Journalist deckt auf: Insiderbericht zum Gesinnungsdruck in deutschen Redaktionen

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Es ist ein kleines, unscheinbares Taschenbuch, das nur 144 Seiten zählt – aber die haben es in sich! Sein Autor: Birk Meinhardt, 1959 in Ost-Berlin geboren und in der DDR für die Zeitungen Wochenpost und Junge Welt als Sportjournalist tätig.

Nach der Wiedervereinigung arbeitete er zunächst für den Berliner Tagesspiegel, bevor er 1996 zur Süddeutschen Zeitung wechselte, für die er als Reporter und Kolumnist tätig war. Gleich zweimal erhielt Meinhardt den renommierten Egon-Erwin-Kisch-Preis. Seit 2012 widmet sich der frühere Journalist ganz der Literatur. In seinem jetzt veröffentlichten Buch Wie ich meine Zeitung verlor – ein Jahrebuch, das – wie der Titel bereits erahnen lässt – autobiographische Züge aufweist, rechnet Meinhardt knallhart mit dem Gesinnungsjournalismus ab, den er nicht nur in der DDR, sondern nach der Wiedervereinigung auch bei der Süddeutschen Zeitung erleben musste.

Der Autor liefert mit seinem Buch einen seltenen Insiderbericht, der zur Gewissheit werden lässt, was kritische Zeitgenossen schon seit langem vermuten: Mainstream-Medien wie die Süddeutsche Zeitung (Spottname »Alpen-Prawda«) sehen sich nicht einer objektiven und ausgewogenen Berichterstattung verpflichtet, sondern verfolgen einen klaren Erziehungsauftrag mit dem Ziel, ihre Leser (bzw. Zuschauer) im Namen einer selbstgerechten, realitätsblinden Hypermoral auf »Linie« zu bringen. Das bekommen auch Journalisten wie Meinhardt zu spüren, die sich nicht verbiegen lassen wollen, sondern den Anspruch haben, die Wirklichkeit mit allen ihren Facetten ungeschminkt abzubilden – also die Menschen zu informieren und nicht zu manipulieren.

Ihre Beiträge werden der Zensur unterworfen, die in den Redaktionsstuben des wiedervereinigten Deutschlands oftmals subtiler erfolgt, als das in der untergegangenen DDR der Fall war, wie der Autor in seinem Buch anschaulich beschreibt: Was er zunächst nur als kleinere Verstörungen seiner täglichen Arbeit wahrnimmt, artet im Laufe der Zeit immer mehr in Bevormundung durch Ressortleiter und Chefredakteure aus. Es wird reglementiert, gestrichen und abgekanzelt. Ab 2004 weigern sich die Verantwortlichen der Süddeutschen dann wiederholt, Beiträge von Meinhardt ins Blatt zu nehmen, weil sie angeblich die »falschen Signale aussenden« würden, was die »Rechten« für ihre Zwecke nutzen könnten. Drei der inkriminierten Artikel – es handelt sich um Reportagen – sind im Buch in voller Länge abgedruckt, was es dem Leser anschaulich ermöglicht, sich selbst ein Urteil über deren Inhalt zu bilden. Angesichts dieser Erfahrungen fühlt sich der Autor an seine Zeit als Jungjournalist in der DDR erinnert. Damals wurde er von seinen Vorgesetzten genötigt, kritische Beiträge umzuschreiben, damit sie nicht dem »Klassenfeind« im Westen zupass kamen. Im wiedervereinigten, angeblich freiheitlichen Deutschland erlebt Meinhardt ein unerwartetes Déjà-vu – dem er am Ende nicht durch Anpassung an die vorgegebene Redaktionslinie, sondern durch die Kündigung seiner gut dotierten Stelle bei der Süddeutschen Rechnung trägt!

Meinhardt sieht einen schleichenden Paradigmenwechsel bei »seiner« Zeitung hin zu einem Journalismus des »ständigen Weglassens und Hervorhebens«, was er u. a. an der Berichterstattung über die tödliche Messerattacke auf einen Deutsch-Kubaner in Chemnitz im August 2018 durch einen mittlerweile rechtskräftig verurteilten Syrer und die anschließenden Demonstrationen einschließlich der erfundenen »Hetzjagden« auf Ausländer festmacht. Und er beschreibt, wie die manipulative, politisch-korrekte Darstellung von Ereignissen in den Medien die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die Menschen beeinflussen kann, wenn ihnen systematisch bestimmte Narrative eingetrichtert werden.

Für Meinhardt ist klar, dass der durchgängige und keineswegs nur auf die Süddeutsche Zeitung beschränkte »Haltungsjournalismus« entscheidenden Anteil an der seit Jahren zu beobachtenden Polarisierung unserer Gesellschaft hat. Und am wachsenden Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber den Medien, das sich in der immer häufiger artikulierten Parole »Lügenpresse« manifestiert. Einer der Schlüsselsätze des Buches lautet:

»Der Journalismus trägt meines Erachtens eine Riesenschuld an der Verhärtung der Fronten, die er selber beklagt. Er bringt sie maßgeblich mit hervor und er beklagt sich danach.«

Wie ich meine Zeitung verlor ist ein spannendes Buch »über das, was falsch läuft im Journalismus«, so Knut Cordsen vom Bayerischen Rundfunk.

Meinhardt redet Klartext, bleibt dabei aber stets sachlich und fair. Im Gegensatz zu vielen anderen Ex-DDR-Bürgern ist der Autor kein »Jammerossie« und kein »Wendeverlierer«, sondern ein Vollblutjournalist, der im wiedervereinigten Deutschland angekommen ist und hier große Erfolge feiert.

Genau das macht seinen Erfahrungsbericht so authentisch, aber eben auch erschreckend, denn der Konformitäts- und Gesinnungsdruck, der heutzutage in deutschen Redaktion auf die Journalisten ausgeübt wird, erinnert zunehmend an die gelenkte Presse in der untergegangenen DDR.

Eine gefährliche Entwicklung, wie Meinhardt an seinem individuellen, aber sicherlich nicht einzigartigen Fall schonungslos offenlegt. Sein Buch leistet deshalb einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die zunehmend gefährdetete Meinungsfreiheit in Deutschland.

Prädikat: Absolut Lesenswert!

Bestellinformationen:

Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor, Paperback, 144 Seiten, 15,00 Euro – hier bestellen!

 

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