Gigantische Arbeitslosigkeit und Wirtschaftseinbruch dank Corona – doch Altmaier redet von Aufschwung

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Altmaiers strauchelt mal wieder (Bild: Screenshot)

Langsam muss man sich über den Geisteszustand von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ernstlich Sorgen machen: Nachdem er mit seinen blumigen Prognosen zu Beginn der Corona-Krise im März bereits mehr als schief lag („kein Arbeitsplatz wird verloren gehen“), übt er sich nun erneut in Beschwichtigungen und einlullenden Verheißungen: „Ab Oktober“ soll die Wirtschaft wieder boomen.

Er sei sich „sicher, dass wir den Abschwung unserer Wirtschaft nach der Sommerpause stoppen können und spätestens ab Oktober die Wirtschaft in Deutschland wieder wächst“, so Altmaier laut „Handelsblatt„. Alles in allem werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um sechs Prozent schrumpfen – doch Corona ist, zumindest was die Wirtschaft betrifft, nicht schlimmer als Grippe, eher ein Sommerschnupfen: Für das kommende Jahr rechnet Altmaier schon wieder mit einem „Wachstum von über fünf Prozent.“

Ebenfalls wird die Arbeitsmarktkrise nur eine vorübergehende Flaute sein: Ab November würden die Zahlen der Erwerbslosen wieder „langsam zurückgehen“. Womit diese Zuversicht begründet wird, bleibt unklar: Alle wirtschaftlichen Prognosen sehen eine katastrophale, düstere Zukunft, deren reale Auswirkungen im Bewusstsein der meisten Deutschen überhaupt noch nicht angekommen sein dürfte. Umso verhängnisvoller, wenn der zuständige Fachminister die wirtschaftliche Situation schönredet. Diese inszenierte Arglosigkeit ist noch schlimmer als Durchhalteparolen, denn letztere werden als Verzweiflungsakt meist erkannt.

Gerade erst ließ die EU-Kommission, bislang auch eher zweckoptimistisch gestimmt, alle Alarmlampen aufleuchten: Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) schreibt, fällt die Rezession wegen der Corona-Pandemie nach der neuesten Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr „noch stärker aus als angenommen“: Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone könnte demnach 2020 um 8,7 Prozent einbrechen, in der Europäischen Union als Ganzes um 8,3 Prozent. Und die „Bild“ berichtet unter Berufung auf eine Umfrage des Münchener Ifo-Instituts unter knapp 7000 Unternehmen, dass Deutschland eine gigantische Pleitewelle mit 5 Millionen Arbeitslosen drohe. Und Unternehmensberater Roland Berger erklärte laut „dts Nachrichtenagentur“, dass eine Arbeitslosenquote von zwischen neun und zehn Prozent realistisch und „eine gigantische Bedrohung unserer Gesellschaft“ die Folge sei. Von Verteilungskämpfen und sozialen Unruhen gar nicht zu reden.

Süddeutsche und Wirtschaftsministerium als Volksbeschwichtiger

Angesichts dieser objektiven, düsteren Expertisen stellt sich die Frage: Entweder also muss Altmaier unter dem Einfluss bewusstseinserweiterter Substanzen stehen, wenn er seine wolkigen Zukunftsvisionen verkündet (und – warum eigentlich ausgerechnet ab Oktober? – von einem Aufschwung spricht)… oder er macht sich neuerdings die Realitätstrübung der „Süddeutschen Zeitung“ zueigen; die schrieb gestern unter Berufung auf eine aktuelle Studie, dass die Deutschen „kaum finanzielle Einbußen“ durch Corona erleiden würde, und dass nur „ein Fünftel“ der Bevölkerung wirtschaftlich von der Krise betroffen sei – der Rest, vier Fünftel, aber so gut wie nicht.

Selektive Wahrnehmung der Haltungs- bzw. Durchhaltepresse als Blaupause für Verkündungen der Bundesregierung – das wäre etwas völlig Neues; jedenfalls klingt, was Altmaier hier absondert, sehr vertraut, nämlich nach „wir schaffen das“. Mit absehbar ähnlichem Ausgang. (DM)

 

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