Fußball im Würgegriff der Corona-Hardliner: Leere Stadien für alle Ewigkeit?

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Fußball in Coronazeiten, (Symbolbild:Imago)

An nichts lässt sich der unbeirrbare Wille der Regierung, die Corona-Pandemie zur großen Zäsur und historischen Zeitenwende zu machen, deutlicher ablesen als an der Bereitschaft, den Deutschen ihr liebstes Hobby und einen ihrer populärsten Freizeitinhalte auch weiterhin (und auf unbestimmte Zeit) vorzuenthalten: Profifußball vor vollbesetzten Stadien soll es wegen Corona auch weiterhin nicht geben.

Es war natürlich wieder einmal Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der jeglichen Hoffnungen die frühzeitigen Dämpfer verpasste und am Dienstag erklärte: „Ich bezweifle, dass wir im August weitere Lockerungen beschließen können. Daher bin ich auch als Fußballfan sehr skeptisch zum Start der Bundesliga.“ Der „Fussballfan“, der so selbst signalisiert Opfer zu bringen, will also weiterhin Geisterspiele propagieren – während er „Stadien mit 25.000 Zuschauern für sehr schwer vorstellbar“ hält, wie Söder laut „Sport1“ sagte.

Bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hingegen will man sich nicht festlegen – und sieht die Entscheidung über eine Stadion-Rückkehr von Zuschauern bei Bundesligaspielen weiterhin bei der Politik. „Auch die neue Spielzeit wird weiterhin unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stehen“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Dienstag nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Klubs der 1. und 2. Bundesliga. Deswegen werde man weiter mit einem Hygienekonzept arbeiten, mit dem das Infektionsrisiko minimiert werden soll.
In der letzten Saison habe man bereits „positive Erfahrungen“ gemacht. Für die neue Saison wolle man einige Anpassungen vornehmen, die man mit den zuständigen Ministerien abstimmen werde. Grundsätzlich seien aus der Politik noch Ende Juni und Anfang Juli „positive Signale“ für die Rückkehr von Zuschauern gekommen, so der Manager laut“ dts Nachrichtenagentur“.

Dubiose Zahlenspielereien

Auch Seifert wagt es nicht, den dubiosen Zahlenspielen zur „Entwicklung der Infektionszahlen“ nach offizieller Lesart zu widersprechen – die zwar in Wahrheit völlig unauffällig sind, da der durch immer mehr Tests ermittelte Positiv-Anteil in der Bevölkerung proportional gleich bleibt, während von Politik und Medien nur die absoluten Zahlen gemeldet und so diffuse Panik geschürt wird. Da die Zeichen auf eine politisch gewollte „zweite Welle“ stehen, säuselt der DFL-Chef regierungskonform: „Priorität in Deutschland haben im Moment nicht volle Stadien“. Allerdings will er den Fans nicht ganz die Hoffnung killen – und stellt in Aussicht, dass mit „gut durchdachten“ und „konsequent durchgeführten“ Konzepten die Zuschauer „irgendwann“ in die Stadien zurückkehren könnten.

Wann das allerdings sein wird, steht in den Sternen. Die Klubs einigten sich am Dienstag unter anderem darauf, dass es bis Jahresende keine Gästetickets geben soll, insofern wieder Fans in die Stadien dürfen. Zudem soll es bis mindestens Ende Oktober keine Stehplätze geben. Auch ein vorübergehendes Alkoholverbot in den Stadien wurde beschlossen. Schon vor einigen Wochen hatte die DFL den Vereinen Konzeptvorschläge für die schrittweise Rückkehr der Fans in die Stadien vorgelegt. Union Berlin hatte für Aufsehen gesorgt und angekündigt, alle Ticketinhaber testen lassen zu wollen, um ein volles Stadien zu bekommen. Andere Klubs planen mit weniger Fans, Borussia Dortmund sieht in einem Fan-Konzept beispielsweise maximal 15.000 Zuschauer vor.

