Wenig überraschend: Dauerdrama-Drosten will die Totalkontrolle

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´´"Doc Drosten" denkt wieder allzu laut nach (Foto:ScreenshotYoutube)

Nach dem Sommerurlaub gut erholt gleich zurück in den Panikmodus: Nach einigen Wochen irritierender medialer Abstinenz, in denen der begierig an seinen Lippen hängende deutschen Journalistentross rat- und planlos wirkte, angesichts immer ermutigender Infektionszahlen und verhaltener Erleichterung, meldet sich Deutschlands Virologenpapst aus den Ferien zurück – und verrät, welche Alternative es für die Deutschen zum zweiten Lockdown gibt: Totale, allumfassende Dauerkontrolle.

Drosten fordert eine „Strategie-Änderung für den Herbst“ – und die deckt sich frappierend mit den seit Wochen bemerkbaren, konzertierten Anstrengungen von Politik und Gesundheitsbehörden, die (absoluten!) Fallzahlen durch Ausweitung verpflichtender Tests hochzutreiben – ohne dabei den einzig aussagekräftigen relativen Anteil positiver PCR-Tests an den Gesamttests für eine seriöse Beurteilung des Infektionsgeschehens heranzuziehen. Tatsächlich bleibt diese Quote nämlich nicht nur bei rund 0,6 Prozent gleich, sie ist seit Juni sogar gesunken.

Doch etwas noch Beunruhigenderes hat der Charité-Virologe im Sinne – und diese Idee riecht nicht nur nach Totalüberwachung, sie ist es: Zur Eindämmung der „zweiten Welle“, so Drosten, müsse neben Politik und Wirtschaft auch jeder Einzelne beitragen – indem jeder Bürger in diesem Winter ein „Kontakt-Tagebuch“ führen soll. Auf gut Deutsch: Das, was die Staatssicherheit in der DDR mit einem Netzwerk von über 500.000 Bediensteten, offiziellen und inoffiziellen Informanten bis zu ihrem Zusammenbruch nicht schaffte – die umfassende Nachverfolgung aller sozialen Begegnungen und Verbindungen ihrer Bürger -, das soll der Corona-Staat durch „Freiwilligkeit“ in wenigen Wochen erreichen.

Die Bereitwilligkeit beim „Mitwirken“ der Bevölkerung wird dabei einer offenbar immer dreisteren, durchgeknallten Technokratenelite ebenso selbstverständlich vorausgesetzt wie deren Compliance beim Maskenzwang oder bei der datenschutzrechtlichen Dauerzumutung der Datenerfassung im Alltag. Mit der entsprechenden Mischung aus Zuckerbrot & Peitsche, aus Propaganda und Appellen an die solidarische Volksgemeinschaft, gepaart mit drakonischen Strafen, soll das „sich-an-Regeln-halten“ auch bei dieser informationellen Selbstaufgabe der Bürger wieder Wunder wirken.

Orwell’sche Selbstentblößung per Tagebuch

Ob bei diesen „Tagebüchern“ allerdings wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt werden kann, ist fragwürdig. Zu viele dürften zweifeln, ob deren Auswertung wirklich nicht auf die Gesundheitsbehörden beschränkt bleiben wird – oder am Ende, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, nicht doch wieder auch Sozialämtern, Finanzbehörden und vor allem Staatsanwaltschaft und Polizei aus dringlichen Gründen zugänglich gemacht werden – die dann aus erster Hand, urschriftlich bestätigt, komplette Kontakt- und Bewegungsprofile der Bürger erhalten.

Da bereits die weitaus anonymer ausgestaltete Corona-Warn-App kaum Nutzer begeistern konnte und zum Rohrkrepierer wurde, dürfte hier die Mitwirkungsbereitschaft noch geringer sein. Was wiederum bedeutet: Drosten muss Zwang ausüben – zum Beispiel, siehe oben, mit der Drohung des zweiten Lockdown und anderen „Alternativlosigkeiten“. Vogel friss oder stirb – respektive, treffender: Deutscher, mach dich gläsern oder lass dich einsperren.

