Desinformation & Demokratie: „Das Internet ist kaputt, wir brauchen ein neues“

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Soziale Medien - der Albtraum für die "Qualitätspresse" (Symbolfoto: Durch Minerva Studio/Shutterstock)

Die Idee, daß mehr freie Rede auch mehr Demokratie schaffe, sei an Social Media gescheitert, heißt es in einem Essay bei „Zeit Online“. Er stammt von Peter Pomerantsev, dem Autoren des Buches „Das ist keine Propaganda“. Tatsächlich ist das exakte Gegenteil der Fall. Pomerantsevs Essay ist die reine Propaganda. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Wie die linke Gehirnwäsche läuft, ist hinlänglich bekannt. Der erste Grundsatz lautet: Herrsche über die Sprache und herrsche so über das Denkbare. In der Praxis sieht das so aus, daß bestimmte Wörter zu Unwörtern erklärt werden, die nicht mehr verwendet werden dürfen. „Neger“ zum Beispiel. Oder „Muselman“. Auch werden Begriffe mit anderen Inhalten gefüllt und sodann als Wurfgeschosse gegen die bestehende Ordnung verwendet. Die Diskriminierung z.B., also die Unterscheidung (lat. discriminare = unterscheiden), wird zur Herabsetzung und erfährt so eine Annäherung an den ebenfalls geänderten Sinngehalt des Wortes „Chauvinismus“. Der Chauvinismus wurde in eine Art herrenmenschliches Generalverbrechen umdefiniert, der „Verbrecher“ zum „Chauvi“. Tatsächlich wäre der Chauvinist lediglich jemand, der davon überzeugt ist, Teil einer – in einer oder mehreren Hinsichten – überlegenen Gruppe zu sein. Ein Spieler des 1.FC Bayern wäre völlig zu Recht Chauvinist angesichts der Tatsache, daß sein Fußballclub den Meistertitel abonniert zu haben scheint. Die Begriffe „Diskriminierung“ und „Chauvinismus“ stehen somit nicht mehr zur Verfügung, um zu benennen, was ursprünglich gedacht und auch bezeichnet werden konnte. Tatsächlich gibt es aber die Unterscheidung genauso wie die Überlegenheit. Nur der Linke steht mit der Realität auf dem Kriegsfuß und will selbst das nicht mehr wahrhaben. Franz Josef Strauß hatte deshalb vor vierzig Jahren schon gemahnt, der Kampf um die Sprache sei wesentlich für die geistige Selbstbehauptung. Im Zuge der linken Gehirnwäsche – mutmaßlich zur Simulation von Relevanz eines „freien Gesellschaftsdiskurses in der tatsächlichen Irrelevanz“ – wurden auch Relativierungen zur regelrechten Seuche, mit denen sich überhaupt nichts anfangen läßt, außer eben Belanglosigkeiten zu quasseln. „Frei“ ist nicht steigerungsfähig, „gerecht“, „demokratisch“ und „aktuell“ ebenfalls nicht – und dennoch ist ständig von einer „freieren Gesellschaft“ die Rede, von einer „gerechteren Welt“, „demokratischeren Zuständen“ und dem „aktuellsten Wetterbericht“. Darüber hinaus werden Behauptungen als Fragen verkleidet. „Wie demokratisch regiert die Kanzlerin?“ ist keine Frage, sondern die Behauptung, daß die Kanzlerin demokratisch regiere. „Wie gefährlich ist die AfD?“ – Behauptung: Die AfD ist gefährlich. Beispiele für die linke Kastration des Denkens in realistischen Bahnen gibt es en masse.

Prinzipiell gilt: Wenn du annimmst, das genaue Gegenteil dessen, was dir in den „Qualitätsmedien“ erzählt wird, sei richtig, dann siedelst du näher an der Wahrheit, als umgekehrt.

Schon das Titelbild zu Pomerantsevs Essay bei „Zeit-Online“, neben dem SPIEGEL das Zentralorgan der linken Subjektivisten, signalisiert, worum es geht: Linke Selbstexkulpation per „Haltet den Dieb!“-Rufen – und somit eine Schuldzuweisung an Andere. Zu sehen ist eine Fotocollage, für die als Vorlage ein altes Stalingemälde verwendet wurde. Nicht mehr Stalin hält gütig lächelnd ein blondes Mädchen mit Blumenstrauß in die Luft, sondern Putin einen kleinen Trump. Womit wollte man sich bei „Zeit-Online“ beschäftigen? – Ach ja, mit der Meinungsmanipulation bei Social Media. Da lachen ja die Hühner.

