Die Kirchenglocken müssen weg – Vertrotteltes aus Ösi-Land von Gerald Grosz

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„Ding, Dong. Ein zart besaitetes Seelchen, ein Sensibelchen, dessen heilige Nachtruhe, der unruhige Schlaf des vermeintlich Gerechten, ausgerechnet durch Kirchenglocken gestört wird. Nein, nicht der Straßenverkehr in der zweitgrößten Stadt Österreichs reißt ihn aus seinen feuchten Träumen, auch nicht die lautstarke Nachtgastronomie oder johlende Passanten, auch nicht der Flug- oder Bahnlärm. Regelrecht gezwungen, an den Haaren hat man den vertrottelten Berufsquerulanten in eine Stadtwohnung ausgerechnet nahe einer Kirche gezerrt, ihn regelrecht genötigt, sich dort sesshaft zu machen, dort zu leben, dort zu schlafen. Den Kirchenturm hat er übersehen, der arme Mensch, von den himmlischen Glocken, seit Jahrhunderten am selben Standort, wurde er ausgerechnet nächtens überrascht. Wie jene Idioten unserer Tage, die neben einer Kuhweide bauen und sich über die störenden Kuhglocken empören. Oder jene Esel, die ihre Keusche günstig neben einer Autobahn errichten und sich über den PKW-Lärm alterieren. Oder jene Narren, die auf die Almen kraxeln und sich wundern, dass dort Tiere sind. Und was macht er nun, der geistige Schlafwandler im innerstädtischen Bereich? Er startet eine schwindsüchtige Petition, führt als moderner Ritter von der traurigen Agnostikergestalt den Krieg gegen die Kirchenglocken. Dem streitbaren Deppen ins Stammbuch geschrieben: Wenn Sie sich von Kirchenglocken gestört fühlen, ziehen Sie niemals in die Nähe einer solchen. Wenn Sie lärmempfindlich sind, wohnen Sie doch um Himmels Willen nicht in einer Stadt. Wenn Sie die jahrtausendealte christliche Kultur unserer Breiten als störend empfinden, fliegen Sie einfach nach Teheran oder nach Islamabad. Da haben Sie keine Glocken, aber dafür andere Sitten und eine Muezzin. Aber bitte mit einem One way ticket, ich zahl‘s Ihnen.
Wenn Sie vor Gottes Anlitz bei der Verteilung von Hirn ausgerechnet in der letzten Reihe standen, gehen Sie frei nach Herrn Monopoly in die Psychiatrie, begeben Sie sich direkt dorthin. Gehen Sie nicht über Los! Ziehen Sie sich eine Zwangsjacke an. Da läuten zwar auch die Glocken, aber Sie schweigen gottlob! Und das ist gut so! Ding, Dong!“

(Quelle)

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