Jouwatch-Serie: Die maskierte Republik (II)

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Deutschland unter der Maske; Foto: © jouwatch Collage
Deutschland unter der Maske; Foto: © jouwatch Collage

Teil 2: Die Maske als Symbol der Unfreiheit und die linke Lust am Disziplinieren

von Daniel Matissek

2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Unbeschwertheit zum Verbrechen wurde. Unverstellte Natürlichkeit in der Öffentlichkeit, all das, was menschliches Sozialverhalten und gesellschaftliches Miteinander in einer freiheitlichen Gesellschaft auszeichnet: Im Zeichen der Pandemiebekämpfung wird es zum Gesundheits- und Sicherheitsrisiko erklärt, und zwar paradoxerweise umso nachhaltiger und erbarmungsloser, als je harmloser sich Corona tatsächlich erweist. Die langfristigen Folgen sind verheerend: Zwischenmenschliche Nähe oder Intimität, Geselligkeit, gemeinsames Feiern – all dies beargwöhnt oder angefeindet.

Die sichtbarste Insignie dieser neuen Zeit ist dabei – die Maske. Auch wenn sie uns ja „nur“ in bestimmten Situationen vorgeschrieben wird: Sie ist das stetige Unterpfand der Wachsamkeit, der neuen Unfreiheit. Doch ihre Allgegenwart hat langfristig fatale Folgen: Ein Gutteil der Kommunikation – Mimik und nonverbale Ausdrucksformen verlieren ihre Bedeutung; die Stimmungsvermittlung wird verunmöglicht durch Gesichtsbedeckung im Alltag. Gravierend sind die Auswirkungen vor allem für Kinder, die den partiellen Verhüllungszwang als verstörend bis traumatisch erleben – mit noch gar nicht absehbaren Folgen für die Entwicklung ihres Interaktions- und Empathievermögens.

Und die Gehirnwäsche funktioniert: „Gemeinsam einsam“, „Nur mit Maske“, „Wir bleiben zuhause“ „Abstand halten“ „nie oben ohne“: Die Slogans, mit denen die Bevölkerung gemeinsam auf den Umgang mit einem Virus eingeschworen wurde, der anfangs für weitaus gefährlicher gehalten wurde, als er ganz offenkundig war – sie haben uns weit über die konkreten Berührungspunkte mit Corona hinaus konditioniert, unser Denken rejustiert und so einen Kulturbruch ausgelöst. Das, was ursprünglich eigentlich nur als temporäre Ausnahmesituation angekündigt war und maximal so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich gelten sollte, ist zum neuen Regelfall geworden, wird als neue Normalität verkauft: Vor allem das Tragen von Masken soll so alltäglich werden wie das Tragen einer Armbanduhr. Darauf wird hingearbeitet, das ist das erklärte Ziel eines Kartells der Volkserzieher in Regierung und Medien.

PR für neue Etiketten und Umgangsformen

Ihre Agenda ziehen sie unbeirrt durch, und es ist ein unglaublich effizientes „Marketing“, mit dem sie die neue Etikette festzurren, im Sinne einer umfassenden Verhaltensänderung und Neuabrichtung vormals freier Menschen. „Mündigkeit“ setzt freie Münder voraus – und diese unter dem Vorwand einer sozial erwünschten, angeblich alternativlosen Dauerverhüllung hinter Vlies und Stoff zu verbergen, steht folgerichtig für die neue „Entmündigung“, im Wortsinne.

Es ist gar kein Zufall, dass uns das Maskentragen schmackhaft gemacht werden soll mit dem Verweis auf Kulturräume, in denen derlei angeblich schon immer „völlig normal“ sei – Japan, China; auch schon das „Abstandhalten“ wurde mit dem Hinweis auf die dortigen „kontaktlosen“ Begrüßungsformen und das dort kulturell bedingte, allgemein erhöhte Bedachtsein auf Distanz (Verzicht auf Händeschütteln und Umarmungen, reduzierter Körperkontakt) promoted. Und weil das Bild von zehntausenden mit Maske durch Peking oder Nanjing radelnden Asiaten so scheinbar banal und vertraut sei, soll es dann, Corona sei Dank, fortan auch bei uns zum Alltag gehören, wo es diese Tradition (aus guten Gründen und glücklicherweise) nie gab. Dass die asiatischen Gesellschaften, in denen die Gesichtsbedeckungen (übrigens bezeichnenderweise gerade nicht als Zwang!) zumindest relativ verbreitet ist, neben gelegentlichen Infektionsausbrüchen noch ganz andere Gründe dafür haben, sich Atemschutzmasken überzuziehen, wird da gerne ausgeblendet.

