Auf den Scheiterhaufen mit ihm: Held der Klimabewegung wird zum Ketzer

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Michael Shellenberger (Foto: Imago)

Michael Shellenberger ist Umweltschützer der ersten Stunde. Jetzt räumt er mit der Klimabewegung auf und erhebt schwere Vorwürfe gegen die jugendlichen Temperaturbekämpfer. Er habe die Nase voll von der „Übertreibung, dem Alarmismus und dem Extremismus, die der Feind eines positiven, humanistischen und rationalen Umweltschutzes sind“. Greta & Co schäumen vor Wut.

„Im Namen der Umweltschützer entschuldige ich mich für den Klimaschutz“, erklärte Shellenberger kürzlich in einem Online-Meinungsartikel für das Wirtschaftsmagazin Forbes. In ihm stellte er sein neues Buch „Apokalypse never: Why Environmental Alarmism Hurts Us All“(Keine Apokalypse: Warum Umweltalarmismus uns alle verletzt“. Es ist die 180 Grad-Wendung eines Mannes, dessen Ideen zur Förderung erneuerbarer Energien dazu führten, daß die Obama-Regierung 150 Milliarden US-Dollar in den jetzt so angesagten Sektor pumpte.

Der Aufschrei blieb nicht aus. Die grüne Lobby raste. Forbes entfernte daraufhin den Artikel mit der Begründung, der 49-Jährige habe Eigenwerbung für sein Buch gemacht. Shellenberger selbst spricht von Zensur. Inzwischen macht sein Artikel erfolgreich im Internet die Runde. Sein Buch wird zum Bestseller. Es belegt bei Amazon Platz 7 in der Sachbuchliste, berichtet MailOnline.

„Der Klimawandel findet statt. Es ist einfach nicht das Ende der Welt. Es ist nicht einmal unser ernstestes Umweltproblem“, so eine seiner Ansichten.

Der tollwütige grüne Alarmismus schaffe eine Reihe gefährlicher Mythen über den Klimawandel und mache die Öffentlichkeit für echte Lösungen blind, so seine These. Die meisten Formen erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft seien für den großflächigen Einsatz in weiten Teilen der Welt einfach nicht praktikabel. Sie benötigten darüber hinaus große Mengen Land und schädigen die Tierwelt, erkennt er, nachdem er sich einst für den Wahnsinn eingesetzt hat.

Grüne Öko-Krieger, wie die 17-jährige Greta Thunberg oder die Extinction Rebellion-Bewegung sollten endlich damit aufhören, den Untergang der Welt herbeizureden. Für Shellenberger ist der „nicht einmal nah“.

Auch die Linken-Ikone Michael Moore weist in seinem neuen Film „Planet Of The Humans“ auf die Behauptung der Klimabewegung hin, erneuerbare Energie sei die bessere Alternative. So brauche man für die Herstellung von Solaranlagen eine ganze Menge der verpönten Kohle sowie hochwertigen Quarz und mit dem Abbau der Kohlekraftwerke in den USA entstünden riesige Erdgasanlagen – ebenfalls ein fossiler Brennstoff. Grüne Energie allein könne den weltweiten Energiebedarf weder decken noch sei sie so „erneuerbar“ wie behauptet, so das Fazit des 66-jährigen Oscarpreisträger.

Wenn sich die Grünen über Moore ärgern, so hyperventilieren sie bei Michael Shellenberger. Immerhin ist er einer von ihnen, ein Veteran der Sache, der 30 Jahre seines Lebens für Umweltschutz gekämpft hat und der vom Time Magazin im Jahr 2008 zum „Helden der Umwelt“ernannt wurde.

In seinem neuen Buch rechnet er mit einer ganzen Reihe von Überzeugungen der Grünen Bewegung ab. Der vom Menschen verursachte Klimawandel führt nicht zu einem neuen Massensterben von Arten, da nur 0,001 Prozent der Arten des Planeten jährlich aussterben. Der Amazonas ist nicht die „Lunge der Welt“, und die Kohlenstoffemissionen steigen in den meisten reichen Ländern, einschließlich Großbritannien, nicht an, sondern sinken.

