Nicht nur in Leipziger Straßenbahnen: Ob Schwarze und Schwarzfahrer, alle sind Rassismusopfer

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"George Floyd, Leipzig-Edition"? Szene aus dem Video der Straßenbahnkontrolle (Screenshot:Youtube)

„Black Lives Matter“ heißt auf Deutsch „Schwarze Leben zählen“. Im wahnhaften Bemühen, Gelegenheiten zu finden, bei denen sich diese Parole auch hierzulande endlich einmal anwenden lässt, scheint einigen Medien inzwischen ein Übersetzungsfehler zu unterlaufen: „Schwarzfahrer-Leben zählen“ wäre das passendere Motto für den Zwischenfall in einer Leipziger Straßenbahn am Donnerstag, bei der ein „blinder Passagier“ von einem robusten Schaffner angeblich in den Würgegriff genommen wurde. Schwarzfahrer können offenbar auch Rassismusopfer sein.

Es gab einmal eine Zeit, da stand im Mittelpunkt der Berichterstattung über Verbrechen die Verwerflichkeit der Straftat, der Regelverstoß, das vorsätzliche Fehlverhalten, und wenn Emotionen durchkamen, dann war es – je nach Delikt – Missbilligung, Empörung oder Entsetzen über den Täter. Heute hat sich dies in ähnlicher Weise in sein genaues Gegenteil umgekehrt, wie auch die Rechtsprechung einer pervertierten Wachsamkeit frönt: Es interessiert nur noch, ob der Täter nicht vielleicht zum Opfer gemacht wurde. Ob er von Polizei oder Ordnungskräften nicht womöglich falsch behandelt, zu hart angegangen oder diskriminiert wurde. Dass er selbst durch sein Tun erst Anlass zur Eskalation, zur Gegenreaktion gegeben hatte, wird da schnell unter den Tisch gekehrt.

Am sichtbarsten wurde diese kollektive Wahrnehmungsstörung im Fall von George Floyd, bei dem schließlich überhaupt nicht mehr dessen Rolle als Verbrecher thematisiert wurde, sondern nur noch die exzessive Gewalt der Polizei bei seiner Festnahme – mit der Folge, dass Floyd zum Märtyrer und die Polizei zur kollektiven Mörderbande gestempelt wurde. Und weil dank „Black Lives Matter“ die Bild inzwischen tief genug im Hinterkopf verankert sind, genügt jede auch nur scheinbare Parallele zu den Ereignissen von Minneapolis, um die Opfer-Täter-Rollen entsprechend umzudichten.

Täter sind immer Opfer

So wurde in der Berichterstattung über den – zuvor auf Twitter geteilten – Fall der Straßenbahnkontrolle von Leipzig aus einem Schwarzfahrer, der sich gewaltsam der Fahrscheinkontrolle widersetzt und das Personal attackiert hatte und daraufhin vom Fahrkartenkontrolleur auf dem Boden fixiert wurde, ein unschuldiges Opfer exzessiv-willkürlicher Gewalt. Dass der Mann „rot angelaufen“ sei, während „Passanten geschockt schrieen“ und „sein Leben retten“ wollten, wie „Focus“ sensationsheischend berichtet, mag zwar zutreffen, und hier soll eine mögliche Überreaktion der Ordnungskräfte auch gar nicht entschuldigt werden: Doch Fakt ist: Dem Einsatz war ein körperlicher Angriff des „Opfers“, eines 28-jährigen australischen Schwarzfahrers gegen den Kontrolleur vorausgegangen. Auch seine 27-jährige isländische Begleiterin soll gewalttätig geworden sein. Daraufhin wandte der Schaffner – alleine schon zum Selbstschutz – Gewalt an.

Gewiss: Auch Kontrolleure haben, wie auch Polizisten, im Einsatz Regeln zu beachten. Fakt ist aber auch: Der Täter steht stets am Beginn der Ursachenkette. Hätte George Floyd nicht mit Drogen vollgepumpt versucht, Falschgeld an den Mann zu bringen, und sich dann nicht auch noch der Kontrolle widersetzt, so würde er noch leben. Auch wenn der Polizeizugriff in seiner Brutalität unentschuldbar war: Es war Floyd, der Mist gebaut hatte. Und auch in Leipzig gilt diese simple Weisheit: Wer nicht schwarzfährt, hat bei einer Kontrolle auch nichts zu befürchten. Sogar wenn er schwarzfährt, wird er Normalfall nicht in den Schwitzkasten genommen.

Feiges Scherbengericht der LVB

Es scheint, als sei die simple Lebensweisheit „Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen“ verdrängt – und als hätten Straftäter eine Art Grundrecht auf Behandlung mit Glacehandschuhen – während jene, die täglich ihren Kopf hinhalten, um noch einen Rest öffentlicher Ordnung und Regeleinhaltung zu gewährleisten, heutzutage mit einem Bein im Gefängnis stehen. So auch der Leipziger Kontrolleur – der nicht nur von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) in feigem Duckmäusertum vor dem öffentlichen Shitstorm-Lynchmobs prompt „mit sofortiger Wirkung freigestellt“ (vulgo: faktisch gefeuert) wurde, sondern gegen den jetzt auch noch die  Staatsanwaltschaft ermittelt.

So wild scheint die vermeintliche BLM-Schlüsselszenen-Reminiszenz übrigens am Ende gar nicht gewesen zu sein – denn als die Polizei eintraf, hatte sich die Situation bereits wieder „etwas entspannt“, wie „Bild“ unter Berufung auf die Polizei erklärte: „Die Einsatzkräfte fanden mehrere Personen getrennt und ruhig auf die Polizei wartend vor. Unter anderem waren drei Fahrausweisprüfer, zwei Personen, die ohne Fahrausweise gefahren sein sollen, sowie weitere Zeugen vor Ort.“ (DM)

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