Bezeichnenderweise kam Gegenwind zu diesen Vorstößen nicht von der Lauterbach-berieselten Alarmpolitik, sondern aus den Reihen der Fans – wenngleich sich dabei allerdings um offensichtlich linke, regierungsergebene Gruppierungen handelte: So zerriss das  Fan-Bündnis „Unsere Kurve“ die DFL-Pläne zur Renormalisierung und Rückkehr der Fans in die Stadien; ihr Sprecher erklärte im „RBB-Inforadio“ bezeichnenderweise: „Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regelmäßiger Stadiongänger habe, wir leben in einer Pandemie. Und die Vernunft sollte immer den Gesundheitsschutz nach vorne stellen.“ Wenn die „Fallzahlen stiegen“ und sich daraus ergebe, dass das Fußballspiel nicht zu besuchen sei, dann habe man „das zu akzeptieren“. Auch hier: keine kritische Hinterfragung er Tatsache, dass die Politik selbst es ist, die durch massive Ausweitung von Zwangstests für ansteigende „Fallzahlen“ und somit selbsterfüllende Prophezeiungen sorgt…

Selbsterfüllende Prophezeiungen

Es fällt auf, dass selbst bei einem so deutschen Leib- und Magenthema wie der Bundesliga, die zu einem gewichtigen Wirtschaftszweig geworden ist, dieselben unreflektierten Totschlagargumente gegen die Skeptiker folgen. Weder wird auf die inzwischen gesicherte Erkenntnis abgestellt, dass Massenveranstaltungen für die Ausbreitung des Virus fast vernachlässigbar waren, oder ob denn diese Corona-Übervorsicht inzwischen nicht zum Ritual geworden ist. So betet der bereits erwähnte Söder sein Mantra herunter und erklärt Rückkehr zu Stadien mit Besuchern wäre „das falsche Signal“ und darüberhinaus auch „der Bevölkerung schwer zu vermitteln“, sofern man dafür“ Unmengen von Testkapazitäten aufbrauchen würde.“ Dass Söder in seinem eigenen Bundesland schon Anfang Juli allen Bürger unbegrenzte Gratistests in Aussicht stellte und für Massentests in Betrieben und an Flughäfen keine diesbezüglichen Kapazitätsprobleme sieht, ist mehr als bezeichnend.

Doch nicht nur die CSU, auch die große Schwester bleibt auf strammem Hypervigilant-Kurs: Auch die Unionsfraktion ist klar gegen Zuschauer im Fußballstadion. „Jetzt voreilig wieder Großveranstaltungen zuzulassen, die zu Superspreader-Ereignissen werden könnten, hielte ich für falsch“, sagte der für Sport zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei am Mittwoch. „Ob in der Bundesliga kurzfristig wieder vor Publikum gespielt wird, ist nicht Deutschlands dringendste Sorge“, so Frei laut „dts“. Priorität müsse jetzt sein, Schulen mit Hygienekonzepten wieder zu öffnen und die Wirtschaft wieder zum Laufen bringen.

Die Verantwortlichen sind bekannt

Man kann nur hoffen, dass die Fans sich merken, wer ihnen hier mit halbgaren und kaum mehr rational begründbaren Radikalkuren den Spaß am Live-Fußball vergällt – und durch welche Argumente -, wenn sie nächstes Jahr zur Bundestagswahlurne schreiten.

Der ganze Wahnsinn, die Stilllegung von all den Lebensbereichen, die für viele Menschen das Dasein erst erträglich machten, geht somit weiter – solange man eben nicht irgendwann, wie auch bei anderen potentiell gefährlichen Infektionskrankheiten, vielleicht endlich zu der realistischen Einschätzung gelangt, dass auch Covid eben zu den zahlreichen Alltagsrisiken gehört, die für einen kleinen (weit geringeren als gedachten und als durch statistisch frisierte Zahlen suggerierten) Anteil der Bevölkerung durchaus gefährlich sein kann – ohne dass man deswegen das gesamte Gesellschaftsleben in einen ewigen Ausnahmezustand versetzt, mit mittlerweile unfassbaren wirtschaftlichen Folgeschäden.

Früher oder später wird man sich zwangsläufig mit Corona arrangieren müssen, oder es geht alles zum Teufel, wofür es sich zu leben – und irgendwann gar zu überleben – lohnt. (DM)

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