Das Internet ist kaputt, wir brauchen ein neues„, titelte man also in der Rubrik „Desinformation und Demokratie“ – und dann folgt die deutsche Übersetzung des eigentlich auf Englisch verfassten Essays von Peter Pomerantsev, einem „Senior Fellow am Institute of Global Affairs der London School of Economics“.

Meinungsfreiheit. Pluralismus. Der Macht den Spiegel der Wahrheit vorhalten. Ein allgemeiner Respekt für die Tugenden der Richtigkeit und Objektivität. Die Überzeugung, dass sich auf einem Marktplatz der Ideen am Ende die beste Information durchsetzen würde … Das waren die Grundlagen, Formeln, Metaphern, mit denen man einen demokratischen Informationsraum zu definieren pflegte, im strengen Gegensatz zu einem diktatorischen Modell mit seiner Zensur und Geheimpolizei. Ich habe diese demokratischen Ideale mit der Muttermilch aufgesogen: Meine Eltern, sowjetische Dissidenten, wurden 1978 vom KGB verhaftet, weil sie verbotene Bücher wie Solschenizyns Archipel Gulag verbreiteten, das die Wahrheit über das sowjetische Straflagersystem aufdeckte. Nachts hörten sie durch den Nebel der sowjetischen Störsender verbotene westliche Radioprogramme, immer auf der Suche nach mehr Informationen, nach der Vielstimmigkeit der Meinungen, die ein Zeichen wahrer Demokratie war.„, schreibt Pomerantsev und man erfühlt zunächst instinktiv die Absicht hinter seiner Selbstauskunft. Die Kurzübersetzung: Glaubt mir, ich bin über meine Eltern selbst ein Opfer von Repression und Zensur gewesen und weiß daher, wovon ich rede.

Schon der Versuch, dem Leser die Existenz eines „demokratischen Informationsraumes“ quasi subliminal als natürliche Notwendigkeit in die Hirnwindungen zu drücken, macht Herrn Pomerantsev sehr verdächtig. Reicht es nicht mehr, daß jeder einfach sagt, was er denkt? Braucht er einen „demokratischen Informationsraum“ dazu, ein extra Zimmer vielleicht, in dem er ungestört die Nachrichten der Öffentlich-Rechtlichen konsumieren kann, ohne darüber nachzudenken, was ihm wieder alles verschwiegen worden sein könnte? Wie soll irgendwer, sich an den „Tugenden der Wahrheit und der Richtigkeit“ orientierend, eine wahre Debatte über „Black Lives Matter“ führen, wenn ihm in den politkorrekten, linksistsichen Medien knallhart verschwiegen wird, daß in Indianapolis eine weiße 24-jährige Frau und Mutter eines Dreijährigen von BLM-Terroristen erschossen worden ist, weil sie es gewagt hatte einzuwenden, daß nicht nur Black-, sondern daß „All Lives Matter“? Wie soll man mit jemandem einen an der Wahrheit orientierten Diskurs führen, der für ganz bestimmte Täter und Tätergruppen immer nur die Vokabeln „Ein Mann“ oder eine „Männergruppe“ übrig hat? Und dann dieser „allgemeine Respekt für die Tugenden der Richtigkeit und Objektivität„: – Wer hat nochmal die postfaktische Gegenwart ausgerufen? Welcher „Denkschule“ haben wir das 1. Axiom der (deutschen) Sozialpsychologie zu verdanken, welches da lautet, jeder Mensch konstruiere sich seine eigene Realität? Wer salbadert seit Jahren von „gefühlten Temperaturen“ und der „emotionalen Kompetenz“? Und was dachte man sich bei der „Zeit“, Pomerantsev ausgerechnet im Zentralorgan der utopistischen Subjektivisten jammern zu lassen? – Es ist nur noch zum Schreien.

