Annegret Kramp-Karrenbauer: Ich bin eine Quotenfrau

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Zwei Frauen, ein Versagen (Foto: Imago)

Es hat einmal Zeiten gegeben, in denen es Frauen als Beleidigung empfanden, wenn sie als „Quotenfrau“ bezeichnet wurden. Das scheint sich geändert zu haben. Im ARD-Sommerinterview bekannte sich die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dazu, eine Quotenfrau zu sein – und daß sie die Frauenquote inzwischen für unerläßlich hält. Mann ist schockiert.

von Max Erdinger

Im „Bericht aus Berlin„, einer Sendung der ARD, interviewte Frau Tina Hassel Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesverteidungsministerin und Ex-CDU-Vorsitzende. Unter anderem ging es dabei um die Frauenquote.

Frau Kramp-Karrenbauer: „ ( … ) Ich kann mich erinnern, daß ich meine allererste Debatte als Mitglied der Jungen Union mit der Kreisvorsitzenden der Frauen-Union hatte. Wir haben uns gestritten – Sie dürfen raten – über die Frauenquote. Weil ich damals der Auffassung war, braucht man nicht. Aber als Frau merkt man eben auch im Lauf seines Lebens: gerade Frauen stecken vor größeren Herausforderungen, haben es schwerer. Und deswegen habe ich auch immer nach Erfolg stolz und selbstbewußt gesagt und sage das auch heute noch: ich habe der Quote viel zu verdanken. Ich bin eine Quotenfrau, ohne die wäre ich in die Position nicht hineingekommen. Hat nichts damit zu tun, daß man, wenn man in einer Position ist, auch beweisen muß, daß man es kann. Das gilt für Männer genauso wie für Frauen.

Mann möchte nur noch schreiend das Weite suchen. Logik, dein Name ist „Frau“. Nicht. Der Lesart etlicher Feministinnen zufolge ist Logik nämlich ein perfides patriarchales Konstrukt zur Kleinhaltung von Frauen. Schon steht wieder fest, wer an der vermaldedeiten Logik schuld ist. Es hilft aber nichts. Frau Annegret Kramp-Karrenbauers Einlassung im „Bericht aus Berlin“ muß trotzdem einer Überprüfung auf ihre logische Konsistenz hin unterzogen werden. Logik ist nämlich die Voraussetzung aller Vernunft (ratio). Und fast alle „die Menschen“ – darunter auch Frauen und Kinder – sind der Ansicht, daß rationale Entscheidungen den irrationalen vorzuziehen seien.

„Braucht man nicht“

Wer ist „man“? Männer sind es offensichtlich nicht. Die brauchen keine Frauenquote, weil sie keine Frauen sind. Wer also brauchte nach Frau Kramp-Karrenbauers früherer Überzeugung die Frauenquote nicht? – Bingo, Frauen brauchten sie nach ihrer früheren Überzeugung nicht. Von wegen „braucht man nicht“. Weitergedacht stellt sich die Frage, wer Politiker braucht. Zwar mag man darüber streiten, ob es zutrifft, aber wenn man schon der Ansicht ist, daß man Politiker braucht, dann braucht man sie wohl für alle „die Menschen draußen im Lande“. Alle „die Menschen draußen im Lande“, also Männer und Frauen, hätten aber mehr davon, wenn nicht das Geschlecht des Politikers Kriterium für „Position“ wäre, sondern seine Befähigung zur Vertretung von Volksinteressen. Unter den Befähigten könnten sich auch Frauen befinden. Die Frauenquote stellt jedoch das Geschlecht als Kriterium in den Vordergrund. Worum geht es Frau Annegret Kramp-Karrenbauer also? – Um das Wohlergehen von Frauen, die „in Positionen kommen“ – und zwar noch vor dem Wohlergehen desjenigen Ganzen, dem auch die Politikerin sich zu verpflichten hätte. Logik: Frauen, die behaupten, „man“ brauche eine Frauenquote, sind zweitklassige Politiker. Und solche Politiker brauchen weder Männer noch Frauen.