Neben diesen inzwischen völlig hemmungslosen Begehrlichkeiten zur Nachverfolgung von „Infektionsketten“ soll es nach Drostens Überlegungen außerdem verstärkt darum gehen, nach sogenannten „Treibern der Epidemie“ zu suchen und Tests noch genauer auszuwerten, so der Virologe in einem Gastbeitrag für die „Zeit„: Nur so könne ein erneuter Lockdown verhindert werden – selbst dann, wenn es zu einer zweiten Welle der Corona-Pandemie in Deutschland kommen sollte.

Cluster wieder mal als Schlüsselbegriff

„Waren bisher die meisten Infektionsketten nachvollziehbar, können neue Fälle bald überall gleichzeitig auftreten, in allen Landkreisen, in allen Altersgruppen. Dann sind die personell schlecht ausgestatteten Gesundheitsämter endgültig damit überfordert, die Quarantäne jeder einzelnen Kontaktperson zu regeln.“

Es ist die Suche nach den ominösen „Clustern“, ein wie auch „Super-Spreader“ inflationär gebrauchter, schwammig-neudeutscher Oberbegriff für Gruppen, in denen sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben. Auf diese, so Drosten, müssten die Behörden ihre Kräfte konzentrieren, wenn die zweite Welle „an vielen Stellen gleichzeitig beginnt“. Dass sie beginnen und ab wann genau nicht mehr von Einzelinfektionen, sondern Clustern gesprochen werden muss, definiert er nicht weiter.

Nach Drostens Modell muss dann der einzelne positiv Getestete nicht mehr zwingend 14 Tage in Quarantäne; es reiche eine „Isolierung der Clustermitglieder von fünf Tagen“, so Drosten. Und weiter: „Zusätzlich brauchen wir eine weitere entscheidende Änderung unserer Strategie: eine Testung auf Infektiosität statt auf Infektion.“ Die Information dafür lieferten die gängigen Tests schon jetzt. „Eine niedrige Viruslast bedeutet, dass ein Patient nicht mehr ansteckend ist.“ Man müsste sich dann allerdings „zutrauen, aus den inzwischen vorliegenden wissenschaftlichen Daten eine Toleranzschwelle der Viruslast abzuleiten“, so Drosten.

Auch Grüne für Dauer-Überwachung

Amtsärzte könnten dann diejenigen sofort aus der Quarantäne entlassen, deren Viruslast bereits unter die Schwelle gesunken ist. „Die Erfahrung aus anderen Ländern lehrt uns schon jetzt, dass eine vollkommene Unterbrechung der Einzelübertragungen unmöglich ist“, schreibt Drosten. „Wir müssen also den Gesundheitsämtern in schweren Zeiten erlauben, über das Restrisiko hinwegzusehen. Sie müssen das wenige Personal dort einsetzen, wo es drauf ankommt: bei den Clustern.“

Ebenfalls für die von Drosten vorgeschlagene Totalkontrolle machen sich, natürlich, auch die Grünen stark – und wollen die Gesundheitsämter entsprechend aufrüsten. Deren Gesundheitsexpertin Kirsten Kappert-Gonther übte scharfe Kritik: „Der öffentliche Gesundheitsdienst steht am Beginn einer möglichen zweiten Welle weiter im Regen“, sagte sie laut „dts Nachrichtenagentur“.

Gesundheitsminister Jens Spahn müsse gemeinsam mit den Ländern dafür Sorge tragen, dass die Gesundheitsämter „zügig ausreichend und qualifiziertes Personal sowie eine gute technische Ausstattung erhalten“ – und dieses müsse „dauerhaft zur Verfügung stehen“, also auch weit über die Pandemie hinaus. Corona ist schließlich erst der Anfang. (DM)

 

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