Wir sehen, wie Pluralismus in Polarisierung umschlägt„, geht das Gejammer weiter. Tja, „richtig“ und „falsch“, „wahr“ und „gelogen“ sind nun einmal gegensätzliche Pole. Polarisierter, als „Regierung“ und „Opposition“ sogar. Er scheint schlecht damit zurechtzukommen, der Herr Senior Fellow am Institute of Global Affairs der London School of Economics, daß der politkorrekte, linksistische Medien-Mainstream immer stärker Contra bekommt. Er schreibt: „In der Folge leben extrem parteiliche Gruppierungen in so unterschiedlichen Realitäten, dass es unmöglich wird, sich auf eine gemeinsame Reihe von Tatsachen zu einigen, was auch eine demokratische Debatte unmöglich macht„. Und schon haben wir den Salat: Pomerantsevs „Realitäten“: Es gibt nur eine, Herr Pomerantsev. Sie heißt „die Realität“. „Realitäten“ gibt es nicht, lediglich eine Vielzahl von Meinungen gibt es. Die richten sich an persönlichen Vorlieben aus, nicht an jener objektiven Wahrheit, die es angeblich nicht gibt. Die sind aber etwas ganz anderes als „Realitäten“. Wie kommt´s überhaupt, daß ich das schreiben muß, wo es doch Pomerantsev selbst gewesen ist, der vorher die Tugenden der Richtigkeit und Objektivität gelobt, resp. deren Verlust beklagt hatte? Kontrollfrage: Wieviele Geschlechter gibt es, Herr Pomerantsev? Zwei oder viele? Talking about „Realitäten“: Es sind zwei am Südpol – und wer „viele“ antwortet, der wohnt am Nordpol. Polariserung par excellence.

Wer betreibt diese Polarisierung eigentlich? Es werden doch wohl nicht die sein, die hinterher dann am lautesten über die „Spaltung der Gesellschaft“, den „fehlenden Konsens“ und die „Umstrittenheit“ jammern? Ziemlich klar bis hierhin: Worüber Pomerantsev sein Klagelied anstimmt, ist die Tatsache, daß sich immer weniger Selberdenker die linksistische Gehirnwäsche bieten lassen – und daß sich das eben auch in den sozialen Netzwerken spiegelt. Der Mann beklagt das Schrumpfen jener linksistischen Diskurshoheit, von der die Gesamtlinke bereits angenommen hatte, nichts und niemand mehr könne sie noch brechen. Da hat er leider die Rechnung ohne diejenigen gemacht, denen dennoch etwas an den „Tugenden der Richtigkeit und Objektivität“ liegt. Peter Pomerantsev erweckt ein bißchen den Eindruck eines frechen Schwächlings, der den großen Jungs vors Schienbein getreten hat, sich daraufhin eine Abreibung einfing – und zum Schluß laut heulend nach seiner Mama ruft. Sie möge endlich die großen Jungs „regulieren“ und „radikale Transparenz“ einführen. Im Deutschen gilt aber: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Und der linke Medien-Mainstream ist der letzte, der sich darüber wundern darf, wie es aus dem Social-Media-Wald herausschallt. Im Grunde genommen muß er sogar froh sein, wenn es nur der Socia-Media-Wald ist, aus dem es zurückruft. Es gibt genügend Leute im Land, denen angesichts der abgrundtiefen Verlogenheit des Mainstreams schon lange die Hutschnur geplatzt ist.

Scheinheilige Frage

Was also ist schiefgelaufen – und wie können wir einen demokratischen Informationsraum für die Zukunft definieren? Einen öffentlichen Raum, der eine vollständige, freie und faire Diskussion garantiert und in dem Demokratien Entscheidungen auf der Grundlage fakten- und evidenzbasierter Beratschlagung treffen können?„, fragt er wie ein Wolf, der viel Kreide gefressen hat. Dabei ist es gar keine Frage, was da schiefgelaufen ist. Jeder kennt die Antwort: Mit „Framing“ und „rhetorische Hinterfotzigkeiten“ samt „Faktenunterschlagungen aller Art“ läßt sich benennen, was da schiefgelaufen ist. Die ganze politkorrekte Medienblase hat überhaupt kein Interesse mehr an fakten- und evidenzbasierter Beratschlagung. Dieser Blase geht es in ihrem Wolkenkuckucksheim viel zu gut, als daß sie an Änderungen zu ihren Ungunsten interessiert sein könnte. Auch das Pomerantsevsche Gejammer kann darüber nicht hinwegtäuschen. Es ist vielmehr so: Wer hierzulande tatsächlich freie und faire Diskussionen garantieren – sowie auf Fakten- und Evidenzbasiertheit pochen würde, der müßte Themen diskutieren, die sehr schnell offenbaren würden, wie verlogen er in der Vergangenheit gewesen war. Beispiele: Rassismus in Südafrika. Wirtschaftliche Inkompetenz in Zimbabwe. Mißachtung der Menschenrechte im Islam. Fehlender Segensreichtum der Windkraft. Gleichberechtigung vs. Gleichstellung. Fehlende Sinnhaftigkeit der Energiewende. Fehlende Wissenschaftlichkeit von Gender-Mainstreaming – um hier nur ein paar zu nennen. Nein, an fakten- und evidenzbasierten Diskussionen kann exakt jener Medien-Mainstream nicht das geringste Interesse haben, der Peter Pomerantsev hier in Form der „Zeit“ Raum für sein scheinheiliges Gefrage zur Verfügung stellt.

