„Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“: Wie sie sich in der Ibiza-Affäre herausreden wollen

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Selbsterklärend - Foto: Collage

„Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ wehren sich gegen den Vorwurf, sie hätten in der Ibiza-Affäre um den ehemaligen österreichischen Vizekanzler H.C. Strache und den Clubobmann der FPÖ, Johann Gudenus, manipulativ berichtet. Den Zahn können sie sich ziehen lassen. Ein Nachtrag.

von Max Erdinger

Über den skandalösen Umgang mit der Wahrheit bei „SZ“ und „Spiegel“ hatten wir gestern hier berichtet. Sowohl die „Süddeutsche Zeitung“ als auch der „Spiegel“ wehren sich nun gegen den Vorwurf, sie hätten bei der Veröffentlichung des Ibiza-Videos unterschlagen, daß Strache es abgelehnt hatte, sich für irgendwelche illegalen Deals zu verwenden. Tatsächlich hatten „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ am Rande erwähnt, daß Strache sich nicht korrumpieren lassen wollte. Das reicht aber nicht.

Die staatsanwaltschaftlichen Abschriften der neu geleakten fünf Minuten des illegal produzierten – und von der SZ sowie dem „Spiegel“ dennoch veröffentlichten Videos – beweisen, daß sich H.C. Strache nicht nur mit einer flapsigen Nebenbemerkung gegen illegale Machenschaften gesträubt hatte, sondern mehrmals, ausführlich und mit großer Entschiedenheit. Auch die Aussicht auf 270 Mio. Euro konnten das nicht ändern. Strache blieb standhaft. Das wäre die Quintessenz aus der Sichtung des Videomaterials gewesen, nicht, daß sich Strache und Gudenus mit der vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen getroffen hatten, um sich über deren „Investitionsprobleme“ zu unterhalten. Politiker aller möglichen Parteien in allen möglichen Ländern unterhalten sich ständig mit irgendwelchen Lobbyisten über deren Interessen. Das ist also nicht ungewöhnlich.

Es geht um den sog. „Spin“, den „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ ihrer Berichterstattung verpaßt hatten, um überhaupt mit einer Sensationsmeldung herauskommen zu können, die dann zum Sturz von Strache und Gudenus, sowie zum Bruch der österreichischen Regierungskoalition von ÖVP und FPÖ geführt hatte. Diesen „Spin“ verpassten die beiden linksliberalen Mainstreamblätter ihrem „Narrativ“ mit voller Absicht, wohlwissend, daß er durch die Faktenlage nicht gedeckt ist. In anderen Zusammenhängen spricht man statt von einem „Spin“ von „Framing“. Beide Begriffe beschreiben perfide Manipulationstechniken. Natürlich kann man über den Ausgang eines Wettlaufs zwischen zwei Sportlern schreiben, daß der Sieger Vorletzter wurde, während der Verlierer einen hervorragenden zweiten Platz belegte, ohne deswegen direkt gelogen zu haben. Man hätte der Berichterstattung nur einen gewissen Spin gegeben. Man hätte paradoxerweise gelogen ohne zu lügen. Genau darum geht es in der Berichterstattung von „Süddeutscher Zeitung“ und „Spiegel“: Um die Kreation eines Eindrucks beim Leser, obwohl er durch die zu nennenden Fakten nicht zu halten gewesen wäre.

Selbst als der Stein, den die beiden Blätter ins Rollen gebracht hatten, eine Richtung nahm, die der reinen Faktenlage nicht mehr angemessen gewesen war, unternahmen „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ nichts, um noch einmal explizit darauf hinzuweisen, wie sehr sich Strache gegen seine Vereinnahmung für die Interessen der vermeintlichen Oligarchennichte gesträubt hatte, etwa mit dem Hinweis, ihre eigene Berichterstattung habe diesen Umstand nicht ausreichend gewürdigt. Stattdessen ließen sie den Stein ungerührt weiterrollen, ganz so, als seien sie nach ihrer Veröffentlichung aus der Sache draußen und alle Folgen gingen auf das Konto anderer Beteiligter. Schließlich rollte der Stein ja durchaus in die gewünschte Richtung. Das geschah wohl in dem Wissen darum, daß man sich, käme es hart auf hart, noch immer damit herausreden kann, man habe am Rande darauf hingewiesen, daß Strache nichts Strafbares tun wollte. Dabei wäre das nicht Rand- sondern Hauptsache gewesen. Eine Sensations-Geschichte wäre es allerdings nicht mehr gewesen.

Der Psychomanipulation überführt: „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“

Juristisch mag es ausreichen, über Straches Standhaftigkeit im Angesichte der Versuchung mehr beiläufig berichtet zu haben. Jeder ist nur für das verantwortlich, was er selbst sagt oder schreibt, nie für das, was jemand aus dem Gesagten oder dem Geschriebenen herausliest. So könnten natürlich auch „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ argumentieren, wenn auch nicht lange. Es ist nämlich sehr leicht nachzuweisen, daß man sich dort ansonsten jederzeit Gedanken darum macht, wie das Geschriebene vom Leser aufgefaßt werden könnte, z.B. dann, wenn man darauf verzichtet, die Herkunft eines Straftäters zu erwähnen, um „keine Vorurteile bei der Leserschaft“ zu schüren. Der Gedanke, daß man nicht nur für das verantwortlich sein könnte, was man selbst schreibt, sondern auch für das, was der Leser dann versteht, ist gerade in solchen Postillen wie der „Süddeutschen Zeitung“ und dem „Spiegel“ populär.

