Quittung für Haltungs- und Kampagnenjournalismus: Riesige Auflageneinbrüche bei Bild, Welt, Spiegel, FAZ & Co.

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Seltener Griff: Immer weniger Menschen kaufen Zeitungen. (Shutterstock/ Hadrian)

Reichelt, Poschardt, Klusmann & Co: Dies sind die Namen von Verlierern. Als Chefredakteure führen sie die Riege deutscher Print-Leitmedien an – und die sind auch weiter auf strammer Talfahrt – wie die jetzt veröffentlichten Auflagenzahlen für das 2. Quartal belegen. Immer weniger Leser interessieren sich für das weitgehend angepasste und regierungsergebene, zeitgeistkompatible „betreute Denken“ in Druckform. Die Auflagenverluste sind die Quittung dafür, dass Haltung statt Information zum obersten Sinn erkoren wurde.

Vor allem die linksgedrehten Medien wie „Bild“, „Welt“ und „Spiegel“, aber auch die einst als bürgerlich-konservativ geltende „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) brechen massiv ein. Das Medienmagazin „DWDL“ veröffentlichte unter Berufung auf Zahlen von Meedia und der Vertriebskontrollgemeinschaft „IVW“ die aktuellen Trends aus dem zweiten Quartal im Vergleich zu den Vorjahreszahlen -und sie sind alarmierend. Der größte Verlierer unter den deutschen Printmedien war im vergangenen Jahr die „Welt“ mit einem Minus von satten 43 Prozent verkaufter Druckauflage. Bei „Bild“ waren es 18 Prozent, beim Spiegel immerhin 9,3 Prozent und bei der FAZ 13,8 Prozent.

Offiziell versuchen die Verlage, die Einbrüche auf die Corona-Krise zu schieben. Dies macht allerdings nur Sinn, was die Bordexemplare an Flugzeugen anbelangt, die aufgrund des Zwangs-Groundings während der Pandemie natürlich plötzlich keine Rolle mehr spielten. Je stärker der Anteil der dort abgesetzten Auflagenzahlen an der Gesamtauflage jedoch als Begründung des Rückgangs vorgeschützt wird, umso peinlicher das damit verbundene Eingeständnis, in welchem Ausmaß die Absatzzahlen der betreffenden Zeitungen durch Bordexemplare bislang aufgehübscht wurden.

Faule Ausreden wegen „Flugnummern“

Tatsächlich hatten während des Lockdowns die zuhause verharrenden Medienkonsumenten erst recht mehr Zeit zum Lesen – was sich in Auflagensteigerungen, und nicht -rückgängen hätte bemerkbar machen müssen. Weil dies ausblieb, deutet vieles darauf hin, dass es inhaltliche Unzufriedenheit der Leser mit den Printmedien war, die sie auf Distanz gehen ließen. Kritik an Trump, AfD, Corona-Demonstranten und Lockdowngegnern in Maßen – gut und schön. Doch das permanente Bashing, Framing und voreingenommene Niederschreiben „inakzeptabler“ Standpunkte stößt jeden denkenden Menschen irgendwann vor dem Kopf… und so erklären sich dann die Rückgänge. Das kommt davon, wenn man seinen journalistischen Verstand morgens vor der Redaktionkonferenz mit den Resten von Wachmachern, Aufputschmitteln oder Schlimmerem durch die Klospülung jagt.

Bei den genannten Springer-Flaggschiffen fällt der Niedergang übrigens zusammen mit der Verantwortungsübernahme durch Julian Reichelt und Ulf Poschardt: Zunehmend aktivistisch statt journalistisch, verstärkt weltanschaulich statt neutral präsentieren sich beide Tageszeitungen – und machen dabei auch vor oppunistischen Kurswechseln nicht halt; heute Lob für Merkel, morgen Kritik an von ihr zu verantwortenden Zuständen. Vor einigen Jahren „Refugees Welcome“-Buttons der gedruckten Auflage beilegen, 2020 die Zustände in deutschen Innenstädten dank krimineller und illegaler Migranten bejammern. Für diese Beliebigkeit steht vor allem „Bild“.

Reichelt als Minus-Mann

Wie ein Fähnchen im Wind wechselt Reichelt den Kurs; nachdem er erfrischend unorthodoxe, vernunftbasierte Standpunkte zur drohenden EU-Schuldenunion, zur Zuwanderungskritik und zum sich ausbreitenden Islam veröffentlicht hatte und sich dafür angeblicher „AfD-Nähe“ schmähen lassen musste, wurde er kürzlich augenscheinlich zurückgepfiffen: Möglicherweise auf Druck von Merkel-Busenfreundin Friede Springer oder deren Intimus und Springer-Vorstandschef Matthias Döpfner hin gab er vorgegangene Woche bekannt, dass die AfD in „Bild“ fortan keine Plattform mehr erhalte und niemand aus der Partei – die immerhin die größte Oppositionspartei im Land ist – dort mehr interviewt werde.

Ob Reichelt den weiteren Absturz seines Blattes im Print-Bereich damit aufhalten kann, ist fraglich. Wahrscheinlicher wird sein, dass er am Ende zwischen allen Stühlen sitzt. (DM)

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