Dann kommt Pomerantsev auf die Menschenrechte und die Redefreiheit zu sprechen. Zuvor hat er von „Trollfabriken“ erzählt, die in Russland, in den USA und anderswo demokratische Basisbewegungen simulieren. „Desinformation als solche ist an keine rechtliche Kategorie gebunden, ihre Erstellung und Verbreitung ist jedenfalls von der UN-Menschenrechtserklärung nicht erfasst.“ – und er vergißt, zu erwähnen, daß es ausgerechnet die deutsche Bundesregierung und ihre zur vierten Gewaltlosigkeit mutierten Hofberichterstatter sind, die weidlich ausnutzen, daß Desinformation an keine rechtliche Kategorie gebunden ist, und daß ihre Erstellung und Verbreitung von der UN-Menschenrechtserklärung nicht erfasst werden. Oder wie will er den gefährlich roten Hintergrund der Wetterkarten bei ARD und ZDF erklären, der bei identischen Temperaturen vor zehn Jahren noch grün gewesen war und Sonnenschein versprach statt Weltenbrand? Wer in aller Welt muß sich da noch über Trollfabriken auslassen? Mit die größten Trolle weltweit schimpfen sich Öffentlich-Rechtliche Medien in Deutschland! Und was die mit ihrer Propaganda in den Oberstübchen ihrer Konsumenten anrichten, illustriert die untenstehende Grafik aus dem Jahr 2016 besser als alles andere.

Resultat öffentlich-rechtlicher Desinformation: Die Demokratenmeinung – Foto: Screenshot Youtube

Es waren angeblich die Konsumenten deutscher Mainstream-Medien, die zwei Tage vor der US-Wahl der Ansicht gewesen sind, daß Donald Trump nicht den Hauch einer Chance gegen Hillary Clinton habe. Genau das ist der Beweis dafür, wer hierzulande völlig fakten- und evidenzbefreit zwangsgebührenfinanzierte Gehirnwäsche betrieben hat – und immer noch weiter betreibt. Da braucht niemand erst Social Media an den Pranger zu stellen, auch ein Herr Pomerantsev in der „Zeit“ nicht. Was dort u.U. an Falschinformationen kursiert, ist wesentlich dem völlig zu Recht verschwundenen Vertrauen in die angeblich so seriösen „Qualitätsmedien“ geschuldet. Zwar ist richtig, daß in den sozialen Netzwerken vieles Fake und Desinformation ist, aber sich allein darauf zu versteifen und die sog. „Qualitätsmedien“ bei der Betrachtung außen vor zu lassen, ist für sich genommen schon ein Pomerantsevscher Verrat an den „Tugenden von Wahrheit und Objektivität“.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Weder von der „Zeit“ noch vom „Spiegel“ wurde bestritten, daß man dort größere Summen von der Bill & Melinda Gates-Stiftung erhalten hat. Wer in aller Welt wäre naiv genug, zu unterstellen, daß das ohne Einfluß auf die Berichterstattung aus dem Themenfeld Corona & Impfung geblieben sei? – Noch nicht einmal Pomerantsev würde das unterstellen. Fragt sich also, weshalb er sich an Social Media abarbeitet. Gut, es fragt sich natürlich nicht wirklich. Wer Platz in der „Zeit“ eingeräumt bekommt, der singt mit größter Wahrscheinlichkeit schon von sich aus das dort gewünschte Lied.

