Lachhafte Vergütung, Stress in den Praxen: Hausärzte laufen Sturm gegen Test-Irrsinn

0
Foto: Von Musashi akira/Shutterstock

Das inoffizielle und anscheinend unverrückbare Ziel der Corona-Politik in Deutschland, die „zweite Welle“ um jeden Preis alsbald ausrufen zu können, erklärt die massiv ausgeweiteten Testanstrengungen – denn wie bisher wird nicht der (einzig wirklich aussagekräftige) Quotient aus Zahl der Gesamttests und Positivenanteil für die Einschätzung des Infektionsgeschehen herangezogen, sondern die absolute Zahl der Neuinfektionen. Und deren „Anstieg“ lässt sich die Regierung nicht nur etliches kosten – sie macht auch die Ärzte zu Leidtragenden.

Denn die müssen vor allem für die Reiserückkehrer, die binnen drei Tagen getestet werden müssen, kurzfristige Testkapazitäten vorhalten – und dies für eine mehr als bescheidene Vergütung, ganz im Sinne des planwirtschaftlichen Gesundheitsregimes, das auch (und gerade) in der Pandemie nach bewährtem Festsatzmodell verfährt. Nun wehren sich allerdings die ersten Praxisärzte – über ihre Berufsvertretung.

So warnt der deutsche Hausärzteverband vor „erheblichem Aufwand bei der Umsetzung“, wenn nun viele Urlaubsrückkehrer mit einer 72-Stunden-Frist für Tests in die Praxen strömen. Im günstigsten Falle kriege ein Arzt Patienten noch irgendwo unter, zitiert „Focus“ den Vorsitzenden des Verbands, Ulrich Weigeldt; dann heiße es eben: „Schutzausrüstung anziehen, Abstrich nehmen und Aufklärungsgespräch über Hygienemaßnahmen, Validität der Tests und deren Konsequenz führen.“

Allerdings ist die materielle Pauschalabgeltung von 15 Euro pro Abstrich und Hausarzt nicht einmal annähend kostendeckend. Weigeldt bezeichnet sie als „schlechten Scherz“. Das Geld fließt an die Ärzte zunächst aus den Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherungen; allerdings will der Bund die Finanzierung am Ende über einen bereits beschlossenen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen übernehmen; Gesundheitsminister Jens Spahn hat dies bereits inoffiziell zugesagt. Für den eigentlichen Test im Labor sind in Spahns Verordnung – neben den mehr als lausigen 15 Euro – weitere 50,50 Euro für Laborleistungen angesetzt.

Die „zweite Welle“ hat ihren Preis

Pro Woche belaufen sich die Kosten für den Staat infolge der von ihm angeordneten Massentests auf zunächst 39 Millionen Euro – wobei nicht wenige fordern, dass die Betroffenen für ihre Tests selbst – privat – aufkommen sollen; eine Art Strafsteuer also für „leichtsinniges“ Verreisen. Spahn ist jedoch dagegen, da – so der Minister laut  „Focus“- niemand aus finanziellen Gründen darauf verzichten sollte. „Unentdeckte Infektionen könnten teurer werden.“

Das sind sie längst – und die neuerliche Einspannung von Ärzten gegen mehr als mickriges Honorar für die Tests geht zudem auch auf Kosten des normalen Praxisbetriebs – was weniger Zeit für die Patienten im medizinischen Regelbetrieb bedeutet – und damit vermehren sich erneut gesundheitliche Kollateralschäden. Doch wen juckt das noch; andere Krankheiten und Gesundheitsrisiken außer Corona/Covid gibt es bekanntlich seit März so gut wie nicht mehr – und wenn doch, dann sind sie im Zweifel wahrscheinlich bislang unbekannte Corona-Begleiterscheinungen. (DM)

Keine Zensur: Folgt uns auf Telegram