum eifrig gestrickten Mythos von der „friedlichen Auflösung der Proteste wegen reihenweisen Verstößen gegen die Abstandsregeln“ kommt jetzt noch die Mär von der todesmutige Reichstags-Verteidigung gegen den Ansturm gewalttätiger Demokratiefeinde hinzu.

Wochenlang werden Routineeinsätze gegen Flüchtlinge, Ausländer und Schwarze als „rassistische Polizeigewalt“ hochgejazzt. Doch jetzt auf einmal, wo es tatsächlich erstmals zu realer, überschießender – und wohldokumentierter! – Polizeigewalt kam, allerdings gegen friedliche, weiße Kartoffeldeutsche – da wird kein böses Wort darüber verloren, im Gegenteil. Stattdessen werden Belobigungen über die Polizei ausgeschüttet – ein reputativer Judaslohn dafür, endlich einmal die Erwartungen des Coronastaates erfüllt zu haben.

Wenn es nämlich um die eigene Haut geht und die Begegnung mit „Wutbürgern“ zur Konfrontation mit den unliebsamen Schattenseiten der Demokratie gerät, dann sind plötzlich auch die antiautoritärsten und anarchistischsten Linken heilfroh über die Anwesenheit derselben Polizei, die sie ansonsten mit Freuden diffamieren und kaputtsparen. Genauso wie „taz„-Dreckschleuder Hengameh Yaghoobifarah keine Woche nach ihrer Hetzkolumne („All cops are berufsunfähig„) gegen deutsche Polizisten selbst um Polizeischutz winselte, kaum dass es zu ersten Drohungen gegen sie gekommen war, so wissen es auch die Hohen Herren der Exekutive und Legislative durchaus zu schätzen, wenn jetzt ausgerechnet die strukturell rassistische, von „rechtsextremen Netzwerken“ durchsetzte Polizei eine letzte Verteidigungslinie zwischen Musterdemokraten im Reichstag und dem „Pöbel“ davor bildet. Denn noch ist der Graben um den Reichstag – im Gegensatz zu dem, der durch die Köpfe und das Volk verläuft – noch nicht fertiggestellt.

(Screenshot:Twitter)

Speziell der scheinbare Aufreger auf den Reichstagstreppen, auf den sich jetzt die mediale Alleinrezeption der gesamten Demonstration von Samstag konzentriert, war an Lachhaftigkeit nicht mehr zu überbieten: Den Helden-Spartianern in der Schlacht bei den Thermopylen gleich (man denke an den Film „300“) sollen hier, so die Legendenbildung, drei todesmutige Polizisten alleine das Hauptportal des Reichstagsgebäudes, sinnfälligerweise direkt unterhalb der Inschrift „Dem Deutschen Volke“, von den Stufen herab, gegen die Reichsbürger- und Nazihorden gehalten haben.

Die Geschichte hat allerdings gleich mehrere Schönheitsfehler, was ihren eigentlichen Wahrheitsgehalt auf Radio-Eriwan-Niveau reduziert: So war es eine zerstreute, reichlich unorganisierte Gruppe von wenigen Dutzend Protestlern, die in Richtung Haupttreppe rannten, doch selbst von diesen scheinen nur wenige angekommen zu sein; die Videos, auf denen die maximal aufgeregten und angespannten drei Beamten beim wilden Gestikulieren und „luftkaratesken“ Bewegungen zu sehen sind, um die „Stürmer“ abzuhalten, zeigt weder militante Demonstranten noch gewaltsame Versuche des Eindringens. Der einzige der einem der Polizisten versucht näherzukommen, brüllt fortwährend, er sei Journalist und versuche, einen Platz zum besseren Überblick zu ergattern. Kurzum: Ein „Sturm auf den Reichstag“ sähe anders aus – was auch Memes im Netz gestern spöttisch aufgriffen:

(Screenshot:Netzfund)

Mehr noch: Zwar waren vereinzelte Kaiserreich-Flaggen zu erkennen, noch deutlicher allerdings eine Türkei-Flagge und auch das US-Sternenbanner. Hatten hier also nicht nur Reichsbürger, sondern auch Erdogan und womöglich Donald Trump die Finger im Spiel? Das würde das bunt-neudeutschen Heldenepos der unerschrockenen Polizei als Bollwerk der Demokratie nochmals erhöhen.

Zur inszenierten Propaganda gehört es natürlich, dass die Hüter von Demokratie, Grundrechten und Freiheit (die sich mit Hingabe der Einschränkung von Demokratie, Grundrechten und Freiheit im Namen des Infektionsschutzes widmen) den neuen Helden des Vaterlandes danken: So empfing Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die drei angeblichen „Reichstags-Verteidiger“ heute; „Bild“ schwurbelte sich eine Eloge auf ihren Einsatz als „Bollwerk“ ab, und durchgeknallte FDP-Politiker fordern für sie das Bundesverdienstkreuz.

Das können sie sich dann ans Revers heften, wenn sie sich demnächst wieder – ebenfalls im Auftrag ihres Dienstherren Andreas Geisel – in der Rigaer Straße oder am Cottbusser Tor (dann natürlich wieder weisungsgemäß widerstandslos!) verkloppen oder mit Steinen bewerfen lassen dürfen. Oder wenn sie bei ihren Dienstvorgesetzten wegen angeblicher „Diskriminierungs“-Vorwürfe zum Rapport antanzen müssen, weil sie einen schwarzen Drogendealer, nicht aber die weiße Rentnerin mit Rollator direkt daneben kontrolliert haben. (DM)

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