Deplazierte Vergleiche mit Fernost

Gigantische Luftverschmutzungen mit Feinstaub, Ozon, Schwefeldioxiden und Smog in Konzentrationen, die Aktivisten der Deutsche Umwelthilfe in den sofortigen Seppuku treiben würden; grassierende Überbevölkerung und urbane Dichtegradienten mit ganz anderen Ansteckungsrisiken; vor allem aber: ein grundverschiedenes Verhalten des einzelnen in der Masse, als wir in Europa oder Amerika es gewohnt sind. Die fernöstlichen Gesellschaften kennen weder Hyperindividualismus noch Egoismus, die für uns kennzeichnend sind – was sich auch in politischer Unfreiheit, Akzeptanz totalitärer Machtverhältnisse und Subordinationsbereitschaft im Arbeitsleben niederschlägt.

Alleine schon vor dem Hintergrund dieser kulturellen und sozialen Gegensätze ist der Versuch, uns im Westen Japaner, Koreaner, Chinesen und Siamesen als Vorbilder zu präsentieren, uns Berührungslosigkeit als Knigge und Masken als neues Alltags-Accessoire schmackhaft zu machen, geradezu wahnwitzig – und nicht minder absurd, als wolle man Frauen hierzulande unter den Schleier zwingen, da dies in der islamischen Welt schließlich auch schon immer so gewesen sei.

Der Fahrplan der Umerzieher ist klar: Ohne Maske soll es nicht mehr gehen, und auch wenn sie nur in bestimmten, willkürlich definierten Zonen gelten soll – bei Einkaufen, im Klassensaal, im Wartezimmer, am Arbeitsplatz oder in der Gastronomie beim Weg vom Sitzplatz zum WC und zurück: Sie muss, koste es was wolle, zum neuen sozialen Standard erklärt werden.

Massenexperiment zur Volksdisziplinierung

Das soziologische und psychologische Motiv dahinter ist der Anspruch der Eliten, der beargwöhnten Freiheit Grenzen zu setzen und die Menschen zu disziplinieren. Corona eignet sich hier als Blaupause für künftige, auf demokratischer und pluralistischer Basis kaum zu verwirklichende Systemumbrüche und Paradigmenwechsel, von denen die Linke im Westen träumt, seit die letzten autoritären Versuche des Sozialismus auf europäischem Boden vor über drei Jahrzehnten gescheitert sind, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen und ihnen den einzig rechten Weg zu weisen.

Die Konditionierung und Abrichtung unter Verweis auf ein höheres, notwendiges Allgemeingut wie „Volksgesundheit“ oder gar das „Überleben aller“ lässt sich bei einem Virus trefflich einstudieren, da hier die Angst viel konkreter wirkt als bei der zuvor jahrelang versuchten Heraufbeschwörung von Klima-Panik (auf die die Masse trotz Ausrufung von „Klima-Notständen“ oder „-Krisen“ oder Weltuntergangsszenarien nichts nicht ansprang).

Die Maske ist da quasi die Stoffwerdung der Krise: Für jeden fühlbar, ob er sie nun aufgesetzt hat oder nur unterm Kinn, bereit zum Einsatz trägt. Der praktische Nutzen ist sekundär, an diesen glauben sogar die nicht, die diesen Zwang politisch zu verantworten haben: Die Bilder der grünen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs Winfried Kretschmann, der in Berlin ohne Maske am Flughafen sitzt; oder von einer Zusammenkunft der CDU Sachsen-Anhalt, wo gänzlich maskenfrei gefeiert wurde; oder von Markus Söder mit Parteifreunden ohne Gesichtsbedeckung im Ausflugsboot; oder von Jens Spahn dicht an dicht mit anderen Honoratioren im Fahrstuhl – sie alle sprechen Bände darüber, dass es sich hier um eine strategisch, nicht medizinisch motivierte Konvention handelt, die einem machtpolitischen Zweck dient.

