Corona-Impfstoff: Experimente an Menschen ohne Haftung für Pharmakonzerne?

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Auf dem Weg zur Schutzimpfung (Symbolfoto: Von Couperfield/Shutterstock)

Damit der Corona-Impfstoff möglichst schnell auf den milliardenschweren Markt kommt, soll offenbar die Produkthaftung für die Pharmaindustrie fallen. Damit würden die Hersteller bei Nebenwirkungen und Spätfolgen nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können. Ein bisher einmaliger Vorgang. 

Erst wenn der Covid-19-Impfstoff da ist, bekommt Ihr Eure Freiheit zurück, so das Mantra der Politik. Hinter den Kulissen fallen still und leise sämtliche Beschränkungen und Gesetze, die den Bürger bisher vor Nebenwirkungen schützten.

AstraZeneca, zweitgrößter Arzneimittelhersteller Großbritanniens, wurde bereits von den meisten Ländern, mit denen Liefervereinbarungen getroffen wurden, vor künftigen Produkthaftungsansprüchen im Zusammenhang mit seinem COVID-19-Impfstoff entbunden, erklärte ein leitender Angestellter gegenüber Reuters.

„Dies ist eine einzigartige Situation, in der wir als Unternehmen einfach kein Risiko eingehen können, wenn der Impfstoff in … vier Jahren Nebenwirkungen zeigt“, so Ruud Dobber, Mitglied des Senior Executive Teams von Astra.

„In den Verträgen, die wir abgeschlossen haben, fordern wir eine Freistellungsverpflichtung. Für die meisten Länder ist es akzeptabel, dieses Risiko auf ihren Schultern zu tragen, da es in ihrem nationalen Interesse liegt “, meint Dobber.  Für sein Unternehmen und die Aufsichtsbehörden hätten Sicherheit und Verträglichkeit selbstverständlich „oberste Priorität“.

AstraZeneca ist eines von weltweit 25 Pharmaunternehmen, die ihre experimentellen Impfstoffe an Freiwilligen testen und sich darauf vorbereiten, Millionen Menschen gegen das „Panik-Virus“ zu immunisieren. Die Frage, wer im Falle von Spätfolgen oder Nebenwirkungen zahlt, sei ein schwieriger Punkt in den Verhandlungen.

Welche Länder in diesen „Deal“ eingewilligt haben, will Dobber nicht sagen, berichtet Reuters. EU-Beamte hätten gegenüber der Nachrichtenagentur bestätigt, daß die Produkthaftung zu den umstrittenen Punkten der europäischen Bemühungen gehört, Lieferabkommen für potenzielle COVID-19-Impfstoffe von Pfizer, Sanofi und Johnson & Johnson abzuschließen.

Laut taz haben Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande im Juni mit AstraZeneca einen Vertrag über bis zu 400 Millionen Dosen Impfstoff unterzeichnet, der auf den gesamten Staatenbund ausgeweitet werden soll. Ob Deutschland eingewilligt hat, das strenge Arzneimittelgesetz mit seinen Haftungsansprüchen gegenüber Arzneimittelherstellern zu umgehen, ist unklar.

Die Vereinigten Staaten haben bereits ein Gesetz zum Ausschluss von Deliktsansprüchen von Produkten, die zur Bekämpfung von Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit beitragen, den PREP Act (Public Readiness and Emergency Preparedness) von 2005. Er garantiert Impfstoffunternehmen Immunität, wenn etwas schief geht.

AstraZeneca, Großbritanniens zweitgrößter Arzneimittelhersteller, hat sich verpflichtet, im Rahmen von Vereinbarungen mit den USA, Großbritannien und EU-Ländern sowie anderen Nationen und Organisationen insgesamt mehr als 2 Milliarden Dosen ohne Gewinn zu liefern. In dem von den vier EU-Ländern ausgehandelten Vertrag mit AstraZeneca liegt der Preis pro Dosis bei 2,50 Euro wie die taz weiter berichtet.

Laut WHO werden 23 potenzielle Impfstoffe bereits an Freiwilligen getestet, fünf davon inzwischen in groß angelegten Studien mit tausenden Probanden.

Eine mit Spannung erwartete klinische Studie für einen potenziellen COVID-19-Impfstoff, an der das amerikanische Pharmaunternehmen Moderna beteiligt ist, berichtet von leichten bis schweren Nebenwirkungen, nach der mehrfachen Impfung. So haben mehr als die Hälfte der Teilnehmer besonders nach der zweiten, höher dosierten Impfung über Müdigkeit, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schmerzen an der Injektionsstelle geklagt. Darüber hinaus seien Fieber, Gelenkschmerzen und Übelkeit beklagt worden. Für die Forscher offensichtlich im Bereich des Normalen.

Vor den neuartigen genbasierten Impfstoffen, die schnell und billig herzustellen sind, wird von vielen Experten gewarnt. Denn die Langzeitfolgen sind vollkommen unerforscht. So will auch Carlos Guzmán, einer der führenden Impfstoff-Forscher Deutschlands, nichts überstürzen. Trotz gebotener Eile dürften keine unreifen Produkte zur Impfung gegen Covid-19 zugelassen werden, erklärte er im Juni gegenüber der Berliner Zeitung.

Der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung bezieht in einem Positionspapier Stellung. Die dort organisierten Ärzte halten die „immer wieder diskutierte Zulassung eines solchen Impfstoffs an den etablierten Sicherheitsstandards der Impfstoffentwicklung vorbei („fast-track“-Zulassung), die durch die jüngste, verfassungsrechtlich umstrittene Novelle des Infektionsschutzgesetzes erst ermöglicht wurde, für absolut unverantwortlich.“ Bei den völlig neuartigen Technologien wie den mRNA-Impfstoffen  würden keinerlei klinische Erfahrung am Menschen vorliegen. „Die potentiellen Risiken dieser Impfstoffe sind derzeit nicht verantwortungsvoll beurteilbar“, warnen die Ärzte.

Trotz jahrelanger, intensiver und internationaler Bemühungen sei es bis heute nicht gelungen, Impfstoffe gegen Corona-Viren(SARS, MERS) zu entwickeln. Bei den bisherigen Impfstoffkandidaten gegen SARS, zeige sich, daß geimpfte Versuchstiere nach der gezielten Infektion mit dem Wildvirus schwerwiegende Lungenschäden entwickelten, stellt der Verein fest.

Auch in der Bevölkerung wächst der Teil der Corona-Impfskeptiker rasant: Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sinke in jüngster Zeit in Deutschland „rasant“, berichtet RND. Laut einer Studie sei die Impfbereitschaft in Deutschland in weniger als zwei Monaten um fast 20 Prozentpunkte gesunken. „Nur“ noch Zwei Drittel wollten sich impfen lassen. Ende Mai gaben noch 67 Prozent der Befragten an, „sicher“ oder „wahrscheinlich“ ein Impfangebot gegen das Coronavirus annehmen zu wollen.

In Brüssel ist man alarmiert. Offenbar fürchtet man „eine Kampagne von Impfgegnern“. Das Thema Impfung scheine das nächste Schlachtfeld von „Verbreiter von Falschinformationen“ – früher Kritiker genannt – zu werden, behauptet Vizepräsidentin Vera Jourova am Mittwoch in Brüssel. (MS)

 

 

 

 

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