Zu positiv über AfD und Polen berichtet? dpa zensiert sich selbst!

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In Berlin unerwünscht: Der polnische Präsident Andrzej Duda mit Frau und Tochter (die beide Deutsch sprechen)

George Orwell könnte es sich nicht besser ausdenken: Wenn bei der dpa mal aus Versehen ein objektiver Artikel zur AfD über den Ticker rauscht, dauert es nur wenige Stunden, bis er deutschlandweit (fast) verschwunden ist. Wir leben in einem Alptraum.

„Trzaskowski gratuliert Duda zum Sieg“ titelte die Deutsche Presse-Agentur gestern um ca. 16 Uhr mit einem relativ nüchternen und ausgewogenen Artikel über die Polen-Wahl. Die dpa zitierte sogar – was selten geworden ist – einen AfD-Politiker dazu, ohne Wertung oder Häme:

Der AfD-Obmann im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Petr Bystron, erklärte, mit Dudas Wiederwahl hätten die Polen „für ihre eigene Nation, Kultur, Religion und Traditionen und gegen die übergriffigen Forderungen der Globalisten in der EU“ gestimmt. „Das Votum ist klar: Die Polen wollen nicht aus Berlin und Brüssel regiert werden. Und das ist gut so“, erklärte Bystron. (Hier im Archiv zu lesen.)

Ironischerweise zitierte der dpa-Artikel auch die FDP-Mitteleuropaexpertin im Bundestag, Renata Alt, die für den „Schutz der Pressefreiheit“ plädierte, denn die „Verbalattacken“ des polnischen Präsidenten, mit denen er versucht habe, „kritische Stimmen in Deutschland einzuschüchtern,“ seien „inakzeptabel.“

Keine Erwähnung fand die Tatsache, dass alle großen Tageszeitungen in Polen in der Hand der deutschen Verlage Bertelsmann und Springer sind, eine Tatsache, die im Wahlkampf kontrovers diskutiert wurde. Der linke Herausforderer Rafal Trzaskowski erhielt 1995 ein Stipendium der Soros Foundation an der Oxford University und engagierte sich als Bürgermeister von Warschau mit Unterstützung von Soros-NGOs für LGBT-Rechte in Polen.

Vier Stunden später war dieser relative nüchterne und objektive Artikel auf fast allen Medienplattformen Deutschlands entfernt, und durch einen völlig neuen, Polen-kritischen Artikel mit der neuen Überschrift „Knapper Sieg sichert Duda zweite Amtszeit“ ersetzt: Süddeutsche Zeitung, Berliner Morgenpost, Handelsblatt, Rhein Zeitung, Passauer Neue Presse, Augsburger Allgemeine, Neue Osnabrücker Zeitung, alle dpa-Blätter erhielten den Befehl „Kommando zurück!“ Der Polen-freundliche und AfD-neutrale Artikel ist jetzt nur noch auf Börse Online und Financial.de zu lesen.

Im neuen, „besseren“ Artikel wurde endlich das richtige Framing nachgeholt: In Polen würden „progressive Liberale gegen rückwärtsgewandte Bewahrer“ stehen, Duda würde gegen „sexuelle Minderheiten“ hetzen und „antideutsche Ressentiments aus der Mottenkiste“ holen. Statt FDP- und AfD-Politiker wurde jetzt ein „Experte“ zitiert, Prof. Antoni Dudek, der eine „kalte bis sehr kalte Politik“ Warschaus prophezeite: „Nach dieser Wahlkampagne wird Duda nicht besonders interessiert sein, die Beziehungen zu Berlin abzumildern.“

Im Wahlkampf hätte Duda eine „angebliche Einmischung deutscher Medien in den Präsidentenwahlkampf“ kritisiert, so die dpa jetzt. Der polnische Präsident sei „angefressen“ – dieses unflätige Wort benutzt die dpa tatsächlich für den Präsidenten eines Nachbarlandes – „nachdem eine polnische Boulevardzeitung, die zum Teil in deutschem Besitz ist, über seine Begnadigung eines Pädophilen berichtet hatte. Später beschimpfte er öffentlich den Warschau-Korrespondenten einer deutschen Tageszeitung.“

Das Springer-Blatt „Fakt“ hatte im Wahlkampf Duda vorgeworfen, einen Pädophilen begnadigt zu haben, obwohl der Mann seine Haftstrafe schon abgesessen hatte und lediglich die Kontaktsperre aufgehoben wurde. Der Warschau-Korrespondent der Springer-WELT Philipp Fritz hatte geschrieben, dass Dudas Herausforderer Rafal Trzaskowski „der bessere Präsident“ wäre. Was das mit neutralem Journalismus zu tun hat oder warum die deutsche Dominanz über die polnischen Medien zum Wahlkampfthema in Polen geworden ist, scheint die dpa überhaupt nicht zu interessieren.

„Will Axel Springer, eine Firma deutscher Herkunft, der die ‚Fakt‘-Zeitung gehört, die polnische Präsidentenwahl beeinflussen?“, sagte Duda am 3.7. bei einem Wahlkampfauftritt. „Wollen die Deutschen den Präsidenten in Polen bestimmen?“ Dudas Wahlkampf-Manager Adam Bielan sagte dem polnischen Radiosender PR1: „Wir wollen diese Art ausländischer Einmischung in den Wahlprozess nicht“. In der Woche vor der Wahl wurde der deutsche Gesandte in Polen wegen der deutschen Einmischung in den polnischen Wahlkampf ins polnische Außenministerium einbestellt.

Und nun verschwindet der neutrale, objektive dpa-Artikel beinahe spurlos aus den deutschen Medien. Auf Anfrage sagte der dienstleitende Redakteur bei der dpa, Hans Dahne, es sei „ganz normal“ dass ein Artikel im Laufe des Tages „aktualisiert“ werde. Warum der alte Text durch einen neuen, völlig anderen Text ersetzt wurde, anstatt eine neue Meldung daraus zu machen, konnte Dahne nicht erklären.

„Die deutschen Medien tun immer so, als würde die PiS die Wahlen beeinflussen, dabei sind es die deutschen Medien, die das tun“, sagte der polnische MdEP Dominik Tarczynski gegenüber jouwatch. „Anscheinend kapieren sie dabei nicht, wie kontraproduktiv und überheblich das ist, wenn die Deutschen den Polen sagen wollen, was sie zu tun haben. Das ist der Grund, warum Andrzej Duda wiedergewählt wurde. Die Polen werden sich nie wieder von Deutschland sagen lassen, was sie zu tun haben. Und das ist auch gut so!“

 

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