Es folgt eine endlos lange Betrachtung zu den Filterblasen, in denen sich die Nutzer sozialer Netzwerke bewegen, daß sie dort Bestätigung für ihre vorgefassten Meinungen finden, mit Werbung bombardiert wwerden, die auf Grundlage ihres Surfverhaltens auf sie zugeschnitten ist und dergleichen mehr. Es gehe in den Sozialen Netzwerken weniger um Information und Wahrheit, als vielmehr um Anerkennung und Wertschätzung durch den eigenen Klüngel usw.usf. – aber woher das Gejammer? Das war in vordigitalen Zeiten zwar nicht so ausgeprägt, im Prinzip aber nicht viel anders. Vor fünfzig Jahren bezog der Konservative seine Informationen aus der „Frankfurter Allgemeinen“ – und der Progressist die seinen aus der „Süddeutschen Zeitung“. Zeitschriften wie „konkret“ waren auf die ideologischen Vorlieben ihrer Leser ausgerichtet, und nachdem im Zuge des Marsches durch die Institutionen auch die Redaktionen öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten und diejenigen der großen Tageszeitungen mit Ideologen infiltriert worden waren, glich sich der Grundtenor in einer vormals unabhängigen, freien Presse immer mehr an. Inzwischen macht das Wort von der „gleichgeschalteten Presse“ oder der „Lügenpresse“ die Runde. Und nicht einmal zu Unrecht. Man vergleiche nur einmal das, was aus der „Zeit“ unter Giovanni di Lorenzo wurde, mit dem, was sie gewesen ist, als Ex-Kanzler Helmut Schmidt noch Herausgeber gewesen war. Die „Zeit“ ist nicht mehr wiederzuerkennen!

Der sogenannte „Qualitätsjournalismus“ bedient seit jeher seine jeweilige Leserklientel nach deren Wünschen und Vorlieben. Nach Jahrzehnten einer doktrinär linksliberalen Ausrichtung haben es Verlage und Redaktionen inzwischen mit einer Leserschaft zu tun, deren Weltbild zementiert ist. Diesem Weltbild müssen sie um ihres eigenen Überlebens Willen Rechnung tragen. Die Geister, die sie jahrzehntelang gerufen haben, werden sie nun nicht mehr los. Ginge es Pomerantsev wirklich um die „Tugenden der Richtigkeit und der Wahrheit“, dann dürfte er sich niemals so einseitig auf Social Media kaprizieren. Was auf Social Media abläuft, ist die Reaktion auf das Versagen der sogenannten Qualitätsmedien, auf ihre Unterschlagungen, auf ihr Framing, ihre Beschönigungen und auf ihre kastrierte Sprache.

Abgelehnt

Es ist nicht so, daß es an Social Media nichts zu kritisieren gäbe. Aber Pomerantsev greift deutlich zu kurz, wenn er sich auf Social Media beschränkt. Es ist das Totalversagen der sogenannten Qualitätsmedien, das eine sehr gewichtige Rolle spielt bei der Beurteilung dessen, was im Internet als verbesserungswürdig gelten soll. Es ist ja auch nicht so, daß die Qualitätsmedien keine eigenen Onlinepräsenzen hätten. „Zeit-Online“ ist da nur ein Beispiel. Aber was passiert denn, wenn man als Leser eine geharnischte Kritik des Gelesenen in einem Kommentar unterbringen möchte? Bei brisanten Themen wird der Kommentarbereich oft genug gar nicht einmal mehr eröffnet, eine solche Angst herrscht in den Redaktionen inzwischen vor der öffentlichen Meinung. Noch nie war die Diskrepanz zwischen der veröffentlichten und der öffentlichen Meinung größer. Und wenn der Kommentarbereich offen ist, dann wird zensiert, daß die Schwarte kracht. Es ist kein Wunder, daß sich der Medienkonsument andere Quellen sucht, nachdem er zu dem Ergebnis kommen mußte, daß er von den sogenannten Qualitätsmedien permanent hinters Licht geführt wird. „Minderjährige Flüchtlinge“, „Partyszene, Eventkultur“, „Einmann“ und dergleichen mehr sind nur einige der Euphemismen, die tagein-tagaus verwendet werden, um alles zu verschleiern, was man im Medien-Mainstream partout nicht wahrhaben will.