Im Gegensatz zu dem, was wir oft glauben, verschlimmere der Klimawandel Naturkatastrophen nicht, so Shellenberger: Der vermehrte Einsatz von Holzbrennstoff und die wachsende Anzahl von Häusern in der Nähe von Wäldern seien die wahren Gründe für schwerere Brände in Australien und Kalifornien.

Einige der Statistiken, die er veröffentlicht, sind schockierend für jeden, der mit der Umweltbewegung liebäugelt. Insbesondere die Behauptungen, dass die Menschen aufhören müssten Fleisch zu essen und vegan leben sollten, um den Planeten zu retten sie Quatsch, so Shellenberger, Mitbegründer eines Think Tanks namens Environmental Progress.

Ein Vegetarier reduziere die Emissionen um weniger als vier Prozent. Zur Herstellung von  „Freiland“ -Rindfleisch – das im Gegensatz zur Massentierhaltung als umweltfreundlicher propagiert wird – benötige man 20-mal mehr Land und erzeuge 300 Prozent mehr CO2-Emissionen.

Auch falsch: Die angekündigten Hungerkatastrophen, die mit dem Klimawandel einhergehen würden. Laut Shellenberger produzieren wir 25 Prozent mehr Lebensmittel als wir brauchen, und die Lebensmittelüberschüsse werden weiter steigen, wenn es auf der Welt wärmer wird. In der Zwischenzeit ist eine Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energie nicht möglich – die USA müssten zwischen 25 und 50 Prozent ihres gesamten Landes für die Energieerzeugung verwenden, verglichen mit den 0,5 Prozent, die sie jetzt verbrauchen.

Er greift auch den „Mythos“ an, dass Kunststoffe Tausende von Jahren im Ozean verweilen, und sagt, dass sie durch Sonnenlicht und andere Kräfte zerstört werden. Die Wale wurden nicht von Greenpeace gerettet, wie viele glauben, sondern durch die Umstellung der Industrie von Walöl auf Erdöl und Palmöl, sagt er. Immer wieder hätten die Grünen mit ihren fehlgeleiteten Ansichten die Dinge eher verschlechtert als verbessert, findet Shellenberger.

Für ihn ist das dringlichste Umweltproblem der Welt nicht der Klimawandel, sondern die fortgesetzte Verbrennung von Holz als Brennstoff durch bis zu zwei Milliarden Menschen – eine Folge der Armut.

„Umweltschützer haben es genau falsch verstanden“, so Shellenberger. Motiviert von linken, antikapitalistischen und wachstumsfeindlichen Ideen hätten sie sich für eine Welt mit wenig Energie und geringem Verbrauch eingesetzt – im Wesentlichen „eine Rückkehr ins elisabethanische England“, meint er. Dabei sei das Gegenteil erforderlich. Die Industrialisierung in der Dritten Welt (wo die Kohlenstoffemissionen am schnellsten steigen) kann kurzfristig zu einem Anstieg der Kohlenstoffemissionen führen, aber langfristig komme sie der Umwelt zugute, da sie die Menschen vom Land in die Städte drängt. Ackerland könne so wieder natürliche Fläche werden. Die Menschen würden reicher, was es ihnen ermöglicht, auf sauberere Energieformen umzusteigen.

Ein entscheidender Weg, um die Umwelt zu schonen, sei laut Shellenberger, mehr Lebensmittel, insbesondere Fleisch, auf weniger Land zu produzieren. Er argumentiert auch, dass westliche Banken und Regierungen aufhören sollten, Entwicklungsländern Technologien für erneuerbare Energien wie Batterien und Sonnenkollektoren aufzuzwingen, und sie Wasserkraftwerke und effiziente Kraftwerke für fossile Brennstoffe bauen lassen sollten. Reiche Nationen würden versuchen, Armut in der Dritten Welt eher zu zementieren statt sie für immer ins Gestern zu verbannen.

