Komplett nutzlos, aber höchst sinnvoll: Die SPD redet sich den Rohrkrepierer Corona-App schön

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Unbekannte Realnutzerzahlen: Corona-App (Foto:Imago/MedienServiceMüller)

Eine in ihrer Entwicklung geradezu aberwitzig überteuerte App, die niemand braucht, dennoch weiterhin allgegenwärtige Datenerfassung ohne den geringsten Nachweis eines bisherigen Nutzens – und die SPD jubelt über diesen digitalen und datenschutzrechtlichen Offenbarungseid: Selten wurde das deutsche Volk so verschaukelt wie 2020.

Während die Infektionen in Deutschland hart oberhalb der Nachweisgrenze schrammen, wird weiter der Nutzen der Corona-Warn-App beschworen – „nun ist sie halt mal da“. Und auch wenn sie nichts bringt (und niemand in Regierung und Robert-Koch-Institut sagen kann oder vielmehr: sagen möchte, wieviele Infektionen dadurch wirklich delektiert wurden): Die nächste Welle kommt bestimmt. Es ist wie mit den zwangserhobenen Gästedaten in Kneipen und Restaurants: Wenn sie schon gesundheitspolitisch angesichts eines in der Breite so gut wie  verschwundenen Virus unnötig sind, dann taugen sie zumindest zur Zweckentfremdung – etwa, indem sie für polizeiliche Fahndungsbemühungen missbraucht werden. Und so wird sich bald bestimmt auch eine passende Off-Label-Verwendung für die App-Daten finden lassen.

All dies ficht die SPD natürlich nicht an: Sie lobt unverdrossen die Arbeit der Bundesregierung und zieht in puncto Corona-App, na was wohl, eine „positive Zwischenbilanz“ . Die Anwendung sei ein „großer Erfolg“, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, gegenüber dem „Handelsblatt„. Die Downloads in Deutschland seien“ doppelt so hoch wie in allen anderen europäischen Ländern zusammen“.
Dies spiegele „das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger eindeutig wider.“

Zweckoptimismus und wolkige Elogen für unnützen Digital-Tand

Ach tatsächlich? Deutschland hat zum einen deutlich mehr Einwohner als alle anderen EU-Länder – und nirgends sonst schmiss die Regierung soviel Geld für PR- und Werbemaßnahmen zum Fenster hinaus für ihre vielgerühmte Corona-App wie in Merkeldeutschland. Doch leider besagt die Zahl von Downloads so gut wie nichts über die laufenden Nutzerzahlen: Dass sich viele aus Neugier die App aufs Handy luden, bis sie dann entweder Zweifel an der Datensicherheit bekamen (oder sie – eher noch – die Furcht ereilte, als Teil einer ermittelten Infektionskette womöglich 14 Tage in Quarantäne zu müssen) – das scheint Zimmermann gar nicht in den Sinn zu kommen.

Tatsächlich wurde öffentlich kein einziger Fall bekannt, wo eine Infektionskette durch die App zurückverfolgt wurde; alle lokalen „Ausbrüche“ der vergangenen Wochen wurden nicht durch die App, sondern durch Testungen und Zufallsermittlung festgestellt. Doch der SPD-Mann macht aus der Blamage eine Tugend: Dass die App bisher nur selten Warnungen angezeigt habe, sei eine Folge der  „aktuell erfreulich niedrigen Infektionszahlen“. Wie jetzt – was ist hier Ursache und Wirkung? Und wozu braucht man dann überhaupt eine App, wenn das Virus auch ganz ohne digitale Warnsysteme fast überall  austrocknete?

Die erste Welle interessiert schon nicht mehr – wichtig ist für die SPD vor allem dies: „Dass wir die App als ein wichtiges Instrument jetzt zur Verfügung haben, sollte es zu einer zweiten Welle oder lokalen Ausbrüchen kommen“. Und wenn auch die ausbleibt, eine dritte oder vierte Welle – doch bis dahin ist bestimmt schon die nächste Pandemie im Anmarsch, und für die gibt’s sicher wieder eine App, mit deren Entwicklung sich staatsnahe Großkonzerne die Taschen vollmachen können. Ein wahres Glück, dass wir so hervorragend regiert werden. (DM)

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