Wahrheit per Justiz: Prozeß gegen Prof. Ulrich Kutschera

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Prof. Ulrich Kutschera, Evolutionsbiologe - Foto: Imago

Seit Montag läuft vor dem Amtsgericht in Kassel der Prozess gegen den Biologieprofessor Ulrich Kutschera (65). Zur Last gelegt werden ihm Volksverhetzung, sowie Beleidigung und das Verbreiten unwahrer Tatsachen. Es gibt Meldungen, die man nicht unkommentiert lassen kann.

von Max Erdinger

Der international renommierte Ulrich Kutschera in einem Interview mit kath.net zuvor: ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare sei “staatlich geförderte Pädophilie mit schwerstem Kindesmissbrauch”, die Homo-Ehe eröffne zudem ein “mögliches Horror-Kinderschänder-Szenario”. Kutschera versicherte, daß sich die Berechtigung seiner Äußerungen auch durch Erkenntnisse anderer Biologen belegen lasse.

Wie von der Tarantel gestochen hüpften daraufhin die professionell Empörten in die Höh´ und streckten Kutschera anklagend ihre Zeigefinger entgegen. Die Fülle der Klagen gegen Kutschera glich dem vorweggenommenen Steinhagel der gewöhnlichen Steinigung. Wahrscheinlich waren auch Fundamentalsoziologisten unter den Vorwürflingen. Die Schlacht von Kassel: Soziologie gegen Biologie. Sehr, sehr spannend.

Mehrere dutzend zivilgesellschaftlich ganz besonders Engagierter gaben vor dem Gerichtsgebäude demonstrierend Eindruck vom Ausmaß der allgemeinen Empörung wegen des Professors der renitenten Biologie. Davon unbeeindruckt fragt man sich jedoch heute: Handelt es sich in Wahrheit um den Versuch, per Justiz ein Soziologenexempel an der Freiheit der Wissenschaft zu statuieren? Hatte Prof. Kutschera etwa Minderheiten gedisst? – Oh Gott. Welch´ schreckliche Möglichkeit.

Es geht im wesentlichen um die folgende Frage: Darf man in einem Land, das in seiner soziologistischen Dogmenbewehrtheit normannischen Stränden fünf Minuten vor dem D-Day gleicht, als Wissenschaftler noch sagen, was man weiß und worüber gerne diskutiert werden darf? – Offensichtlich nicht. Die Justiz soll es richten.

Warum?

Die Anklagevertreterin: die Aussagen des Professors seien “kriminologisch nicht haltbar”. – Oooh!

Wenn das so sein sollte, dann müssten „wir“ dem Allerhöchsten unter den Zivilisierten womöglich einen Dankeskanon vorsingen. Das würde nämlich bedeuten, daß die aus biologischen Gründen in Frage kommenden, potentiellen Täter über eine hoch entwickelte Selbstkontrolle verfügen, mit der sie ihre Neigungen im Zaum halten. Ein anderer Schluß wäre, daß unter den bekanntlich überaus anzeigeerstattungsfreudigen Kindern, Kleinkindern und Säuglingen ausgerechnet die kriminalstatistisch so bedeutsamen Klagen der Mißbrauchten fehlen. Ob Prof. Kutschera Recht bekommt oder nicht, hängt leider nicht an der Frage, ob ihm die Katholische Kirche als Kronzeuge der Verteidigung zur Verfügung steht.

Es ist bemerkenswert, wie wenig das mögliche Schicksal von Kindern im Zentrum der Betrachtung steht, wie sehr hingegen die Frage, ob eine Minderheit diskriminiert und möglicherweise reale Gewalt gegen sie heraufbeschworen sein könnte. Sollte wahr sein, was Prof. Kutschera behauptet, dann wäre das nämlich Anlaß, nach dem Rang der Minderheitenrechte innerhalb der ethischen Normenwelt zu fragen und nachzusehen, ob sie nicht vielleicht doch ein bißchen zu hoch angesiedelt sind. Die Maskenpflicht gibt es ja auch nicht, weil man sich ohne Gesichtslappen todsicher infiziert, sondern deswegen, weil die Chancen auf eine Infektion im Bereich unterhalb der eines Vierers mit Zusatzzahl liegen. Mit derselben Denke ließen sich prophylaktisch auch Kinder in Sicherheit bringen. Wie jetzt – Prioritätensetzung.

Man muß wirklich am Geisteszustand mancher heutigen Deutschen zweifeln. Schlimmstenfalls hätte Prof. Kutschera irrtümlich ein Vorurteil geschürt. Mit dem Vorurteil als einem solchen ist es auch so eine Sache: Es gibt akzeptierte und nicht akzeptierte, weswegen sich jede moralische Bewertung des Begriffs „Vorurteil“ verbietet. Das Vorurteil ist das Urteil vor dem eigentlichen Urteil. In jedem Fall.

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