So viel steht fest: So lange man den sogenannten Qualitätsmedien nicht trauen kann, was die „Tugenden der Richtigkeit und der Wahrheit“ angeht, so lange sind alle Versuche solcher „Qualitätsmedien“ wie der „Zeit“, Social Media den Schwarzen Peter rüberzuschieben, von großer und überaus selbstgerechter Wehleidigkeit. Der „Zeit“ und Peter Pomerantsev sei gesagt: ehe sich das „Qualitätsmedium“ an die Kritik der Zustände im Internet macht, kehre es gefälligst vor seiner eigenen Tür. Dort findet sich genügend Dreck. Das ist es nämlich, was Pomerantsevs Essay in der „Zeit“ wirklich ist: Ein Versuch, die stärker werdende Konkurrenz zu bashen, um sich nicht um seinen eigenen Dreck kümmern zu müssen.

Themenvorschläge für eine veränderte „Alles-neu-Qualitätspresse“

Wie wär´s, liebe „Zeit“? Neue „Zeit“ mit neuen Themen wäre doch gut, oder? Einen Boom könnte man auslösen, Trendsetter werden sogar. – Hier eine kleine Auswahl an Themenvorschlägen: Rassismus im Post-Apartheid Südafrika. Das Scheitern marxistischer Ideen in Zimbabwe und in Venezuela (dafür mal ein bißchen Bolsonaro- & Brasilienpause machen). Die Zurückweisung der Menschenrechte im Islam. Frauenquote verwandelt Parlamente in Ständeversammlungen. Der große Windrad-Quatsch. Die zwanzigjährigen Siebengescheiten. Donald Trump – ein feiner Kerl. Putin – ein feiner Realist. Orban – ein feiner Patriot. Xi Jinping – der Totalitarist in Peking. Merkel – die Heimsuchung im Kanzleramt. Anetta Kahane – die Frau, die von der Stasi kam. Verfassungsschutz beobachtet Verfassungsrichterin. Die AfD – eine demokratisch in die Parlamente gewählte Partei. Warum politisch-korrekte Sprachregelungen kontraproduktiv sind. Warum die Parteien den Staat als ihre Beute wieder herausrücken müssen. Intendanz und Parteiengünstlingswirtschaft bei den Öffentlich-Rechtlichen. Schluß mit den Verteufelungen: Skeptiker sind keine Leugner. Linksliberalismus zur Zivilreligion mutiert. Übel: Der Konsensfaschismus. Bundesrepublik: Land mit verprügelter Opposition. Corona: Die maskierte Sauerei. Deutschland: Verschwinden Demokratie und Rechtsstaatlichkeit? – Das sind nicht nur Themenvorschläge für die „Zeit“, sondern überhaupt Themenvorschläge für die sog. Qualitätsmedien. Gut möglich, daß man ganz andere Redakteure ebenfalls bräuchte.

Wer in Zukunft nicht auf die Übersetzung von peinlich einseitigen Pomerantsev-Essays zurückgreifen müssen will, um leere Blätter mit Buchstaben zu füllen: Anruf bei mir genügt. Ich habe immer einen guten Themenvorschlag. Pomerantsevs Essay ist jedenfalls nicht viel mehr als selbstmitleidiges Gejaule. Bis ich dem Senior Fellow abnehme, daß es ihm um die „Tugenden der Richtigkeit und der Objektivität“ geht, wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Mit dem gegenständlichen Essay hat er das nämlich nicht untermauert. Und der Zorn, der stetig zunimmt angesichts der miserablen Qualität in den „Qualitätsmedien“, ist völlig berechtigt. Völlig gaga ist es, zuerst den Haß zu generieren, um sich dann zu beschweren, daß er da ist – und megagaga ist es, die selbst Vergrätzten obendrein noch als „Hasser & Hetzer“ zu diffamieren, die ohne irgendwelches äußere Zutun eben zu solchen schlechten Menschen geworden seien, daß sie recht eigentlich gar nicht mehr zu den lieben „die Menschen“ gezählt werden können. Mehr selbstgerechte Chuzpe geht kaum.

Möge der Zorn in den Sozialen Medien zu jenen Veränderungen bei den „Qualitätsmedien“ führen, welche der Rettung von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit dienlich wären. Social Media alleine wird es nicht schaffen. Vierte Gewalt wäre schon gut. Eine vierte Gewaltlosigkeit braucht nämlich kein Mensch mehr.

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