Märchen aus 1001 Nacht: Afghane mit Spitzenabitur, der typische Flüchtling

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Fachkräfte auf dem Weg in die Arbeitslosigkeit nach "Gerrmanni" Symbolbild:Shutterstock/Crawford)

Eine neue wundersame Geschichte wie aus „Aladins Wunderlampe“: Ein Afghane, der vor fünf Jahren nach Deutschland kam und damals „noch kein Wort Deutsch“ sprach, hat ein Abitur mit dem Traumschnitt von 0,8 geschafft. Dies sind die Einzelfälle, die deutsche (Durch-)Haltungsmedien gerne zur Regel erklären. Die bittere Realität der Integration sind freilich anders aus.

Man kann von Journalisten sicher nicht verlangen, dass sie etwa die Zahl der Spitzenabiturienten oder auch nur die der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge, die es hier zu einem Schulabschluss brachten, in Bezug zur Zahl der aus derselben Personengruppe verübten Sexual- und Gewaltverbrechen, Drogendelikte und Terrorakte setzt, um ein differenzierteres Bild der Migrationsproblematik zu zeichnen. Dass sie allerdings einen absoluten Ausnahmefall hervorhebt, der entweder von einem Wunderkind handelt oder einiges über die dramatisch gesunkenen Standards des deutschen Bildungssystems verrät, um daran den Segen der Zuwanderungsbereicherung zu verdeutlichen – das entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Ein näherer Blick auf den Topabiturienten Nesar Ahmad Aliyar, dem angeblich „die Abschiebung drohte“ (wie zehntausenden illegalen, aber doch geduldeten abgelehnten Asylbewerbern, die nie abgeschoben werden?), macht stutzig: Das von „Focus“ veröffentliche Bild nährt die üblichen Zweifel am Alter. Wenn dieser Abiturient 18 sein soll, ist Angela Merkel ein Teenager. Das Gesäusel, das er den relotierenden Redakteuren in die Kamera diktiert, um deren eigene Stereotype zu bedienen, ist wohlbekannt: „Mit seinen Leistungen möchte der gebürtige Afghane gegen Vorurteile kämpfen… trotz des Erfolgs sagt Nesar: ‚Manchmal weiß ich nicht, was Deutschland von uns Migranten eigentlich will.'“

So berichtete „Focus“ über den Abiturienten aus NRW (Screenshot:Focus)

Wenn diese Frage ernst gemeint sein sollte, dann ist der Junge doch nicht so clever, wie sein Abischnitt vermuten lässt. Kein Deutscher hat ein Problem mit integrationswilligen, leistungsstarken und ehrgeizigen Menschen (selbst wenn sie als Flüchtlinge und damit eigentlich ja nur temporär Schutzsuchende herkommen, obwohl sie eigentlich in ihrem Heimatland dringend gebraucht würden – zumal geistige Alphatiere wie eben jener Nesar Ahmad Aliyar). Das Problem liegt darin, dass diese die absolute Ausnahme sind. Ein Blick in die Hartz-IV-Statistiken zeigt, dass 43 Prozent aller hier lebenden Afghanen von Stütze leben. In den Kriminalstatistiken stellen sie in den der großen Ballungsräumen hinter Türken und Syrern die häufigste Ethnie bei Straftätern und Tatverdächtigen. Zudem speisen sich große Teile fundamentalistischer Islamisten und Salafisten aus eben den Landsleuten von Nesar. Hier findet er die Antwort auf die Frage, wieso die Diskrepanz zwischen „Traum und Trauma“ („Focus“) von Deutschen so ganz anders beantwortet wird, als er es sich vielleicht vorstellt.

Wie es real um die Situation der Integration im Bildungssystem und vor allem am Arbeitsmarkt in Deutschland steht, führte die Woche die „Welt“ in ihrer Rezeption einer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) präsentierten Studie, die die Situation von 8000 in die Bundesrepublik „geflohenen“ Personen untersuchte. Dass die Forscher ein insgesamt „positives Fazit“ ziehen, relativiert sich angesichts gewichtiger gegenteiliger Indikatoren, die auf „dauerhafte Probleme“ hindeuten; vor allem zerstört die Corona-Krise die „erzielten Fortschritte“.

Fakt ist, dass mehr als die Hälfte der Flüchtlinge in Deutschland keine Arbeit hat – und unter den „arbeitenden“ sind etliche Geringfügige, Azubis, Teilnehmer an Fortbildungs- und Schuldungsprogrammen und Aufstocker. Frauen bleiben deutlich häufiger erwerbslos als Männer. Schon der IAB-Bericht hatte betont, dass das besonders für Frauen mit Kleinkindern gilt, was auch an fehlender externer Betreuung liegt, so die „Welt“. Frustration ist vorprogrammiert.

Desaster in Job und Ausbildung

Oft fehlt es an Grundbildung, Abschlüssen, nötigen Sprachkenntnissen und beruflicher Qualifikation. Viele Firmen haben aus diesem Grund ihre Ausbildungsprogramme für Flüchtlinge trotz riesiger staatlicher Zuschüsse eingestellt. Wenn die Neu-Migranten seit 2015 arbeiten, dann zumeist „in Branchen, die viele Arbeitskräfte entlassen haben“ – vor allem Zeitarbeit und die Gastronomie. Und dort hat die Pandemiekrise viele kalt erwischt.

Insgesamt bestätigt die Situation das Bild von der überwiegenden Elends- und Armutsmigration nach Deuschland, statt fundierter und qualifizierter Einwanderungspolitik. Wäre die Aufnahme von Flüchtlingen nur „humanitäre“ Pflicht und diente nicht einer bevölkerungspolitischen Agenda, könnte uns dieses Problem herzlich egal sein. Doch weil es sich um Menschen handelt, die ja „gekommen sind um zu bleiben“, ist ein unverstellter Blick auf die Potentiale und Perspektiven der Neubürger gefragt. Und Fakt ist: Da ist ein 0,8-Abiturient eine geradezu astronomische Ausnahmeerscheinung. (DM)

 

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