Subjektivismus

Wie „man“ als Frau merkt, daß Frauen vor größeren Herausforderungen stecken und „es“ schwerer haben, erläutert Frau Kramp-Karrenbauer nicht. Der Versuch, es zu erläutern, wäre auch von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Es stimmt schlicht und einfach nicht, daß Frauen vor größeren Herausforderungen stecken und „es“ schwerer haben. Es gibt eine unglaubliche Fülle an Daten, die das genaue Gegenteil als zutreffend belegen. Mädchen haben auch ohne „Mädchenquote“ die „besseren Schulabschlüsse“, was allerdings wegen des allgemein bis zur Schändlichkeit herabgesunkenen Niveaus bei den Abschlüssen kein Grund zum Jubel wäre – außer für Feministinnen und bei denen wiederum passend zu deren „Niveau“ – und sie stellen mit einem Verhältnis von 70 zu 30 Prozent (Zahlenwert aus dem Jahr 2000) den weitaus größeren Teil der Studienabbrecher. Warum? – Weil sie es sich leisten können, etwa, weil sie aus der Uni „herausgeheiratet“ werden von männlichen Kommilitonen, die selbst eine vielversprechende Karriere vor sich haben. Bei der Verurteilung wegen Straftaten genießen sie einen Frauenbonus, wie ein inzwischen pensionierter Richter vor Jahren bereits einräumte, ohne etwas Negatives daran zu finden, weil auch er der Ansicht gewesen war, dieser Frauenbonus sei gerechtfertigt, da Frauen „es“ schwerer im Leben hätten. Die Differenz bei der durchschnittlichen Lebenserwartung von Männern und Frauen ist innerhalb eines einzigen Jahrhunderts um mindestens das Vierfache (!) zugunsten von Frauen gestiegen (1920: 1,5 Jahre / 2020: 6 Jahre) – und wozu es überhaupt noch einen Frauentag am 8. März gibt, ist völlig unerklärlich angesichts der Tatsache, daß wegen des institutionalierten Staatsfeminismus´ ohnehin jedes Jahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember Frauenjahr ist. „Frauenfrauenfrauen“ all day long. Und zwar in der gesamten westlichen Welt.

Daß Frauen vor größeren Herausforderung stecken und „es“ schwerer haben, ist also nichts weiter als eine utilitaristisch-subjektivistische Behauptung von Frau Annegret Kramp-Karrenbauer. Genau dieser utilitaristische Subjektivismus ist es, der dem Ganzen inzwischen eher über kurz als über lang das Genick brechen wird. Wie „es“ ist, hängt nicht davon ab, was Frau Kramp-Karrenbauer den lieben langen Tag alles meint & findet.

Mit Blindheit geschlagen

Mit willfähriger Blindheit geschlagen muß sein, wer sich nach einem halben Jahrhundert intensivster Frauenpromo und angesichts der starken Frauenpräsenz in höchsten Regierungsämtern und an den Schalthebeln der medialen Macht nicht allmählich einmal fragt, ob es sich beim evidenten Niedergang von praktisch allem und der ubiquitären Frauenveneration tatsächlich nur um eine Korrelation handelt, oder ob da eventuell auch eine Kausalität in Betracht käme. Anläße, sich diese Frage zu stellen, gibt es massenhaft.

Wenn z.B. ausgerechnet eine Frau Högl (SPD) als Wehrbeauftragte die „allgemeine Wehrpflicht“ wiedereinführen möchte, obwohl die noch nie „allgemein“ galt, sondern immer nur für Männer, dann wartet der geschulte Feminismusdeutsche nur noch darauf, daß sie auf einen dementsprechenden Einwand mit dem abgelutschten und altbekannten Pseudoargument antwortet, Frauen seien schon dadurch benachteiligt, daß sie die Kinder bekommen müssen. Stichwort: Gebärpflicht vs. Wehrpflicht. Manko: Es gibt und gab keine Gebärpflicht. Und es wird sie auch nicht geben, falls die Wehrpflicht für Männer wieder eingeführt werden sollte. Zu Frau Kramp-Karrenbauers Ehrenrettung muß man allerdings sagen, daß sie Frau Högls Forderung widersprochen hat. Frau Kramp-Karenbauer hält eine allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen für die bessere Lösung.

Abgesehen davon ist es freilich ein unter logischen Gesichtspunkten besonders starkes Stück, Frauen schon deswegen eine Benachteiligung anzudichten, weil sie die Kinder bekommen. Auf den Punkt gebracht wäre das nämlich die Aussage, Frauen seien bereits dadurch benachteiligt, daß sie Frauen sind, ohne daß sie jemand benachteiligt hätte. Die Benachteiligung als solche setzt aber einen perfide handelnden Benachteiliger voraus. Die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen ist jedoch weder von Frauen noch von Männern erfunden worden. Die „Abschaffung“ der menschlichen Zweigeschlechtlichkeit hingegen wird vornehmlich aus der feministischen Ecke heraus betrieben. Gender-Mainstreaming ist ein feministisches Derivat.