Die Zuchtmeister selbst halten die eigenen Regeln nicht ein

Und dass im Bundestag für Besucher und Bedienstete, eben nicht jedoch für die Abgeordneten im Plenum die Maskenpflicht gilt, obwohl dort die Abstände nicht besser oder schlechter einzuhalten sind, verdeutlicht den willkürlichen Charakter der Umsetzung dieses Verbotssymbolismus.

Die Medien- und Meinungsmacher stellen die willfährige zweite Front bei der Umsetzung der Zwangsgewöhnung dar, die dem Corona-Staat die propagandistische Rückendeckung gibt. Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen: Einer (pseudo-)wissenschaftlich, rationalen Schiene, die Nutzen und Notwendigkeit des Maskentragens vermitteln will (und dabei vorsätzlich die Widersprüche zu vorherigen, genau gegenteiligen Erkenntnissen von Robert-Koch-Institut, Weltgesundheitsorganisation und virologischem Zitierkartell verschweigt!); dann auf der Gruppenzwang- und Ermunterungsebene, die eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Masken promulgiert (etwa durch Verweis auf Umfrageergebnisse, wonach die Mehrheit für die Maskenpflicht beim Einkaufen sei, oder das zustimmende Vermelden einsetzender Gewöhnungseffekte); und schließlich durch Einschüchterung und Stigmatisierung der Regelbrecher, indem „Maskenverweigerer“ zu Aussätzigen und Volksfeinden gestempelt werden (was durch plakative Fälle krimineller Übergriffe untermalt wird, bei denen das Nichttragen der Maske zum Hauptwesenmerkmal der Täter wird, während andere Eigenschaften wie Duldungsstatus, Migrationshintergrund oder Vorstrafen weiterhin verschwiegen werden).

Breite journalistische Unterstützungsfront

Nicht nur im Boulevard oder im Nachrichten- und Gesellschaftsteil der namhaften Blätter, auch in den Feuilletons zimmern feingeistige Intellektuelle weiter am Meisterstück der unermesslichen Nutzenbeschwörung durch die Gesichtsbedeckung. Selbst „Zeit“-Edelfeder Josef Joffe stimte in die Jubelchöre über die Maske mit ein; unter dem Titel „Gut maskiert, bestens geschützt“ fabulierte er „Wer gegen den vermeintlich übermächtigen Überwachungsstaat revoltiert, ignoriert die neueste Forschung: Die schlichte Maske ist die schärfste Waffe gegen Covid-19!“.

Deutschlands Linke hatte mit „Vermummung“ – aus unterschiedlichsten Motiven heraus – noch nie Schwierigkeiten, ob diese vom Schwarzen Block oder von vollverschleierten Islamisten-Zweitfrauen praktiziert wird; vielleicht erklärt sich daraus, wie unkritisch sie sich an der Maske als einer Art sozialistischen Burka aufgeilen: Die Gleichmacherei hinter Stoff und Vlies, die aus jedem Menschen einen gesichtslosen Roboter macht, stärkt das Kollektiv und macht die „solidarische“, anonyme Menge zur Modelliermasse des starken Staates.

Bei alledem will stets bedacht sein: Handelte es sich bei der Maske um ein zweck- und vor allem verhältnismäßiges Instrument, das objektiv begründbar und vor allem in seiner Anwendung unvermeidlich wäre (so wie dies etwa im Umgang mit immungeschwächten, alten oder erkrankten Menschen zutrifft), so wäre das Ärgernis einer „vernachlässigbaren“ Freiheitseinschränkung durchaus in Kauf zu nehmen. Dies wäre etwa dann der Fall, wenn sich Corona auch nur annähernd als die tödliche und für jedermann lebensgefährliche Pandemie erwiesen hätte, für die sie in der Anfangsphase gehalten wurde. Es kam anders. Und dass die Maske erst am 27. April und damit zu einem Zeitpunkt Pflicht wurde, da die „Welle“ längst passé war, unterstreicht ebenfalls: Die mit ihr verbundene tiefere Botschaft ist aufschlussreicher als ihr vorgeschobener, scheinbarer Sinn.

Teil 3 der Serie folgt morgen.

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