Die Nachrichten über den Klimawandel seien tatsächlich besser geworden. Die CO2-Emissionen aller reichen Länder seien bereits gesunken. Die Emissionen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland hätten bereits in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt erreicht.

Kein Wunder, daß seine alten Verbündeten angesichts dieser Aussagen schäumen. Der Amerikaner Shellenberger streicht mit einem großen Rotstift durch so ziemlich alles, was der modernen grünen Bewegung am Herzen liegt. Sein besonderes Ziel ist die britische Extinction Rebellion, deren prominente Unterstützer von Benedict Cumberbatch und Olivia Colman bis zu Ellie Goulding und Bob Geldof reichen.

Während des zweiwöchigen Chaos, das durch die Proteste der Gruppe im Oktober letzten Jahres in London veranstalteten, machten Sprecher eine Reihe alarmierender Behauptungen – Milliarden Menschen würden durch den Klimawandel umkommen, die Erde würde sterben und die Regierungen würden nichts tun. Die apokalyptischen Vorhersagen fanden ihren Höhepunkt in der Forderung von Greta Thunberg „Ich will, dass Ihr in Panik geratet“. Dank Greta und Co habe laut einer von Schellenberger zitierten Umfrage jedes fünfte britische Kind Albträume wegen des Klimawandels – kein Wunder angesichts der Banner von Extinction Rebellion mit der Aufschrift „Climate Change Kills Children“.

Die Diskussion über Klimawandel und Umwelt sei in den letzten Jahren außer Kontrolle geraten: „Vieles, was den Menschen über die Umwelt erzählt wird, einschließlich des Klimas, ist falsch, und wir müssen es unbedingt richtig machen“, das sei der Grund für sein neues Buch. Er habe einfach die Nase voll von „der Übertreibung, dem Alarmismus und dem Extremismus“. Die seien „der Feind eines positiven, humanistischen und rationalen Umweltschutzes“. Die Menschen, die „am apokalyptischsten gegenüber Umweltproblemen sind, neigen dazu, sich den besten und offensichtlichsten Lösungen zu widersetzen“.

„Es ist wahr, dass der Klimawandel real ist und einige potenzielle Risiken birgt“, erklärt er gegenüber MailOnline. Aber die Realität habe nichts mit dem „Hollywood-, Mad Max-, End of the World- und Crazy Town-Szenario“ zu tun, das 2019 von Extinction Rebellion und Greta gemalt worden sei.

„Ich möchte, dass sie wissen, worauf es ankommt“, antwortet er. Man solle sich freuen, billige „Fast Fashion“ zu kaufen. Schließlich „befreiten“ die Frauen, die die Kleidung in Fabriken der Dritten Welt herstellen und ihnen Arbeit gebe.

Die Menschen sollten lieber Zuchtfisch essen, der laut Shellenberger heute viel ethischer produziert werde als früher anstatt Wildfang, denn die Überfischung sei eine große Bedrohung für die Ozeane.

Einige seiner These seien ungenau, kritisieren seine Gegner. Insbesondere stellen sie seine Behauptungen in Frage, dass die globale Erwärmung nicht viele Arten bedroht und Naturkatastrophen nicht häufiger werden.

Von der Heftigkeit der Angriffswelle, die jetzt in den sozialen Netzwerken über ihn hereinbricht, sei er nicht überrascht: Die Vehemenz sei verständlich, wenn man bedenke, daß diese „apokalyptische“ Sichtweise des Klimawandels eine „evangelische, fundamentalistische Religion“ ist, die nicht auf rationale Argumente reagiert.

Sie befriedige ein Grundbedürfnis nach etwas, an das man glauben kann, und ihre Anhänger seien davon überzeugt, einem höheren Zweck, nämlich der Planetenrettung, zu dienen.

„Diese Menschen sind im Griff einer Religion“, weiß Shellenberger, „und sie wissen es nicht.“ (MS)

 

 

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