Welche Geistesgröß*Innen die zwanghafte Frauenermächtigung der Öffentlichkeit bereits beschert hat, illustriert dieser Tage ein Tweet von SPIEGEL-Kolumnistin Margarethe Stokowski und die Reaktion der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD). Screenshots des Dialogs kursieren zuhauf in den sozialen Netzwerken. Margarethe Stokowski (@marga_owski) im O-Ton: „Was ist jetzt das Scheißproblem daran eine Scheißmaske in einem Scheißgeschäft zu tragen was sind eure Scheißargumente guten Morgen„. Antwort Sawsan Chebli (@SawsanChebli): „Danke [email protected] marga_owski! Ich hätte es nicht besser formulieren können.“ – Da lacht mann bitter. Denn Frau Sawsan Chebli hat recht. Wer weiß, ob mann ohne den teutschen Frauenquotenfetischismus je in den Genuß einer solchen Brillanz gekommen wäre? Oder pflegten die beiden Grazien nur einen Kommunikationsstil, den sie -wer weiß aus welchen Gründen – für besonders männlich und daher für nachahmenswert hielten?

Die Personifizierung des östrogenalen Frohsinns, Frau Katharina Schultze, will sogar das Wort „Mordopfer“ nicht mehr für eine ermordete Frau gelten lassen. „Mordopfer“ ist anscheinend zu schwach für die Frauenpower. In einem bayerischen Omnibus war eine Frau von ihrem Ex-Mann hinterrücks erstochen worden. „Welche Frau und welcher Mann?“ ist in diesem Zusammenhang nicht weiter von Bedeutung. Frau Katharina Schultze twitterte, bei dem Mord habe sich in Wahrheit um einen „Femizid“ gehandelt. Es gibt anscheinend nicht mehr genügend Worte, um das ubiquitäre Frauenleid noch angemessen zu benennen. Daß Frau Schultze das Wort „Androzid“ einfiele, sollte Frau Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer tausende von Männern in den Krieg schicken, ist aber nicht zu erwarten.

Resümee

Da es ja nicht so ist, daß Quotenbefürworter die Frauenquote überall befürworten, sondern nur für die statusverheißenden Jobs in Wirtschaft & Politik, darf man wohl getrost davon ausgehen, daß die Forderung nach Frauenquoten mitnichten auf das Wohl des großen Ganzen abzielt, sondern recht eigentlich nur die Aufforderung ist, ganz bestimmten Frauen gefälligst Puderzucker in den Allerwertesten zu blasen, auf daß es ihnen – und nur ihnen – fürderhin besser gehe, als ohne Quote. Daß es darauf ankäme, in den Positionen, die „man“ per Quote erobern konnte, „es“ zu können, und zwar egal, ob Mann oder Frau, ist allerdings der Gipfel der Kramp-Karrenbauerschen Realitätsferne. Es käme nämlich darauf an, daß „man“ es kann, bevor man in die „Positionen“ kommt. Genau das wird durch die Frauenquote konterkariert. Die Resultate der quotenbeseelten Verpeiltheit lassen sich überall besichtigen, wo die Quote wirkt.

Es ist überhaupt bemerkenswert, daß kaum jemand auf die Idee kommt, nach einem halben Jahrhundert forcierter Frauenverhätschelung einmal ein Zwischenresümee zu fordern, in dem berücksichtigt wird, wie das Verhältnis aussieht zwischen den feministischen Versprechungen von vor einem halben Jahrhundert und den Gegenwartszuständen. Ob es wohl stimmt, daß die Welt ein „menschlicherer“, „friedfertigerer“ und „liebevollerer“ Ort geworden ist? Und ob es wohl stimmt, daß unsere famosen Frauen für ganz andere Aufgaben prädestiniert sind, als ausgerechnet für die Regelung öffentlicher Angelegenheiten, die ja immer Angelegenheiten beider Geschlechter zu sein hätten? Keinerlei Illusionen muß man sich jedenfalls hinsichtlich der zu erwartenden Akzeptanz für den folgenden „chauvinistischen“ Vorschlag zur Güte machen: Wie wäre es, die Idee einer Frauenquote einfach sausen zu lassen und sich stattdessen darauf zu einigen, daß Frauen die Kinder zur Welt bringen, während Männer im ausgleichsgerechten Gegenzug die öffentlichen Angelegenheiten auch für die Frauen mitregeln? Ich meine, wegen der Doppelbelastung. Wenn doch jede einzelne Frau dadurch, daß sie die Kinder bekommt, ohnehin schon so furchtbar „benachteiligt“ ist?

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