Meinereiner würde einer solchen Auffassung vehement widersprechen. Ich bin nur verantwortlich für das, was ich schreibe, nicht für das, was jemand versteht. Erwiesenermaßen sieht man das jedoch sowohl bei der „SZ“ als auch beim „Spiegel“ anders. Das ist auch der Grund, weshalb man sich bei den beiden Aktivistenpostillen eben nicht darauf herausreden kann, man habe doch geschrieben, daß Strache der Versuchung widerstanden hat. Wenn es richtig sein soll, bei seiner Berichterstattung darauf zu achten, was der Leser evtl. verstehen könnte, obwohl man es so gar nicht geschrieben hätte, dann wird man sich wohl kaum aussuchen dürfen, wann man dieser Überzeugung folgen will und wann nicht. Richtig scheint zu sein, daß man sowohl bei der „SZ“ als auch beim „Spiegel“ einen Eindruck kreieren wollte, von dem man jederzeit wusste, daß er so nicht stimmt. Gerade im Journalismus gelten da noch einmal verschärfte Regeln im Gegensatz zu Privatgesprächen. Auch eine halbe Wahrheit ist eine Lüge.

Birk Meinhardt – Wie ich meine Zeitung verlor – Kopp Verlag – 15,00 Euro

„Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel“ sind unter diesen Gesichtspunkten beileibe nicht die einzigen Sünderlein. Permanentes „Framing“ ist regelrecht zur wahren Seuche in Virusland geworden. Man denke nur einmal an die Anstrengungen zurück, welche die ARD unternommen hat, um per „Framing“ an den Punkt zu kommen, an dem der Bürger das Wort „Zwangsgebühr“ mit „Demokratieabgabe“ übersetzt. Aber auch aktuell staunt man nur noch Bauklötze darüber, wie leicht sich der Bundesbürger per „Framing“ in die Informationswüste schicken läßt und wie blatt- und senderübergreifend das funktioniert. In jener „Pandemie“, von der ohne die Medien kein Mensch überhaupt etwas bemerkt hätte, wird ganz bewußt mit Begriffen hantiert, die genau überhaupt keine Aussage beinhalten, sondern lediglich im Kopf des Adressaten eine entstehen lassen. Da ist von „gestiegenen Coronazahlen“ die Rede, von „Fallzahlen“, „Neuinfektionen“ und „Tests“, ohne daß irgendeinem dieser Begriffe auch nur der Hauch informativer Relevanz anhaften würde. Wer von „Coronazahlen“ daherschwadroniert, der könnte genauso gut von „Wetterzahlen“ oder von „Blutwurstzahlen“ reden. „Fallzahlen“ – was für Fälle? Testfälle, Infektionsfälle, Erkrankungsfälle, Sterbefälle … – welche Fälle soll das Wort „Fallzahlen“ beschreiben? „Neuinfektionen“: Das sind nicht neue Infektionen, sondern Infektionen, die mit einem sehr zweifelhaften Test neu festgestellt worden sind. Statt über „Neuinfektionen“ müsste man, wenn überhaupt, ehrlicherweise über „Neufeststellungen“ schreiben und anfügen, daß die Zahl der Neufeststellungen von der Ausweitung der Testtätigkeit (mit einem untauglichen Test) abhängt. Stattdessen: Gehirnwäsche per Hohlphrase so weit das Auge reicht.

Es ist deshalb verfehlt, zuerst die politische Klasse für katastrophale gesellschaftliche Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen, obwohl die natürlich offiziell die Verantwortung dafür trägt. Das politische Agendasetting erfolgt in den Medien. Was dort zu lesen ist, bestimmt dann die öffentliche Meinung. Der wiederum hat die politische Klasse zu folgen. Schließlich entstammen ihr die Kandidaten, die vom Wähler entlang seiner Ansichten gewählt werden müssen. Chefredakteure und Intendanten muß niemand wählen. Die setzen die Agenda einfach als gänzlich Ungewählte. Und zunehmend haben sie das in den vergangenen Jahrzehnte entlang ihrer je persönlichen Präferenzen getan. Daß die sich durch die Bank einigermaßen ähnlich sind, spricht schon für sich. Stichwort „Gleichschaltung“. Ein Wort, das neben „Lügenpresse “ und „Lückenpresse“ seine Renaissance erlebt.

Die wahre Gefahr für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit kommt nicht zuvörderst von der Regierungsbank, sondern von einer sog. vierten Gewalt, die längst zur vierten Gewaltlosigkeit mutiert ist und sich „scheinpazifistisch“ der Gewalt jener bedient, die sie offiziell zu haben hätten, ohne sie wirklich noch zu haben. Die vierte Gewaltlosigkeit treibt den ehemaligen Volksvertreter quasi nach Belieben vor sich her. Die „Tagesschau“ ist nicht des Bürgers Freund, sondern sein schlimmster Feind. Und das gilt beileibe nicht nur für ARD und ZDF, sondern eben auch für Erzeugnisse wie die „Süddeutsche Zeitung“, den „Spiegel“, die „FAZ“, die „Zeit“ und so viele andere „Qualitätsmedien“ mehr. Das sind Indoktrinationsvereinigungen, keine Sendeanstalten und Verlagshäuser mehr.

Wer die Demokratie hierzulande, respektive das, was von ihr noch übrig ist, retten will, der kapriziert sich zuerst auf die vierte Gewaltlosigkeit – und danach erst auf die politische Klasse. „Hau wech die Scheiße!“, wie Rötger Feldmann („Brösel“), seinen „Werner“ sagen lassen würde. Feldmann ist dieses Jahr 70 geworden, also wahrlich ein Kind unserer von Ideologen inzwischen schwer verstümmelten Bundesrepublik. Die ist inzwischen so häßlich wie zuletzt die DDR. Das war auch eine deutsche und demokratische Republik.

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